Eisenbahn

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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Anna B.
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Eisenbahn

Beitrag von Anna B. » 13. Jan 2008, 14:55

Hallo,

ich suche nach einem Gedicht, einem Spruch oder anderen Aussage Rilkes über die Eisenbahn ? Kennt jemand etwas ?

Anna Blume :lol:
"anna blume... man kann dich auch von hinten lesen... du bist von hinten wie von vorne: "a-n-n-a." (kurt schwitters)

Mona
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Eisenbahnen

Beitrag von Mona » 13. Jan 2008, 17:51

Hallo,

ich möchte mich Annas Frage anschließen und suche nach Gedichten über Eisenbahnen verschiedener Dichter seit Erfindung bis zum zweiten Weltkrieg ! Es sollten aber möglichst nur Personenzüge sein. Güterverkehr interessiert mich weniger ...

Mona :lol:
"Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest,... wir aber bewegen uns im unendlichen Raume."(RMR)

DoMi
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Beitrag von DoMi » 13. Jan 2008, 17:58

Hallo Anna,

also mir fallen da nur zwei Stellen ein.
Zum einen das zweite Kapitel aus dem "Malte" :
Daß ich es nicht lassen kann, bei offenem Fenster zu schlafen. Elektrische Bahnen rasen läutend durch meine Stube.
und zum anderen seine Erzählung "Silberne Schlangen". Aber ich denke mal, diese beiden Stellen werden dir schon bekannt sein.
Er hat sich bestimmt einmal in seinen Briefen dazu geäußert, diese kenne ich aber nicht gut genug.
Also ich weiß von keinem Gedicht Rilkes über die Eisenbahn...

Ich habe im Internet ein wenig nachgesucht, habe aber nur ein Zitat gefunden. Es stammt, glaube ich, aus einem Tagebuch Lou Andreas-Salomés .
"Der [folgende] Abend von unsagbarer Schönheit, ein Gold und Roth über Wellen und Wäldern [...] von allem Anfang an die Landschaft höchst sympathisch, leise und breit anziehend, in großen, einfachen Zügen, doch ohne Melancholie. Sie ist das Gegenteil des Pittoresken am Rhein [...] Zwischen Samara und Stawropol folgt die herrlichste Strecke; in Stawropol um 8 Uhr abends. Der Himmel trübt sich, aber es ist schön auf Deck bis tief in die Nacht. Warum ist es so ganz anders herzergreifend, so, mit dieser gleitenden Bewegung durch die Landschaft zu gleiten, als sogar in ihr zu wohnen? Wahrscheinlich, weil man beim Wohnen [...] zu ihr kommen muß, während sie hier die Illusion weckt, als komme sie zu uns, indem sie, sich leise wandelnd, Theil für Theil, vorüber gleitet. [...] Die Eisenbahn kann diese Illusion nicht wecken, wegen der sich aufdrängenden Eile der Bewegung [...] in der Bahn durchrennt man die Landschaft, im Schiff empfängt man sie. - Am Mittwoch morgen regnet es, aber auch im Regen ist das Landen [...] wie ein Heimkehren."
Liebe Grüße,

Dominik

stilz
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Beitrag von stilz » 13. Jan 2008, 18:43

Wie schön, dieses Briefzitat... wenn auch nicht "schön" in Bezug auf die Eisenbahn, sondern wegen der Schilderung des Gefühls bei einer Schiffsreise, mich spricht dieses Bild sehr an, die Landschaft "komme zu uns"...
Ja, damals war eine Eisenbahn etwas fast unheimlich Schnelles. Wenn ich das mit heute vergleiche... wie laaangsam kommt es uns oft vor, mit der Bahn zu reisen, und wer reist überhaupt noch mit dem Schiff (es sei denn eine kurze Strecke mit einer Fähre, oder auf Kreuzfahrt, aber da geht's ja nicht darum, ein Ziel zu erreichen)...

Leider hab ich keine Rilke-Texte zum Thema Eisenbahn zu bieten, aber Du, Mona, suchst ja auch noch anderes, und da fallen mir spontan ein:

Vor allem die köstliche Geschichte "Als ich das erstemal auf dem Dampfwagen saß" von Peter Rosegger (1843-1918), das ist zwar kein Gedicht, dennoch sollte man sie einfach gelesen haben. :lol:

Ein wenig später und daher schon viel vertrauter im Umgang damit: Christian Morgensterns (1871-1914) "Ausflug mit der Eisenbahn".

