Rilke - Gedichtinterpretation

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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KlimeschL.
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Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von KlimeschL. » 6. Jun 2010, 15:52

Schönen guten Tag,
Ich habe in Deutsch die Aufgabe einen Vortrag zu halten dem eine Gedichtinterpretation zu Grunde liegen soll.
Ich suchte mir das Gedicht von R.M. Rilke "Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort" (1898) aus.

Nun habe ich zwei Fragen:

1) Kann mir jemand einen Tipp, zur Musikunterlegung meiner geplanten Gedichtrezitation geben?
2) Gibt es Biographische Parallelen zur Entstehung des Gedichtes?
- persönliche Anlässe die die Entstehungszeit beeinflussten (...) ?

Vielen Dank schon im Voraus
MfG Luise

Prometheus1410
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Re: Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von Prometheus1410 » 7. Jun 2010, 10:25

KlimeschL. hat geschrieben:Schönen guten Tag,
Ich habe in Deutsch die Aufgabe einen Vortrag zu halten dem eine Gedichtinterpretation zu Grunde liegen soll.
Ich suchte mir das Gedicht von R.M. Rilke "Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort" (1898) aus.

Nun habe ich zwei Fragen:

1) Kann mir jemand einen Tipp, zur Musikunterlegung meiner geplanten Gedichtrezitation geben?
2) Gibt es Biographische Parallelen zur Entstehung des Gedichtes?
- persönliche Anlässe die die Entstehungszeit beeinflussten (...) ?

Vielen Dank schon im Voraus
MfG Luise
http://www.youtube.com/watch?v=oxni8mAoKJg
http://www.youtube.com/watch?v=oqhJrJav ... re=related
http://www.youtube.com/watch?v=DrRCqHpv2Yc

ja, rilke meint damit, dass die menschen das wort als waffe sehen und das staunen verlernt haben, das staunen, was du noch im kinde siehst was greifend sich in das unbekannte bewegt, und immer wieder staunt und strahlt im augenblick und spielt

Spielen ist Selbstzweck. Am zufriedensten ist nicht der Angler, der die meisten Fische fängt, sondern der, der das Angeln am meisten zu genießen weiß. Es ist das Wesen des Spiels, dass es sich nicht auf ein außerhalb seiner selbst liegendes Ziel richtet.

Wie passt das Spiel in ein Zeitalter, in dem nichts von Bedeutung ist, das nicht zu etwas anderem hinführt? Der Homo ludens erscheint uns heute als einer, der ziellos dahinlebt. Weil das Spielen unseren Horizont übersteigt, geben wir uns stattdessen lieber einem ziellosen Leben voller Arbeit hin. Uns zu plagen wie Sisyphos ist unser Schicksal
http://www.klett-cotta.de/sachbuch_buec ... =leseprobe

Änlichkeiten: worte: wor war(englisch) ist es krieg, krieg ich es oder krieg ich es nicht...

Ist es möglich?
http://www.youtube.com/watch?v=NVpBA-MNpQE

KlimeschL.
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Re: Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von KlimeschL. » 7. Jun 2010, 16:12

Vielen dank für deine Antwort.
Doch kann ich die von dir genannten Videos leider nicht nutzen, da ich vorhatte das Gedicht zu rezitieren.
Aber der weitere Inhalt deiner Nachricht war von nutzen, danke dafür,
nur konnte ich in dem Gedicht keine parallele von der Anschauung der Menschen zur Arbeit finden.
Wenn du Zeit und Interesse hast mir dazu weiteres zu erläutern wäre ich erfreut darüber.

MfG Luise

Prometheus1410
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Re: Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von Prometheus1410 » 7. Jun 2010, 18:53

KlimeschL. hat geschrieben:Vielen dank für deine Antwort.
Doch kann ich die von dir genannten Videos leider nicht nutzen, da ich vorhatte das Gedicht zu rezitieren.
Aber der weitere Inhalt deiner Nachricht war von nutzen, danke dafür,
nur konnte ich in dem Gedicht keine parallele von der Anschauung der Menschen zur Arbeit finden.
Wenn du Zeit und Interesse hast mir dazu weiteres zu erläutern wäre ich erfreut darüber.

