"Ausgesetzt auf den Bergen" Interpretation

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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sheddy
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"Ausgesetzt auf den Bergen" Interpretation

Beitrag von sheddy » 10. Jan 2006, 14:58

Moin!
ich komme mit dem Gedicht gar nicht klar...kann mir jemand eine Seite sgen,wo ich etwas über das Gedicht finden kann?!?! Damit ich jedenfalls ein bisschen habe?!ß!

gruß sheddy

Nina

Beitrag von Nina » 10. Jan 2006, 16:29

Sieh nur: es schneit in den Bergen :lol: !

Paula
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Beitrag von Paula » 10. Jan 2006, 23:13

Hallo,

vielleicht so ?

SCHNEEPART, gebäumt, bis zuletzt,
im Aufwind, vor
den für immer entfensterten
Hütten:

Flachträume schirken
übers
geriffelte Eis;

die Wortschatten
heraushaun, sie klaftern
rings um den Krampen
im Kolk.


Paul Celan

Paula :lol:

Harald
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Beitrag von Harald » 11. Jan 2006, 14:26

kann mir jemand eine Seite sagen, wo ich etwas über das Gedicht finden kann?!?!
Warum versuchst du's nicht selber? Da springen dir doch schnell ein paar Dinge in die Augen. Such doch mal alle Wörter, die etwas mit Landschaft zu tun haben und dann alle Wörter, die mit Gefühlen zu tun haben, und verfolge die "Handlung" in dieser "Berglandschaft". Der Sprecher zeigt dir alles mögliche. Warum Berge und nicht Lüneburger Heide?
Fragen stellt er auch, und manche Wörter werden wiederholt. Sei einfach neugierig und schau dich um, dann brauchst du keine Universitätsprofessoren, die mit ihren Interpretationen oft nur zeigen, dass sie keine Freude mehr an den Gedichten haben, die sie abschießen, ausweiden, verbraten und auffressen. Siehst du, Metaphern stecken an!
Schönen Gruß
Harald

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
aber wie klein auch, noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du's? —
Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl
einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann,
und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewußtseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. — Aber
ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens —
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

Nina

Beitrag von Nina » 11. Jan 2006, 16:45

Sorry, aber hier liegt wirklich verdammt viel Schnee !!!

Ausserdem ist mir gar nicht klar, ob der Dichter die Landschaft oder die Sprache meint ?!

zb wenn er schreibt:
Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl
einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.


Nina :lol:

Harald
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Beitrag von Harald » 11. Jan 2006, 21:45

Ausserdem ist mir gar nicht klar, ob der Dichter die Landschaft oder die Sprache meint ?!
Metaphorische Sprache meint weder das eine noch das andere für sich, sondern das tertium comparationis, das, was eben nur durch diese Metapher ausgedrückt werden kann. (Schau dir meine Signatur als Beispiel an.) Im Prinzip gilt das Gleiche wie fürs Gedicht als Ganzes: Wenn es sich durch eine Botschaft ersetzen ließe, wäre es überflüssig. Das, was es sagt, kann es nur so sagen, und der Leser gibt ihm seine Stimme und sein (begrenztes) Verständnis. Form und Inhalt, Inhalt und Aussage sind kategoriale Vorschlaghämmer, aber keine wirklich tauglichen Instrumente, um ein Gedicht zu verstehen.
(Oh verflucht, die Gemeinde schläft schon! Mal wieder zu lang gepredigt!)
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

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Anna B.
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Beitrag von Anna B. » 11. Jan 2006, 21:56

Hallo Harald, hallo Alle,

deutet dieses "Ausgesetzt..." denn nicht viel eher auf Sprachlosigkeit , Sprachverfall hin ? Heimatlosigkeit... ?

Anna :lol:

stilz
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Beitrag von stilz » 11. Jan 2006, 21:57

Also, ich freu mich sehr über diese "Predigt"...
Und aus den von Dir, Harald, genannten Gründen (die ich nie so schön hätte ausdrücken können) finde ich es halt prinzipiell problematisch, Gedichte zB als schulische Hausaufgabe "interpretieren" zu müssen... vor allem, wenn das dann noch als "richtig" oder "falsch" beurteilt wird...

Da ist mir ein Austausch, wie er hier manchmal passiert, viel lieber, wo jede(r) einfach sagt, was es dazu für Assoziationen gibt (selbst wenn die manchen ab und zu an den Haaren herbeigezogen scheinen mögen).

In diesem Sinne, Nina: zu der Stelle

... Hier blüht wohl
einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.


fällt mir persönlich ein, wie oft gerade aus tiefster Verzweiflung die schönsten und tröstendsten Werke entstehen können - gleich, ob es sich nun um Dichtung, Malerei oder auch Musik handelt...

