Du musst dein Leben verändern

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ute66
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Du musst dein Leben verändern

Beitrag von ute66 » 10. Apr 2007, 06:39

In dem kleinen Büchlein aus dem Inselverlag "Du musst dein Leben verändern", eine Zusammenfassung vieler Ausschnitte aus Rilkebriefen, fand ich dieses Zitat: Leider ist nirgends angegeben, aus welchen Briefen die Zitate stammen. Könt ihr mir helfen? Ich würde gerne den Gesamtzusammenhang dieses Zitates kenenlernen.
"das, was war, muß nicht von der Stelle geräumt, nur langsam verwandelt werden, so wie das, was sein wird, nicht von den Himmeln fällt im letzten Augenblick, sondern immer schon neben uns, um uns und in unseren Herzen sich aufhält, auf den Wink wartend, der es ins Sichtbare ruft."

Ute

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lilaloufan
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Eines ist nur wahr neben dem anderen

Beitrag von lilaloufan » 13. Apr 2007, 07:51

Leider finde ich den Gesamtzusammenhang auch gerade nicht, aber dieser Satz geht dem Zitat voran: Eines ist nur wahr neben dem anderen, und ich denke immer, die Welt ist geräumig genug vorgesehen, um alles zu erfassen:
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

Stiller Wandrer
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Beitrag von Stiller Wandrer » 25. Apr 2007, 19:18

Das Spiel des Schicksals
Rainer Maria Rilke

Und doch, ist nicht dies das Leben -? ich glaube: dass aus so viel dürftigen, bangen, kleinlichen und schmählichen Einzelheiten sich am Ende doch ein grossartiges Ganzes zusammensetzt, das ja nicht wäre, wenn wirs verstünden und leisteten, sondern an dem wir mit unserem Können und unserem Misslingen gleich weit beteiligt sind.

Erinnere dich an Menschen, die du beisammen fandest, ohne dass sie eine gemeinsame Stunde um sich hatten. Zum Beispiel Verwandte, die sich im Sterbezimmer einer wirklich geliebten Person begegnen. Da lebt die eine in dieser, die andere in jener tiefen Erinnerung. Ihre Worte gehen aneinander vorbei, ohne dass sie von einander wissen. Ihre Hände verfehlen sich in der ersten Verwirrung. - Bis der Schmerz hinter ihnen breit wird. Sie setzen sich hin, senken die Stirnen und schweigen. Es rauscht über ihnen wie ein Wald. Und sie sind einander nahe, wie nie vorher.

Ist es nicht sonderbar, dass fast alle grossen Philosophen und Psychologen immer der Erde und nur der Erde Aufmerksamkeit zuwandten? Wäre es nicht erhabener, von dem Klümpchen abzusehen und nicht ein Stäubchen im Weltall, sondern das All selbst zu betrachten? - Denken Sie, werter Herr, wie müssten die irdischen Mühsale klein und unbedeutend erscheinen mit dem Augenblick, wo unsere Erde zusammenschrumpfen müsste zum kleinsten, hinwirbelnden, willenlosen Teilchen einer unendlichen Welt! Und wie müsste der Mensch wachsen auf seiner »kleinen Erde«!

Ja, wie wunderlich es doch zugeht im Leben, wäre nicht irgendwo ein Stück Hochmut darin, man möchte ja gerne draussen stehen, allem gegenüber, das heisst, allem Begebnis, um nur ja nichts zu verlieren -, in der eigentlichen Lebensmitte, wo alles zusammenkommt und keinen Namen hat, bliebe man dann ja doch befestigt, vielleicht erst recht, - aber schliesslich habens doch auch wieder die Namen uns angetan, die Titel, die Vorwände des Lebens, weil das Ganze zu unendlich ist und wir uns daran erholen, es eine Weile mit dem Namen einer Liebe zu nennen, so sehr es dann auch diese leidenschaftliche Einschränkung ist, die uns ins Unrecht setzt, die uns schuldig macht, die uns tötet.