MfG Luise
ja, gut es geht vielleicht darum die passende musik zum vortragen zu finden das war im ersten film ein beispiel da kannst du doch probieren, was die einzelnen passagen hervorhebt.

zur interpretation kann ich nur das anbieten, was mir dabei in den Sinn gekommen ist, und das ist hier natürlich nur als Worte sichtbar. Es gibt die Übung nur in Nomen zu denken und die Adjektive wegzulassen, um das bewerten zu verhindern und in das Staunen was ist mehr einzutauchen.
Da ich von der Musik komme, ist mir bewusst im Rhythmus und in der Melodie liegt ein tieferes Sehen als das Beschreiben durch Worte. Es ist das sehen, was mit geschlossenen Augen spürt nicht spricht. Vielleicht wollte Rilke diese Ebene mehr andeuteten. Dazu ein Beispiel. Ich habe mich gefragt, warum die Königin der Nacht ihre Tochter PApaMINA verstoßen hat? Sie hat sich, um ihren Tamino heiraten zu dürfen, der Regeln ihres Vaters unterworfen, also die Prüfungen gemacht und durch die Ebenen der vier Elemente zu gehen. Wenn wir jedoch wissen, die wahre Natur der Frau sind per se die Verbindung mit ihr und den vier Elementen, so wird hier der pateriarchalische Überbau durch das Denken und das Sehen deutlich. Der "Jazzpapst" der nach dem Krieg den Jazz über den Rundfunk nach Deutschland gebracht hat, hat dazu eine Radiosendung gezeigt, über das Sehen und das Hören, wobei es nicht um das Hören von Worten geht, sondern von Stimmungen, hier ein Bild aus seiner Sendung: Aus einer Radiosendung: Muscheln in meinem Ohr: Variationen über das Hören, von +Joachim Ernst Behrendt mit freundlicher Genehmigung von Jadranka Behrendt
Ein Gespräch zwischen Mann und Frau, wobei der Frau das Ohr und dem Mann das Auge zugeordnet ist:
Frau (F) Auge was tust Du am liebsten?
Mann (M) Schauen!
F: Wie machst Du das?
M: Ich spiegele die Welt.
F: Spiegeln?
M: Ich spiegele sie so dass sie auf dem Kopf steht, aber mein Besitzer merkt das nicht. Ich habe auch in der Mitte von allem was ich sehe einen blinden Fleck, aber ich übersehe ihn. Ich übersehe auch, dass ich die Welt flach machen muss, um sie sehen zu können.
F: Ich kann mir das nicht vorstellen eine flache Welt. Hat die dann bloß zwei Dimensionen? Sie hat doch viel mehr. Meine Welt kann so viele Dimensionen haben wie sie will.
M: Wie machst Du das, wenn Du hörst?
F: Na, ja ich nehme auf, ich empfange.
M: Frauen empfangen! Empfinde ich Dich deshalb als weiblich?
F: Und ich Dich als Mann und als Kind.
M: Ja ich dringe ein und ich spiele.
F: Warum dringen Deine Blicke dann nicht in mich? Mir würde das Spaß machen.
M: Das kann ich mir vorstellen, das wäre vielleicht auch für mich schön. Aber das kann ich nicht?
F: Warum Auge?
M: Weil Du mich nicht sehen kannst.
F: Manchmal redest Du vom Sehen, als ob das ein Sport ist.
M: Toll, dass Du das merkst.
F: Was für einen Sport treibst Du?
M: Blicke werfen, kann eine Art Speer werfen sein.
F: Bei dem Du jemand triffst?
M: Dann freue ich mich.
F: Aber Speere können doch Schmerz bereiten?
M: Und? Sag mal, treibst Du auch Sport OHR?
F: Vielleicht ist das mein Sport: „Ich möchte immer noch Leiseres hören.
M: Dann hörst Du ja bald gar nichts mehr.
F: Doch, dann höre ich Stille.
M: Was ist Stille?
F: Ich glaube Du würdest es Dunkelheit nennen
M: Aha, dann kann ich nichts sehen!
F: Dann kann ich ganz viel hören.
M: Willst Du damit sagen, Dunkelheit ist Dir wichtig?
F: Ja, das was für Dich Dunkelheit ist für mich, Stille, Schweigen, nach Innen hören. Es ist genau umgekehrt wie für Dich, Du siehst nach außen.
M: Ich kann auch nach Innen schauen.
F: Ich weiß, aber Du tust es nur selten. Ich habe auch den Eindruck, Du tust es nicht gern.
M: Weil ich mich dann schließen muss, das sind zwei ziemlich verschiedene Sachen. Erst schaue ich nach Außen, dann schließe ich mich und erst dann kann ich nach innen schauen.
F: Bei mir sind das nicht zwei verschiedene Sachen. Ich kann mich nicht schließen. Im Gegenteil: Ich öffne mich erst wirklich, wenn ich nach Innen lausche
.

