Armut

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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Mikado
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Armut

Beitrag von Mikado » 12. Jul 2009, 10:33

Hallo,

zur Vorbereitung einer Lesung suche ich Texte von Rilke zum Thema Armut . Vielleicht gibt es etwas unbekanntere Texte, Briefe... von Rilke zu diesem Thema, die Ausschnitte aus dem Stundenbuch, dem Buch der Bilder und dem Malte ergänzen können ?! Danke für Hinweise !

Mikado
"Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen." (Ernst Bloch)

Harald
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Re: Armut

Beitrag von Harald » 12. Jul 2009, 13:27

Im Rodin heißt es:
"Und wozu ihn die Lust nicht verlockt,
dazu treibt ihn die Armut. Die Armut, ohne die sein
Leben nicht denkbar wäre, und der er es nie vergißt,
daß sie ihn mit Tieren und Blumen gehalten hat, be-
sitzlos unter all dem Besitzlosen, das von Gott ab-
hängt und nur von ihm."

Im Requiem:
Und sahst dich selbst zuletzt wie eine Frucht,
nahmst dich heraus aus deinen Kleidern, trugst
dich vor den Spiegel, ließest dich hinein
bis auf dein Schauen; das blieb groß davor
und sagte nicht: das bin ich; nein: dies ist.
So ohne Neugier war zuletzt dein Schaun
und so besitzlos, von so wahrer Armut,
daß es dich selbst nicht mehr begehrte: heilig.

Und einiges in den Geschichten vom Lieben Gott. Hier nur ein Beispiel:
"Aber es war ihr nie eingefallen, daß es auch fremde Bettler geben könnte;
wie sollte man das Recht haben, auch diese zu beschenken, da man sich das Vertrauen ihrer Armut nicht verdient hatte durch irgend ein Wissen darum?
Wäre es nicht eine unerhörte Überhebung gewesen, einem Unbekannten ein Almosen zu reichen? Und im Widerstreit dieser dunkeln Gefühle ging das Mäd-
chen, als ob es ihn nicht bemerkt hätte, an dem neuen Bettler vorbei und trat rasch in die kühle, hohe Kirche ein."
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

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lilaloufan
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Re: Armut

Beitrag von lilaloufan » 26. Aug 2009, 10:56

Über 'Der Fremde' sagt Lou Albert-Lasard: „Hier zeigt sich die[se] dopelte Neigung, die Rilke sowohl für den Reichtum wie für die Armut empfindet.

l.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

stilz
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Re: Armut

Beitrag von stilz » 1. Sep 2009, 11:33

Wirklich? Wie seltsam. Jedenfalls dann, wenn LAL äußeren Reichtum gemeint haben sollte.

Ich denke bei diesem Gedicht vor allem an die Worte Jesu aus dem "Thomas-Evangelium": "Werdet Vorübergehende!"
Und natürlich an "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ..." und Rilkes Schrift "Über Kunst", die Stelle, wo es heißt:

"Und es [das Kind] empfindet als sein Eigentum Alles, was es einmal gesehen, gefühlt oder gehört hat. Alles, was ihm einmal begegnet ist. Er zwingt die Dinge nicht, sich anzusiedeln. Eine Schar dunkler Nomaden wandern sie durch seine heiligen Hände wie durch ein Triumphtor. Werden eine Weile licht in seiner Liebe und verdämmern wieder dahinter; aber sie müssen Alle durch diese Liebe durch. Und was einmal in der Liebe aufleuchtete, das bleibt darin im Bilde und lässt sich nie mehr verlieren. Und das Bild ist Besitz. Darum sind Kinder so reich."

:D
i.
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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