Eines ist nur wahr neben dem anderen, und ich denke immer, die Welt ist geräumig genug vorgesehen, um alles zu erfassen: das, was war, muss nicht von der Stelle geräumt, nur langsam verwandelt werden, so wie das, was sein wird, nicht von den Himmeln fällt im letzten Augenblick, sondern immer schon neben uns, um uns und in unseren Herzen sich aufhält, auf den Wink wartend, der es ins Sichtbare ruft.

Ja, Chere, ich wusste ihre Freude voraus und auch dies, diese eigenthümliche Ergriffenheit und Sehnsucht vor dem Leben, wie es sich dort [Rosen-Oase bei Tunis] darstellt: diesem in sich beruhenden, nicht aus sich hinaus, nicht von sich fortstürzenden Leben. Dort ist, in jeder Gestalt, jenes statische Prinzip verwirklicht, das wir doch zuletzt meinen: jenes, das nicht ein wechselndes Sich-halten ist im Labilen, sondern ein Aufruhen in der Mitte, in die man zurückfällt aus allen Wagnissen und Veränderungen. Man ist dort wie der Würfel im Becher: eine unbekannte Spielerhand schüttelt ihn zwar, und man stürzt aus ihm und bedeutet draussen, im Auffallen, viel oder wenig. Aber man wird, nachdem der Wurf vorüber ist, in den Becher zurückgeholt, und dort, innen, im Becher, wie man auch zu liegen kommt, bedeutet man alle seine Zahlen, alle seine Flächen. Und es kommt, im Innern des Bechers, kein Glück in Betracht und kein Missgeschick, sondern das blosse Dasein, das Würfel-Sein, das sechs Flächen haben, sechs Chancen, immer wieder alle -, und die eigenthümliche Sicherheit, sich selber nicht auswerfen zu können; der Stolz, zu wissen, dass es eines göttlichen Wagnisses bedürfe, damit einer aus der Tiefe dieses Bechers auf den Tisch der Welt geworfen werde, in's Spiel des Schicksals. Dies ist der reine Sinn von Tausend und Einer Nacht und dies die Spannung derer, die diesen Erzählungen zu hören: dass der Lastträger, der Bettler, der Kameltreiber-, irgend-einer, der nun einen kleinen Wurf ergeben hat, zurückgenommen wird in den Spielbecher, um noch einmal risquiert zu sein. Und dass es die Welt ist, in die man fällt, unter Sterne, zu Mädchen, Kindern, Hunden und Abfällen, dass es nichts Unklares giebt in den Verhältnissen, in die man gerathen kann; zwar zu Grosses oder zu Böses, zu Listiges oder einfach Verhängnisvolles ..., aber man hat es entweder mit anderen Würfeln zu thun, oder mit den Würfen, mit den Geistern, die die Becher schütteln und ein Ihriges wagen dabei. Es ist ein lauteres Spiel, unabsehlich und immer neu aufgenommen, über einen hinaus, aber doch so, dass keiner in keinem Augenblick werthlos sei, oder schlecht oder schmählich; denn wer kann dafür, dass es so oder so aus dem Becher fällt?

Ein denkendes, ein uns mitwissendes Schicksal ... ja, oft wünschte man durch ein solches bestärkt und bestätigt zu sein; aber wärs nicht zugleich sofort ein uns von aussen anschauendes, ein uns zuschauendes, mit dem wir nicht mehr allein wären? Dass wir einem »blinden Schicksal« eingelegt sind, ihm innewohnen, ist doch gewissermassen die Bedingung unseres eigenen Blicks, unserer schauenden Unschuld. -Erst durch die »Blindheit« unseres Schicksals sind wir mit dem wunderbar Dumpfen der Welt, das heisst mit dem Ganzen, Unübersehlichen und uns Übertreffenden recht tief verwandt...

Es tut in jedem Falle gut, sich sehr oft zu erinnern, dass es über allem Seienden Gesetze gibt, die niemals zu wirken versäumen, die vielmehr herbeistürzen, um an jedem Stein und jeder Feder, die wir fallen lassen, sich zu bewähren und zu versuchen.

