Rilke und die Birken

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Cronovus
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Rilke und die Birken

Beitrag von Cronovus » 5. Nov 2006, 19:51

Die Birken spielen oftmals eine Rolle in Rilke-Texten. Ich suche ein Zitat, wo er sich über introvertierte Menschen etwa in der Weise äußert: " ... manche müssen sitzen und warten und den Birken beim Wachsen zuschauen ..." (oder so ähnlich). - Kann mir jemand das genaue Zitat samt Fundstelle nennen? Vielen Dank.

sedna
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Re: Rilke und die Birken

Beitrag von sedna » 11. Dez 2010, 19:20

In einem Aufsatz über Paul Wilhelm, 1898 (in: RMR, Sämtliche Werke Bd. 5: Worpswede, Rodin, Aufsätze, Insel Verlag 1966, S. 359.):

Heilig sind die, welche werden.
Es gibt unter uns solche, denen das Werden geschieht;
sie können nichts dafür, sie müssen sitzen und warten
und irgendwohin in den Morgen schauen und wie die
Birken sein, denen der Frühling wehe tut.
Sie erleiden ihr Werden.
Andere gehen in Waffen einher und erkämpfen jeden
Schritt. Ihre Wangen glühen und rote Fahnen wehen
ihnen karge Kühlung.
Sie erstarken im Werden. Sie finden sich immer mehr.
Ein solcher ist Paul Wilhelm.

Paul Wilhelm = Pseudonym für Wilhelm Dwořaczek (1873 – 1916), Kritiker und Schriftsteller, Gründer des deutschen Literaturvereins Splitter (Förderer der Friedensidee, Ehrenpräsidentin war Bertha von Suttner); Präsident der Union dramatischer Autoren und Komponisten in Wien, Studienfreund von Rilke an der Linzer Handelsakademie (1991-92).

sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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