Zukunft

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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DoMi
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Zukunft

Beitrag von DoMi » 14. Jan 2008, 14:59

Hallo ihr...

da wir in der K13 eine ganze Menge an Ausgaben haben (Abizeitung, Abifeier, Abiball,...) wollen wir demnächst ein kleines Konzert veranstalten. Doch es soll dort nicht nur musikalische Beiträge geben, sondern auch kleine Lesungen; Texte von uns selbst geschrieben oder auch von Autoren.

Nun habe ich im Zuge der Vorbereitung natürlich auch an Gedichte Rilkes gedacht.
Ich denke, es sollte ein zukunftsbezogener Text sein, aber die restliche Thematik,... ist im Grunde frei wählbar.
Meine Frage an euch: Welches Gedicht Rilkes könntet ihr euch dort gut vorstellen?

Liebe Grüße,

Dominik

Paul A.
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Beitrag von Paul A. » 14. Jan 2008, 19:33

Hallo Dominik

spontan fallen mir zwei Rilke Gedichte dazu ein:

XXII. Sonett


Wir sind die Treibenden.
Aber den Schritt der Zeit,
nehmt ihn als Kleinigkeit
im immer Bleibenden.

Alles das Eilende
wird schon vorüber sein;
denn das Verweilende
erst weiht uns ein.

Knaben, o werft den Mut
nicht in die Schnelligkeit,
nicht in den Flugversuch.

Alles ist ausgeruht:
Dunkel und Helligkeit,
Blume und Buch.


Aus: Die Sonette an Orpheus, Erster Teil (1922)

und

Sonett

O das Neue, Freunde, ist nicht dies,
dass Maschinen uns die Hand verdraengen.
Lasst euch nicht beirrn von Uebergaengen,
bald wird schweigen, wer das "Neue" pries.

Denn das Ganze ist unendlich neuer,
als ein Kabel und ein hohes Haus.
Seht die Sterne sind ein altes Feuer,
und die neuern Feuer loeschen aus.

Glaubt nicht, dass die laengsten Transmissionen
schon des Kuenftigen Raeder drehn.
Denn Aeonen reden mit Aeonen.

Mehr, als wir erfuhren, ist geschehen.
Und die Zukunft fasst das Allerfernste
rein in eins mit unserm innern Ernste.

RMR

Es gibt sicher noch viel mehr Gedichte, die Ihr nehmen könntet und bestimmt gibt es noch weitere Vorschläge dazu im Forum !

Paul :lol:
"... Knaben, o werft den Mut/ nicht in die Schnelligkeit,/ nicht in den Flugversuch./ Alles ist ausgeruht:/ Dunkel und Helligkeit,/ Blume und Buch." (R.M. Rilke)

gliwi
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Beitrag von gliwi » 14. Jan 2008, 21:31

Wenn's nicht zu pathetisch ist:

Ich möchte einer werden so wie die,
die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren,
mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren
in ihres Jagens großem Winde wehn.
Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne,
groß und wie eine Fahne aufgerollt.
Dunkel, aber mit einem Helm von Gold,
der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht
zehn Männer aus derselben Dunkelheit
mit Helmen, die, wie meiner, unstät sind,
bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind.
Und einer steht bei mir und bläst uns Raum
mit der Trompete, welche blitzt und schreit,
und bläst uns eine schwarze Einsamkeit,
durch die wir rasen wie ein rascher Traum:
Die Häuser fallen hinter uns ins Knie,
die Gassen biegen sich uns schief entgegen,
die Plätze weichen aus: wir fassen sie,
und unsre Rosse rauschen wie ein Regen.

Gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

DoMi
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Beitrag von DoMi » 15. Jan 2008, 14:38

Hallo....

Dankeschön schon mal für die Gedichte.
Das Gedicht, gliwi, kannte ich noch gar nicht...Ich hab gleich mal nachgeschaut: Es heißt "Der Knabe" und stammt aus dem "Buch der Bilder" oder?
Ja; an das Gediht aus den Sonetten an Orpheus hatte ich auch schon mal gedacht, Paul....
Ich bin mir aber nicht sicher, ob das zweite "Sonett" unseren zukünftigen Physik-, Chemie, Ingenieur- und Maschienenbaustudenten so gut gefällt :wink: ...

Bin gespannt, was es noch so für Ideen gibt...

Danke nochmals
Liebe Grüße,

Dominik

gliwi
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Beitrag von gliwi » 15. Jan 2008, 16:28

ja, Dminik, so ist es. Es ist eigentlich relativ bekannt - aber ich entdecke auch immer mal wieder "bekannte" Gedichte, die ich noch nicht kannte. Dazu ist das Forum gut.
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

Barbara
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Beitrag von Barbara » 15. Jan 2008, 17:45

Hallo,

ob die zukünftigen Ingenieure alle Feuerwehrleute werden wollen :wink: ?

Übrigens las ich neulich in einer Abschrift:

...mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren
in ihres Jagens großem Winde stehn. ...


Wirkt es dadurch nicht noch plastischer ?

Barbara :lol:

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Neues Thema

Beitrag von DoMi » 11. Feb 2008, 22:46

Hallo ihr alle...

danke nochmals für eure Vorschläge! Nun hat man nur leider das Thema gewechselt und des Termines wegen in "Liebe" umgetauft...
Nun habe ich zwei Dinge zu sagen, bzw. zu fragen:

Zum einen: Habt ihr eine Idee für ein schönes eher unbekanntes Liebesgedicht Rilkes? Ich habe schon eine Vielzahl zur Auswahl, aber vielleicht findet sich hier ja noch ein weiteres, noch besseres!!

Zum zweiten: Auf der Suche bin ich auf Rilkes "Gedichtkreis für Madeleine Broglie" gestoßen...(Wunderschön!!!...ich kann mir kaum vorstellen, dass die beiden nur Freundschaft verband...)
Nun aber sind in dem Gedicht Nummer II "...Und sagen sie das Leben sei ein Traum:" in meinem Gedichtband zwei Zeilen mehr zu lesen, als hier auf rilke.de. Wie kommt das?? Gibt es zwei verschiedene Ausgaben oder handelt es sich hierbei um ein Versehen?

Die fehlenden sind die viert- und drittletzte Zeile:
Nur wer du bist: das weiß ich nicht. Ich weiß
nur deinen Preis zu singen: Sagenkreis
um eine Seele,
Garten um ein Haus,
in dessen Fenstern ich den Himmel sah -,

O so viel Himmel, ziehend, von so nah;
o so viel Himmel über so viel Ferne.


Und wenn es Nacht ist -: wasfür große Sterne
müssen sich nicht in diesen Fenstern spiegeln...
Nun...aus zwei wird drei: In beiden Ausgaben ist das "wasfür" zusammengeschrieben. Wenn das auch von Rilke so gewollt war, warum machte er das?

Liebe Grüße,

Dominik

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