"Wieder einmal Dresden-Galerie"

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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Mario

"Wieder einmal Dresden-Galerie"

Beitrag von Mario » 10. Feb 2006, 23:42

Guten Tag,
ich suche für mein Studium ein wenig bekanntes Gedicht von Rilke aus dem Jahre 1896 "Wieder einmal Dresden-Galerie", habe aber bisher leider nichts finden können.
Kann mir da jemand helfen?
Danke

Renée
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Wieder einmalmDresden-Galerie

Beitrag von Renée » 12. Feb 2006, 18:00



Hallo, Mario!

Es handelt sich ja um ein Brief-Gedicht, was man am Ton gut hersaushört. Rilke schrieb es am15.September 1896 an die Baronesse van Oestéren:

Hochverehrte Baronesse,
Wieder einmal Dresden-Galerie,
Die ich aufzusuchen nie vergesse.
Denn ich werde müd zu schauen nie
Des Teniers bizarre Schenkenspässe
Und Ostades bunte bauernmesse
Und dann Rubens, der den Farben lieh
Jene Liebeshymmnen Melodie. -
Raphaels verzückte - Madonnie
Rembrandts halblichtschwere braune Blässe
Dran manch Kritikus sich glühend schrie.
Kranach auch, dem ich die bunten Pässe
In das Fegefeuer nie verzieh.
Hier van Dyck, den Freund der Königstresse
Den ich nach den "Kindern Karls" messe
Und Corregio, den ich nie vergesse
Wegen seiner Wirklichkeitsmanie.
Dort - Velasquez, welchem die Finesse
Des Porträts im höchsten Maaß gedieh,
Goya mit der Höllentheorie
Und Murillos süsses Weingeesse
Dann auch Dürer, der die Farbenpresse
Brauchte - auch für seine Phantasie
.................................................................
..................................................................
Unter diesem allen, Baronesse,
Denk' ich ganz von ungefähr an Sie ...

Aber gewiss ist ein Tizian
Oder der Saskia Auge daran
Schuld, - daß mir hier auf dem Künstlerplan
Solche liebe Gedanken nahn ...
Und da sehn Sie: gedacht - gethan
Schon fällt ein ganzes Gedicht Sie an!

Es geht dann mit einem zweiten Gedicht noch etwas weiter, aber das erspare ich Rilke und mir! Zuerst erschienen ist es in dem Band "Briefe an Baronesse von Oe." in dem Verlag der Johannespresse in New York 1945,
herausgegeben von dem Rilke-Sammler Richard von Mises.

Guten Abend wünscht Renée

Mario

Beitrag von Mario » 15. Feb 2006, 18:22

Vielen Dank.

.Sabine.
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Beitrag von .Sabine. » 24. Feb 2006, 12:39

Hallo,

welche Galerie meint denn Rilke in Dresden ? Ich hörte, es gibt einige dort zu sehen. Kann man die erwähnten Kunstwerke heute auch noch anschauen ?

Sabine :lol:
"Ich lerne sehen.... " (Rainer Maria Rilke)

gliwi
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Beitrag von gliwi » 25. Feb 2006, 01:34

Hallo Sabine,
es handelt sich um DIE Dresdener Gemäldegalerie, die gibt es nur einmal und noch heute undsie hat z.B. Raffaels Madonna mit den beiden Engelchen im Vordergrund. Glücklicherweise waren die Gemälde im Krieg ausgelagert.
Unbedingt ansehen!
Gruß
gliwi
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Volker
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Sixtinische Madonna

Beitrag von Volker » 25. Feb 2006, 02:49

Es handelt sich um die "Sixtinische Madonna".
Sehr exponiert und wirkungsvoll aufgehängt: man kommt eine Treppe hoch, der Blick erweitert sich in einen langen Raum, und ganz am Ende, aber gut erkennbar, hängt dies Bild...
Sehr beeindruckend!
Näheres auch: http://www.uni-leipzig.de/~kuge/neu/2ra ... xtina.html

Bild
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

gliwi
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Beitrag von gliwi » 25. Feb 2006, 14:47

Danke, Volker, mir ist der Name nicht mehr eingefallen. :lol:
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Barbara
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Beitrag von Barbara » 25. Jun 2006, 17:45

Hallo, liebe Rilke-Freunde und Reisende,

leider kann ich am Sonntag nicht in Hellerau dabei sein, da ich bereits Samstag abend abreise, beruflich bedingt. Bin aber ein paar Tage früher in Dresden und Umgebung und würde mir gerne rilkebezüglich auch Hellerau ansehen, sozusagen auf eigene Faust. Könnt Ihr mir Tipps geben, was es dort zu sehen und zu entdecken gibt ?