Alles Irren besteht also nur im Nichterkennen der Gesetzmässigkeit, unter welcher wir im gegebenen Fall stehen, und alle Lösung beginnt mit unserer Aufmerksamkeit und Sammlung, die uns leise in die Kette der Ereignisse einreiht und unserm Willen seine wiegenden Gleichgewichte wiedergibt.

Das Schicksal liebt es, Muster und Figuren zu erfinden. Seine Schwierigkeit beruht im Komplizierten. Das Leben selbst aber ist schwer aus Einfachheit. Es haben nur ein paar Dinge von uns nicht angemessene Grösse. Der Heilige, indem er das Schicksal ablehnt, wählt diese, Gott gegenüber. Dass aber die Frau, ihrer Natur nach, in Bezug auf den Mann die gleiche Wahl treffen muss, ruft das Verhängnis aller Liebesbeziehungen herauf: entschlossen und schicksalslos, wie eine Ewige, steht sie neben ihm, der sich verwandelt. Immer übertrifft die Liebende den Geliebten, weil das Leben grösser ist als das Schicksal. Ihre Hingabe will unermesslich sein: dies ist ihr Glück. Das namenlose Leid ihrer Liebe aber ist immer dieses gewesen: dass von ihr verlangt wird, diese Hingabe zu beschränken.

Es ist keine andere Klage je von Frauen geklagt worden: die beiden ersten Briefe Heloisens enthalten nur sie, und fünfhundert Jahre später erhebt sie sich aus den Briefen der Portugiesin; man erkennt sie wieder wie einen Vogelruf. Und plötzlich geht durch den hellen Raum dieser Einsicht der Sappho fernste Gestalt, die die Jahrhunderte nicht fanden, da sie sie im Schicksal suchten.

Das alte Kinderelend aber, Liebe, löst sich endlich auf in alledem: denn hier steht man, das gleiche Ausgeschlossensein nochmals von Anfang an durchmachend, nicht vor findigen und überlegenen Erwachsenen, - sondern vor den begünstigten Kindern einer anderen Welt, in der so heilzubleiben das Natürliche war. Freilich können wir nicht, wie Isabella Eberhardt, »hinein«, auch dieses Ersehnliche schliesst uns aus und verleugnet uns. Aber, es erfahrend so wie es ist, erwerben wirs nicht mit jener Kraft, die einst an die Grossen, da wir Kinder waren, anzuwenden, unmöglich war ...: mit dem freien zustimmenden Einsehen? - Dass Sie einsehen, Liebe, vom ersten Schritte an, das hat sie so seelig und erregt fühlen lassen, dass Sie dies nur mit mir erleben könnten, eben um meines Einsehens willen. Aber dieses grosse Einsehen, Chere, das vorher nicht da war, bringt man mit herüber, und so diskret und verborgen man es dann auch in sich trägt, es verträgt manche Anwendung und ändert manches. Jenes arabische Dasein ist ja nur möglich, wenn man eben den Stern Erde bewohnt und den Weltraum athmet. Wir sind von der Erde durch Ablagerungen des Vergangenen abgetrennt, die sich bei uns nicht aufzehren, - und der grösste Theil dessen, was wir athemholen, ist Ausgeathmetes von Menschen, Maschinen und Verwesungen. Aus diesem ein freieres Herz zu gewinnen, ist eine komplizierte und widersprüchliche Leistung, und Gewinn und Niederlage durchdringen sich fortwährend auf eine beängstigende Art. Trotzdem ist ja auch hier ein ungeheueres Abgewinnen möglich gewesen: denken Sie an Musik, an gewisse Bilder, an Dichtung, - ja aber selbst an gewisse Constellationen des menschlichen Umgangs: wir würden mit dem Arabischen, ob es gleich eine erschütternde Reinigung und Vereinfachung wäre, nicht auskommen. Aber es zu wissen, gewährt eine neue Sicherheit und Befreundung zur Erde; nun erst hat sie einen empfangen, die Herrscherin; nun erst kennt man die Unmittelbarkeit ihrer harten und herrlichen Natur, von der unsere Frühlinge Auslegungen geben und verzierte Variationen. Nun erst weiss man, wie unverziert sie ist, wie unverzierbar, wie alt und ebenbürtig dem Ursprung und dabei wie nah immer noch am Geschaffensein. Und von ihr aus, wenn man sie wahrgenommen hat, werden die Welträume errathbarer. Und wir haben Menschen geschaut, die standhalten, die nicht einfach ausfallen in diesem Einander-Ertragen der Gestirne, Menschen, die irgendwie mitgerissen sind von den Gebräuchen der Sterne; - Menschen, die liegen, hocken und dastehn, Menschen die wandeln; die den Tanz kennen, das Spiel, den Handel (als eine Art Bewegung voller Vorläufigkeit und Wiederkehr); die Liebe (als die grössere und kühnere Bewegtheit, aber auch als die Stille, in der man die Wasser, die Thiere hört und das Blut -) und den grossen Trank für den Durst und das Nothwendigste an Nahrung.