Eugen Biser drückt das so aus: "Was wir Verstehen nennen, ist etwas grundsätzlich anderes als Informationsaufnahme: Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, kurz, die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft." - Friedrich Nietzsche, bei Biser, Glaubensprognose

vielleicht ergibt das weitere Anhaltspunkte Denn es ist einfach Verstehen durch ein Lächeln, was erwidert wird, oder ein gemeinsamer Gesang oder ein Tanz und Berührung ohne Worte zu vermitteln, Worte dienen zur Analyse, das heißt, sie trennen, und wenn ich mich daran hänge beginnen die "Glaubenskriege" Also wenn ich meine, das ist richtig, und mein Gegenüber kann es nicht spüren, dass es richtig ist, beginnt der Kampf. Durch NLP wissen wir, dass Menschen auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren, so ist Kampf vorprogrammiert wenn ein Sehtyp auf einen Fühltyp trifft, oder auf einen Hörtyp, wobei der Sehtyp stärker beurteilt, wenn er nicht fühlen kann, das wird belegt durch Blinde die kommunikativer sind als Taube. Denn Sehen beurteilt aus der manifesten Erfahrung der Vergangenheit, hören und fühlen, ist mehr im Augenblick zu erleben. Es gibt zum Hören und Sehen noch eine schöne Geschichte, die ich auch von J.E. Behrendt weiß aus: Die Welt ist Klang. Ein junger Mann von 30 Jahren war sein ganzes Leben depressiv, bis er zwei Musikstücke hörte, eins von Mahler und die Kreuzersonate von Beethoven, so schrieb er seiner Mutter, er hätte ein großartiges Heilmittel durch die Musik gefunden und schickte ihr die Schallplatten. Seine Mutter rief ihn an und teilte ihm mit, dass sie diese Musik ständig auf einer Schiffsreise gehört hatte, als mit ihm im 4 1/2 Monat schwanger war. So wird deutlich nicht das Sehen sondern das Hören ist deutlich früher bei uns geankert und braucht das Wort nicht, das Wort kommt aus dem Sprechen, was die Schwingung der Musik vergessen hat, damit die Harmonie. Wer Worte langsamer spricht, eintöniger formuliert kommt möglicherweise zum Obertongesang hier das Beispiel http://www.youtube.com/watch?v=7mutKtLZuJ0 so Christian Bollmann. Wie wir wissen, Stotterer, die sich durch Worte bedroht fühlen, stottern, beim Gesang hören sie auf zu stottern, durch die erzeugte harmonisierende Schwingung verschwindet die Angst, und das dürfte auch der Grund sein, warum Rilke sich durch Worte bedroht fühlt, es ist nicht was gesagt wird, sondern wie es vermittelt wird, und welche Bewertungskriterien mich ärgerlich machen, und ich dadurch von mir und der Harmonie entfernt werde, besser ich mich davon entferne. Vielleicht ist dieser Absatz einer Ärztin noch wichtig,Dr. Dagmar Berg, die auf ihre Weise Annahme und Abwehr bezeichnet: Neuere Untersuchungen des Lebens von Mikroorganismen haben nachgewiesen, dass sie Intelligenz und Empfindungen besitzen. Forscher haben einzelne Zellen in der Petrischale mit Zuckerlösung und später mit Säure beträufelt. Zuckerlösung wurde begierig aufgenommen, bei der Säure kam es zu einem Zusammenziehen der Zelle als Ausdruck des Missempfindens. Nach einigen Versuchen mit der Säure kam es schon beim Annähern der Pipette an die Zelle zu einem Zusammenziehen, ohne dass die Säure die Zelle berührt hätte. Bei der Zuckerlösung geschah dies nicht. Zellen wissen also, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Organismen und Zellen sind ebenfalls fühlende Systeme, die ihre Umgebung wahrnehmen und interpretieren. Diese neuen Forschungsergebnisse der Biologie zeigen, dass das Phänomen des Fühlens nicht nur Lebensvorgänge, sondern auch das Bewusstsein erklären kann.