Noch später, die Eisenbahn ist selbstverständlicher Bestandteil des Lebens geworden und kann als Ausgangspunkt für ein Gleichnis genommen werden: das "Eisenbahngleichnis" von Erich Kästner (1899-1974) ("Wir sitzen alle im gleichen Zug") - weil Kästner erst 1974 gestorben ist, möchte ich es nicht direkt als link hier hereinstellen, aber es ist im Netz zu finden.

Und natürlich die Zeilen aus Joachim Ringelnatz' (1883-1934)"Ich habe dich so lieb":
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

- hier ist die Eisenbahn schon sowas wie ein vertrautes "Möbelstück" in der Landschaft, das man gar nicht mehr unbedingt mit "selber drin Fahren" in Verbindung bringt...

Lieben Gruß!

stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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rückfahrkarte

Beitrag von Paul A. » 13. Jan 2008, 20:30

Hallo,

wie Ihr Euch vielleicht erinnern könnt, habe ich vor einiger Zeit ein Gedicht von Gerhart Hauptmann ins Forum gestellt Im Nachtzug. Über die Suchfunktion leicht zu finden. Es geht darum, wie der Bahnreisende bei seinen Elfenträumen durch den Lärm der Bahn gestört wird. Heute nun habe ich festgestellt, dass das Gedicht von mir damals nicht vollständig abgeschrieben wurde. Nun - es endet - und es ist von 1888, damit, dass der Bahnreisende weiterträumen darf :wink: :

...Und leise aufschwillt es, und ebbend verhallt´s
im schmetternden Eisengeklirre.
Und wieder erwacht es, und himmelauf wallt´s
hervor aus dem Tönegewirre.
Und immer von neuem versinkt es und steigt.
Und endlich verweht´s im Tumulte und schweigt
und läßt mir ein heißes Begehren,
das sinneberückende Zaubergetön
von himmlischen Lenzen auf irdischen Höhn
zu Ende, zu Ende zu hören.

Paul :lol:
"... Knaben, o werft den Mut/ nicht in die Schnelligkeit,/ nicht in den Flugversuch./ Alles ist ausgeruht:/ Dunkel und Helligkeit,/ Blume und Buch." (R.M. Rilke)

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Re: Eisenbahn

Beitrag von Paul A. » 10. Mär 2008, 19:04

Hallo,

... hier noch ein Gedicht zur Eisenbahn - diesmal von Richard Dehmel - :
Ein Eisenbahner


Ich kann Eisenbahn-Zugführer werden;
nein, Lokomotivführer lieber!
Dann bin ich kleiner Menschenknirps
der größten Maschine über,
die tausend Pferdekraft stark ist.

Und tausend andre Menschen
regiert Ein Griff meiner Hand,
tagein tagaus, bei Nacht, bei Nebel,
im Sturm von Land zu Land;
Bahn frei! schreit meine Maschine.

Bahn frei - was schreit da wider?
im Dunkeln welch Gestampf?
Woher, wohin? Vorwärts, zurück?
Halt! bremsen! Gegendampf!
jetzt gilt's, Mensch: Einer für Alle!

Und fliegt der Kopf vom Kragen,
so stirbt sich's ohne Grämen;
dann braucht man sich doch wenigstens
des Lebens nicht zu schämen!
So denkt ein kleiner Held.
Ja, liebe GDLer, bei Euch sieht man noch, dass ein Streik erfolgreich sein kann :wink: !

Paul A.
"... Knaben, o werft den Mut/ nicht in die Schnelligkeit,/ nicht in den Flugversuch./ Alles ist ausgeruht:/ Dunkel und Helligkeit,/ Blume und Buch." (R.M. Rilke)

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Volker
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Re: Eisenbahn

Beitrag von Volker » 12. Mär 2008, 00:54

Auf de schwäbsche Eisebahne gibt's gar viele Haltstatione,
Schtuegart, Ulm und Biberach, Mekkebeure, Durlesbach!

:wink:
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

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