Man kann sich die Weiten und Möglichkeiten des Lebens gar nicht unerschöpflich genug denken. Kein Schicksal, keine Absage, keine Not ist einfach aussichts los; irgendwo kann das härteste Gestrüpp es zu Blättern bringen, zu einer Blüte, zu einer Frucht. Und irgendwo in Gottes äusserster Vorsehung wird auch schon ein Insekt sein, das aus dieser Blüte Reichtum trägt, oder ein Hunger, dem diese Frucht willkommen ist. Und sollte sie bitter sein, so wird sie doch mindestens einem Auge erstaunlich gewesen sein und wird ihm Lust gemacht haben und Neugier nach Formen und Farben und Hervorbringungen des Dickichts; und sollte sie abfallen, so fällt sie in die Fülle des Künftigen und trägt noch in ihrem letzten Zerfall dazu bei, es reicher, bunter, drängender und wachsender zu machen.

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lilaloufan
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zusammengestümpertes Potpourri; schade um den webspace!

Beitrag von lilaloufan » 26. Apr 2007, 18:06

«Denken Sie, werter Herr», und «Ja, Chère, ich wusste Ihre Freude voraus» – eine Wiener Site „Seele und Astrologie“ bindet das (mehr oder weniger) gefällig zusammen, ohne Hinweis auf die Schürfwunden, die Rilke(s Werk) damit geschlagen werden; bei uns in Hesse saacht mer: «Wie gewollt un net gekonnt».
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

ute66
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Du musst dein Leben verändern

Beitrag von ute66 » 13. Mai 2007, 19:58

Also dieser Pottpouri ist genau die Zusammenstellung aus dem Inselverlag "Du musst dein Leben verändern", die ich anfangs meinte. Hier ist aber nirgens angegeben, woher die Zitate stammen. Find ich total schade, weil mich die Ztate in ihrem Zusammenhang interessieren und nicht so vereinzelt aneinandergereiht.

sedna
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Re: Du musst dein Leben verändern

Beitrag von sedna » 4. Aug 2010, 23:58

Tja, Ute, etwas spät, aber Deinen Wunsch ...
ute66 hat geschrieben:Leider ist nirgends angegeben, aus welchen Briefen die Zitate stammen. Könt ihr mir helfen? Ich würde gerne den Gesamtzusammenhang dieses Zitates kenenlernen.
kann ich hier nicht unerfüllt stehen lassen. (Noch'n Tip: Vielleicht hast Du ja auch so einen schweren, alten Schreibtischstuhl, der auf krummen Holzdielen ständig hin und her kippelt – für meinen jedenfalls hätte dieses Büchlein genau die passende Stärke zum Fixieren :mrgreen: )

Hier der vollständige Brief.