Lieben Gruß!

stilz

gliwi
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Beitrag von gliwi » 11. Jan 2006, 22:38

Ja ja, hackt nur mal wieder alle auf die Schule ein, der Beifall der Masse ist euch sicher. Was sagt so schön eine Figur Molières? "Ein Edelmann weiß immer alles, ohne jemals etwas gelernt zu haben." Ihr seid sicher alle Edelmänner und -frauen, Glückwunsch! :twisted:
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

stilz
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Beitrag von stilz » 11. Jan 2006, 23:27

Hallo gliwi,

tut mir leid, daß Du es so aufnimmst, ich wollte eigentlich nicht herumhacken, sondern einfach nur sagen, wie schwierig ich es fände, meinen Gedanken und Gefühlen beim Lesen eines Gedichtes freien Lauf und das dann beurteilen zu lassen... und andererseits, wie unbefriedigend, meinen Gedanken und Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen, sondern zu versuchen, sie in Bahnen zu lenken, die die "herrschende Lehre" als "richtig" empfindet...

Was meinst Du denn zum Beispiel zu Haralds Satz:
Wenn es sich durch eine Botschaft ersetzen ließe, wäre es überflüssig. ?

Ich bin ganz und gar keine edle Frau, halte es da mehr mit Sokrates und sage:
oida ouden eidüia --- huch, sieht schrecklich aus in diesen Buchstaben! --- also doch lieber: Ich weiß, daß ich nix weiß!!!

Alles Liebe, und gute Nacht!

stilz

gliwi
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Beitrag von gliwi » 12. Jan 2006, 13:45

Hallo stilz,
ja, das ist schon richtig, was Harald sagt, aber wir wollen es ja nicht ersetzen, sondern auch Menschen, die nicht schon alles können, einen Zugang zeigen.Ich denke, das ist wie beim Schwimmenlernen. Es gibt nur wenige, die einfach reinspringen und losschwimmen. Die meisten brauchen doch Schwimmflügelchen und Anleitung, bis sie es dann alleine können und sich auch trauen, weit hinauszuschwimmen ins Grundlose. Schwimmflügelchen, das sind Form, Inhalt und andere Hilfsbegriffe. Wenn man es dann kann, ist es natürlich wohlfeil, zu sagen: Mein Sportlehrer war ein Depp. (Und das ist leider eine deutsche Gewohnheit) Und auch wenn man es kann, kann man immer noch von einem noch besseren Schwimmer etwas lernen. Andererseits, wenn man es in der Schule nicht lernen würde, würden viele gar nie Bekanntschaft damit machen und gar nicht die Möglichkeit sehen, sich damit zu beschäftigen, nach dem Motto: der Mensch ist ein Landtier, wozu sollte er schwimmen? Dass man in den meisten abenländischen Schulen glaubt, alles mit einer Note bewerten zu müssen, steht auf einem ganz anderen Blatt, das halte ich für das eigentlich Idiotische dran.
Gruß
gliwi
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Gast

Beitrag von Gast » 12. Jan 2006, 15:00

@Anna

Tucholskys Treppe ist nicht von der Hand zu weisen:

Bild

@gliwi
Dass man später auf dem Rennrad nichts mehr von den Stützrädern wissen will, ist natürlich die übliche biographieschönende Dämlichkeit.
Ärgerlich sind Lehrer, die mit metrischer Analyse und Reimschemata den Schülern eine mögliche Freude schon vor dem Entstehen austreiben. Das ist doch, als würde ein Musiklehrer erst einmal Quartsextakkorde in den Noten der Waldsteinsonate suchen lassen, bevor die Schüler die Sonate hören dürfen. (Der Vergleich erreicht hinkend mit geringfügiger Verzögerung das Ziel.) Selbst wenn Jandl in einem Gedicht weitgehend sinnfrei Schlagzeug spielt, dann muss man das erst einmal hören und genießen, bevor man's analysiert. Es kann doch kein Zufall sein, dass hier immer wieder verzwifelte Referatkandidaten vermelden, dass sie zwar die Formanalyse hätten - was ich übrigens lebhaft bezweifle), aber ansonsten nur rote Beete verstünden (was ich aufs Wort glaube).

Harald
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Beitrag von Harald » 12. Jan 2006, 15:07

Ich werde mich jetzt unter dem Namen "Gast" im Forum anmelden, dann spare ich mir "verzwifelte" nachgereichte Erklärungen. (Post Sendung omne animal triste.)
Harald
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.Sabine.
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Beitrag von .Sabine. » 13. Jan 2006, 12:37

Hallo,

dieses Thema finde ich sehr interessant - mit den Übergängen... Und passt nicht folgendes Gedicht auch irgendwie dazu, wenn es auch ein frühes Rilke-Gedicht ist:

...In diesem Dorfe steht das letzte Haus
so einsam wie das letzte Haus der Welt.

Die Straße, die das kleine Dorf nicht hält,
geht langsam weiter in die Nacht hinaus.

Das kleine Dorf ist nur ein Übergang
zwischen zwei Weiten, ahnungsvoll und bang,
ein Weg an Häusern hin statt eines Stegs.
....


aus dem "Buch der Pilgerschaft" von R.M. Rilke

Ich frage mich, wohin führt dieser Weg ? "... die Nacht... zwischen zwei Welten..." deutet dieses nicht alles auf Übergang hin ?

Sabine :lol:
"Ich lerne sehen.... " (Rainer Maria Rilke)

Fritz
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Beitrag von Fritz » 13. Jan 2006, 14:52

Hi,


... klingt nach Umzug :wink: !

Fritz :lol: :roll:
"Zwei alte Tanten tanzen Tango mitten in der Nacht..." (G.Kreisler)

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