Gefühle und Gedanken steuern über die Funktion der Zellen unseren Körper. Die Zellen bilden und beeinflussen der Körper und umgekehrt. Jede Zelle schafft sich mit Hilfe der Gene, durch die Gefühle, die sie wahrnimmt, ständig neu und passt sich den Gegebenheiten des Körpers an. Jede Zelle hat immer die Information des Ganzen. Was einer Zelle gut tut oder schadet, tut auch dem ganzen Körper gut oder schadet ihm.

Ein Gefühl, das die einzelne Zelle hat, spiegelt sich im ganzen Körper wieder. Aber auch umgekehrt. Ein Gefühl das der Körper hat, veranlasst die Zellen zu einer entsprechenden Antwort in dem sich ihre Gene verändern. So werden Gefühle des Hasses, der Angst und der Liebe an die Zellen weitergegeben und veranlassen diese zu einer Reaktion auf der scheinbaren Ebene.

Jede Zelle erschafft sich in jedem Moment neu. Wenn sie dies nicht mehr kann, stirbt sie. Um sich neu zu erschaffen, braucht sie Materie aus der Umgebung. So steht sie in dauernder Wechselwirkung mit ihrer Umgebung. Auf diese Weise hat die Umgebung einen großen Einfluss auf die Zellen und damit das Lebewesen. Dieser Stoffwechsel tauscht immer den eigenen Stoff mit der Welt aus. Gefühle steuern und bewerten diesen Austausch. Die Zelle und der Körper können fühlen, ob ein Stoff gut oder schlecht für sie ist, und dadurch weiß ich, wann ich das Haus und die Stadt verlassen muss.

So wird deutlich, dass sich fühlende Menschen sehr wohl durch Worte bedroht fühlen können, gerade wenn sie stärker mit der Natur und mit dem hinhören verbunden sind. Und deshalb ist die Musik ein Mittel da Verbindung zu schaffen, denn am Anfang war bestimmt die absolute Harmonie, also die Schwingung, die sich im harmonischen Ablauf der Galaxis zeigt, welcher Mensch kann das verändern? http://www.youtube.com/watch?v=m-NKiRRG ... re=related mit diesem Instrument kann man den Sonnenton oder den Mondton nachspielen ....

stilz
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Re: Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von stilz » 7. Jun 2010, 23:39

Liebe Luise,

also, vielleicht bin ich ja ein bisserl altmodisch - aber für einen Vortrag im Rahmen des Deutschunterrichts, dem die Interpretation eines Rilke-Gedichtes zugrunde liegen soll, würde ich persönlich weder die Königin der Nacht noch den Jazzpapst noch auch NLP oder die säurefliehenden Mikroorganismen heranziehen; auch der "homo ludens" würde mir wohl dazu nicht einfallen.
Ja - ehrlich gesagt, sogar von der Idee, das Rezitieren dieses Gedichtes mit Musik zu untermalen, würde ich lieber Abstand nehmen.

Stattdessen würde ich mich an Rilke halten, und an das, was dasteht.

"Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort" steht im Band "Mir zur Feier" - im selben Band findet sich auch das folgende Gedicht, das meiner Meinung nach einen schönen Einblick gibt in Rilkes Arbeitsweise, und auch begreiflich macht, wieso (und wie) er dennoch auch selber mit Worten umgeht, vor denen er sich, so wie "die Menschen" sie üblicherweise gebrauchen, so "fürchtet":
  • Die armen Worte, die im Alltag darben,
    die unscheinbaren Worte, lieb ich so.
    Aus meinen Festen schenk ich ihnen Farben,
    da lächeln sie und werden langsam froh.

    Ihr Wesen, das sie bang in sich bezwangen,
    erneut sich deutlich, daß es jeder sieht;
    sie sind noch niemals im Gesang gegangen
    und schauernd schreiten sie in meinem Lied.
Nun - wie auch immer. Viel Erfolg bei Deinem Referat!