An Julie Freifrau von Nordeck zur Rabenau, Paris, 8. August 1909:

Werden Sie mir glauben, verehrte und gütige Frau Nonna, daß ich während dieses Jahres, das gar kein Zeichen zu Ihnen von mir hingebracht hat, ganz besonders viel in Gedanken und Gefühl bei Ihnen war?
Daß ich, zumal seit es mühsam Sommer geworden ist, fast die Augen nicht schließen kann, ohne daß auf der Liderinnenseite ein Stück Londorf entsteht, eine Ecke des alten Gartens: Der Steintisch, der Springbrunnen, das Traubenhaus oder gar die eingefaßte Quelle draußen unterhalb des Feldweges. Wie viele Male habe ich aber, als es noch Winter und Vorfrühling war, meine kleine Spitzen-Kollektion aufgefaltet, Bahn neben Bahn gelegt und Ihrer gedacht. Der Abende mich erinnert, da sie erzählten, oder plötzlich mich dabei entdeckt, die Güte wieder zu bewundern, mit der Sie zuhören konnten, diese neue und oft so rücksichtslose Welt mit jener anderen, wie es schien, vergangenen, vergleichend, in welcher die Schicksale unaufgeklärter und die Worte vorsichtiger waren, duldsamer und nicht so versessen auf restlose Gründlichkeit der Aussprache. Ach, Sie glauben nicht, wie es mir dann gefehlt hat, nicht, den ganzen langen Winter nicht, von jener, Ihrer Welt Beweise zu haben; denn sie darf (diese frühere takt- und sentimentvolle Welt) durchaus nicht so vergangen und veraltet sein, wie sie aussieht und wie sie sich schön und rührend erhält, da gilt es, sie auf das zärtlichste zu pflegen. Eines ist nur wahr neben dem anderen, und ich denke immer, die Welt ist geräumig genug vorgesehen, um alles zu erfassen: das, was war, muß nicht von der Stelle geräumt, nur langsam verwandelt werden, so wie das, was sein wird, nicht von den Himmeln fällt im letzten Augenblick, sondern immer schon neben uns, um uns und in unseren Herzen sich aufhält, auf den Wink wartend, der es ins Sichtbare ruft.
Auf Umwegen hab ich dann, durch Lili Kanitz besonders, von Ihnen gehört. Wenn aber, wie es häufig der Fall war, diese Nachrichten nicht ganz gut lauteten, so fehlte mir erst recht der Mut, Ihnen zu schreiben. Eine Hälfte des Winters war ich ganz und gar an Arbeit verloren, und später und seither war meine innere Verfassung nicht hell und heiter genug, als daß ich es hätte unternehmen dürfen, einen Brief an Sie zu richten, der ja nur Sinn gehabt hätte, wenn er Froheit und Licht in Ihre Stuben zu tragen imstande gewesen wäre. Es gab kein Capri dieses Jahr –: das war es vielleicht, was sowohl Sie, liebe Frau Nonna, als auch mich hat leiden machen. Ich war ohne Unterbrechung in Paris, und der Winter und das Frühjahr haben mir nicht gut getan und kommen mir, wenn ich ungern zurücksehe, wie eine recht lange Heimsuchung vor.
Ich bin, gütigste Frau Nonna,
immer Ihr
Sie dankbar verehrender
RMRilke
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

gliwi
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Re: Du musst dein Leben verändern

Beitrag von gliwi » 5. Aug 2010, 19:23

Bei solchen um Jahre verzögerten Antworten wäre gut, den Frager mit einer pn aufmerksam zu machen, da er/sie vielleicht nicht mehr hier hereinschaut.
Gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

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Re: Du musst dein Leben verändern

Beitrag von ute66 » 10. Aug 2010, 19:59

Liebe Sedna!

Vielen, vielen Dank für den Brief mit dem Zitat und die mail als Erinnerung. Ich hab jetzt wirklich über ein Jahr nicht mehr ins Rilkeforum reingeschaut, wird sich hoffentlich wieder ändern.

Ute
Vielleicht macht uns das Leiden leidend leiden ; und wenn wir wegschaun, schützt uns, was uns droht. (RMR)

sedna
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Re: Du musst dein Leben verändern

Beitrag von sedna » 10. Aug 2010, 20:05

Gern geschehen, Ute.

sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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