Vielen Dank und beste Grüße von Barbara

gliwi
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Beitrag von gliwi » 25. Jun 2006, 21:47

Hallo Barbara,
die Hellerau ist ein Stadtteil von Dresden, der 1908 als erste deutsche Gartenstadt gegründet wurde. Am besten informierst du dich unter http://www.dresdner-stadtteile.de/Nord/ ... lerau.html
Sie wurde zu DDR-Zeiten sehr vernachlässigt, wird aber jetzt schön hergerichtet und hat schon wieder eine ganze Menge interessante Einrichtungen. Ich bin seinerzeit mit der Straßenbahn zur Endstation gefahren und von dort zu Fuß wieder in die Stadt zurück und habe mir dabei Jugendstil-Architektur und Bauweise angesehen. Das ist jetzt auch schon wieder ca 12 Jahre her, wie ich unter obigem Link gesehen habe, ist seitdem dort unablässig gearbeitet worden, und es sieht jetzt noch zehnmal besser aus.
Viel Spaß und gutes Wetter!
Christiane
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Beitrag von e.u. » 26. Jun 2006, 08:48

Vielen Dank, liebe Christiane, für den begeisterten Bericht. Ja, bis auf das Festspielhaus (das aber diesen Herbst wieder fertig stehen soll), sieht es in Hellerau wieder ganz idyllisch aus. Die Häuser sind renoviert, die Anlagen gepflegt und die Landschaft ist ohnehin wunderbar.
Leider - und das ist ganz erheblich - baut Dresden in unmittelbarer Nähe das große Luftfrachtzentrum für ganz Europa. Schon jetzt donnern die großen Maschinen über die Gartenstadt. Wenn das voll in Betrieb geht, wird es wohl fürchterlich sein. So hat man sich um 1900 wohl den Fortschritt nicht vorgestellt. Was tun?
Hinfahren, bevor es vorbei ist.
e.u.

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Anna B.
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Beitrag von Anna B. » 24. Sep 2006, 11:39

Hallo,

wann besuchte Rilke das Festspielhaus in Heller-au, mit wem und zu welchem Anlass ? Die Rilke-Tagung war eine wirklich gut gelungene Sache - vielen Dank allen Beteiligten, ganz besonders den OrganisatorInnen !

Bis bald grüßt Euch,

Anna B.
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Dresden Galerie

Beitrag von Renée » 26. Sep 2006, 11:26

Liebe Anna B.,

Rilke besuchte das Festspielhaus am 5. Oktober 1913 zur Première der Aufführung on Paul Claudels "L'annonce faite à Marie" in der deutschen Nachdichtung von Jacob Hegner. Dabei war eine illustre Gesellschaft zusammen, Lou Andreas-Salomé, die Kippenbergs, Helene von Nostitz, Annette Kolb, Henry van de Velde und andere. Rilke begegnete bei dieser Gelegenheit Franz Werfel, dessen Gedichte er sehr bewunderte. (s.Chronik, S.442) Die Aufführung war wohl nicht wirklich überzeugend - Rilke äußert sich zwiespältig.

Rilke war dann noch einmal mit Ellen Delp und Lou dort, um die rhythmischen Vorführungen der Schule von Jacques Dalccroce zu sehen..

Mit der Rilke-Gesellschaft waren wir am letzten Sonntag dort - das Festspielhaus wird nach der zerstörenden Verwendung langer Jahre gerade erst wiederhergestellt: sehr schön!

Es lohnt sich, dort hin zu pilgern! Renée

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Beitrag von lilaloufan » 15. Okt 2006, 14:49

Hallo Anna,

dazu noch: An Marie von Thurn-und-Taxis schreibt Rilke am 21.X.1913: »Le 5 Octobre il y avait un public très select qui félicitait et fêtait Claudel d’une façon bien délicate. Moi, j’avoue, que je n’ai pas besoin de ses œuvres, j’ai honte de le dire, puisqu’il m’assurait le contraire quant aux miennes…«

Viele Grüße,
Christoph
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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