- - -

Und @ Prometheus:

Zu Deinen Ausführungen zum "Hörtyp, Sehtyp und Fühltyp" möchte ich daran erinnern, daß Rilke Synästhet war.

Und zu allem, was Du über die "wahre Natur der Frau" sagst, und über das "dem Manne zugeordnete" Auge und das "der Frau zugeordnete" Ohr, möchte ich auf ein anderes Gedicht Rilkes aufmerksam machen, auf die Wendung. Sie endet mit den Worten:
  • Siehe, innerer Mann, dein inneres Mädchen,
    dieses errungene aus
    tausend Naturen, dieses
    erst nur errungene, nie
    noch geliebte Geschöpf.

Gute Nacht!

stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

Prometheus1410
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Re: Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von Prometheus1410 » 8. Jun 2010, 02:07

stilz hat geschrieben:
@ Prometheus:

Zu Deinen Ausführungen zum "Hörtyp, Sehtyp und Fühltyp" möchte ich daran erinnern, daß Rilke Synästhet war.

Und zu allem, was Du über die "wahre Natur der Frau" sagst, und über das "dem Manne zugeordnete" Auge und das "der Frau zugeordnete" Ohr, möchte ich auf ein anderes Gedicht Rilkes aufmerksam machen, auf die Wendung. Sie endet mit den Worten:
  • Siehe, innerer Mann, dein inneres Mädchen,
    dieses errungene aus
    tausend Naturen, dieses
    erst nur errungene, nie
    noch geliebte Geschöpf.

Gute Nacht!

stilz
Guten Morgen Stilz,

aus Deiner Position wirst Du für Dich recht haben, nun betrachte ich genau das Spiel aus dem Erleben der Synästhie, und da treffe ich häufig die Empfindung von Frauen, die noch nicht zu sehr dem Bereich der männlichen Grenzziehung wie diese Art von Bewertungen auszeichnet, also wir wissen das ja alles was Rilke ist. Hiermit wird das Wunder Mensch klassifiziert und davor kann der fühlende Mensch sich fürchten, wollte nicht genau das Rilke mit dem Gedicht ausdrücken?
Hier möchte ich noch einmal an Martin Buber erinnern:

