Gedicht gesucht

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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Roberto

Gedicht gesucht

Beitrag von Roberto » 18. Feb 2005, 23:12

Hallo,

ist das von Rilke und wo finde ich das vollständige Gedicht?

"Der Wald erscholl, der volle Trieb gedieh,
Der Jäger schoß: Da lag ein Gott erschlagen,
Und im Gericht saß Einer, der verzieh."

Viele Grüße von Roberto :lol:

Barbara
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Beitrag von Barbara » 23. Feb 2005, 20:53

Hallo Roberto,

es könnte sein, dass diese Textzeilen aus einem Sonett stammen !?

Gefunden habe ich sie im Tagebuch von Lou Andreas-Salome.
Darunter steht eine Eintragung R.M. Rilkes eines Goethe-Zitats:

"... denn wir ahnen die furchtbaren Bedingungen, unter welchen allein sich selbst das entschiedenste Naturell zum Letztmöglichen des Gelingens erheben kann..." (Goethe: Italiänische Reise)

Vielleicht hilft das weiter ?

Viele Grüße von Barbara :lol:

sedna
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Re: Gedicht gesucht

Beitrag von sedna » 26. Dez 2010, 00:49

Roberto hat geschrieben:ist das von Rilke und wo finde ich das vollständige Gedicht?
Nein, das ist von Hermann Burte, vollständig zu finden hier und in Neue Blätter, Band 1, Baron, Berlin 1912 :

Sonett

Hinab mein Land! Ertrink in grauen Wogen!
Du schwarzer Himmel übersarg es schwer!
Ertrage mich, du ungebärdig Meer,
Ihr Nebel! Haltet schleiernd mich umschmogen!

Die Welt an Sonne, ich an Sehnen leer.
Ich habe Tod und Leben abgewogen
Und liebe beide gleich, den blinden Bogen
Ins Ungefähre spanne ich nicht mehr.

Es zog ein Mann wohl aus, er wollte jagen
Den Tölpel Zufall, dieses irre Vieh,
Die Erde stöhnte unter seinen Plagen.

Der Wald erscholl, der volle Trieb gedieh,
Der Jäger schoß, da lag ein Gott erschlagen,
Und im Gericht saß Einer, der verzieh.


Rilke über Burte am 2. Oktober 1924 in einem Brief an Edmund von Freyhold:

"Ich habe inzwischen in dem Jahrbuch (auf 1924) 'Die neue Dichtung', die Gedichte Burtes gelesen und wiedergelesen. Sie hören nicht auf, mir den größten Eindruck zu machen; ich meinte doch einen Begriff von der Bedeutung Hermann Burte's mir entwickelt zu haben: Diese stämmigen und doch, wo es darauf ankommt, so zart biegsamen Gedichte übertreffen ihn bei Weitem. Sie steigern und verändern ihn durch eine Eigenschaft, die zuzusprechen voller Verantwortung ist, durch eine innere Großheit, die in dem Autor der 'Flügelspinnerin' noch nicht erkennbar war. Ein Gedicht wie diese 'Himmlische Ernte', ist ein allgemeiner deutscher Besitz, ein Gut von solcher Reinheit und Gnade, daß es für sich allein ausreicht, den gründlichen Reichtum des Dichters für immer zu erweisen."


sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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