Vor allen Dingen, lieber Gegner, wenn wir uns miteinander und nicht aneinander vorbei unterhalten sollen, bitte ich Sie zu beachten, dass ich nicht fordere. Dazu habe ich keine Berufung und nicht einmal eine Befugnis. Ich versuche nur zu sagen, dass es etwas gibt, und anzudeuten, wie das beschaffen ist; ich berichte. Und wie vermöchte man überhaupt das Dialogische fordern! Zwiesprache gibt man keinem auf. Antworten wird nicht gewollt, aber es wird gekonnt.
Es wird wirklich gekonnt. Das Dialogische ist kein Vorrecht der Geistigkeit wie das Dialektische. Es fängt nicht im oberen Stockwerke der Menschheit an, es fängt nicht höher an, als es anfängt. Begabte und Unbegabte gibt es hier nicht, nur „ Sich Hergebende“ und „Sich Vorenthaltende“. Und wer sich morgen hergibt, dem ist es heute nicht anzumerken, auch er selber weiß noch nicht, das er es in sich hat, dass wir es in uns haben, er wird’s eben finden, „und wenn er findet, wird er staunen“[/i]. . Martin Buber: Zwiegespräche, Traktat vom dialogischen Leben in „Gespräch mit dem Gegner“ Heidelberg 1978, S.69
Somit habe ich hier erzählt, wie ich mich dem Thema nähern würde, ich mache keine Vorschläge, wie sich der andere verhalten solle, denn ich bin kein Lehrer und auch kein Schüler, sondern ein Finder, und das war Rilke auf seine Art auch, das liebe ich an ihm, wenn er von den Liebenden spricht und nicht davon das jeder jedes ist, so habe ich Sokrates im Gespräch mit Diotima auch verstanden, dort ist eindeutig zu lesen, dass es das LIEBENDE, das WOLLENDE und das GELIEBTE, das GUTE gibt, was das LIEBENDE findet, denn SIE sucht sich den Mann aus, dem sie sich hingibt, oder will SIE ihn beim Walzer führen? und durch: IST ES MÖGLICH ist mir bewusst geworden, all diese Interpretationen führen zu gar nichts sondern das STAUNEN über das was ist, und das lässt sich nicht in Worte fassen, oder doch? Wer sind die Liebenden, und wer sind die Türme die verfallen?
Siehe, ich wusste es sind solche, die nie den gemeinsamen Gang lernten zwischen den Menschen; sondern der Aufgang in plötzlich entatmete Himmel war ihr Erstes. Der Flug durch der Liebe Jahrtausende ihr Nächstes, Unendliches. Eh sie noch lächelten weinten sie schon vor Freude; eh sie noch weinten war ihre Freude schon ewig. Frage mich nicht wie lange sie fühlten; wie lange sah man sie noch? Denn unsichtbare sind unsägliche Himmel über der inneren Landschaft. Eines ist Schicksal. Da werden die Menschen sichtbarer. Stehn wie Türme. Verfalln. Aber die Liebenden gehn ewig hervor; denn aus dem Ewigen ist kein Ausweg. Wer widerruft Jubel?
Was verstand wohl Rainer Maria Rilke darunter Guido Westerwelle und sein Freund? Oder die Sehnsucht von Martin Buber, der sich in das Antlitz von Edith Stein verliebt hatte? : Freiheit oder, wie ihr rechtmäßiger altdeutscher Name ist Freihals - ich liebe ihr aufblitzendes Gesicht: es blitzt aus dem DUNKEL auf und verlischt, aber es hat dein Herz gefeit. Ich bin ihr zugetan, ich bin allzeit bereit um sie mitzukämpfen. ... Ich liebe die Freiheit, aber ich glaube nicht an sie. Wie könnte man an sie sie glauben, wenn man ihr Gesicht gesehen hat! Es ist der Blitz der Alldeutigkeit - der Allmöglichkeit. Um sie kämpfen wir, immer wieder, von jeher, siegreich und vergebens. Buber, Über das Erzieherische in Werke I, 796
Doch jeder hat seine eigene Sichtweise, und wie gesagt, liegen mir da die Menschen, die wie Rilke mehr, der dies sehen konnte und deshalb seiner Zeit voraus war, die wir immer weniger leben, wie das diese vermännlichte Dame nachweist, jedoch eben auf der Wortebene und nicht auf der Ebene des Einfühlens: http://www.youtube.com/watch?v=b0qxg1AghZs da liebe ich Erich Fried der von dem Lieben ausgegangen ist was ist, und dadurch wusste was zu tun ist um das DU im Ich wiederzufinden: http://www.youtube.com/watch?v=D46sEb3i_BE
Und so kann ich mir als Mann die Struktur verdeutlichen auf allen Ebenen, doch das ist der Krug der zum Brunnen geht und Gott sei Dank zerbricht, damit er merkt, die Struktur kommt aus der Sprache der Inhalt ist die Musik die mich ins Staunen versetzt, und wer sich für Kabbala interessiert, der weiß BRUNNEN ergibt Mann und Frau, der weiß, was Rilke mit diesem Gedicht ausdrücken wollte: http://www.onlinekunst.de/rilke/einhorn.html

Die Sonette an Orpheus Zweiter Teil
Vers IV

O dieses ist das Tier, das es nicht giebt.
Sie wußtens nicht und haben jeden Falls
-sein Wandeln, seine Haltung, seinen Hals
bis in des stillen Blickes Licht- geliebt.

Zwar war es nicht. Doch weil sies liebten, ward
ein reines Tier. Sie ließen immer Raum.
Und in dem Raume, klar und ausgespart,
erhob es leicht sein Haupt und brauchte kaum

zu sein. Sie nährten es mit keinem Korn,
nur immer mit der Möglichkeit, es sei.
Und die gab solche Stärke an das Tier,

daß es aus sich ein Stirnhorn trieb. Ein Horn.
Zu einer Jungfrau kam es weiß herbei-
und war im Silber- Spiegel und in ihr.


DAS LIEBENDE & DAS GELIEBTE
die Unschuld erkennend doch wo
ist das "Tier" das es nicht giebt,
ist es schon hier?
Bild

Halakas
Beiträge: 1
Registriert: 12. Jul 2013, 08:13

Re: Rilke - Gedichtinterpretation

Beitrag von Halakas » 12. Jul 2013, 10:05

Siehe, ich wusste es sind solche, die nie den gemeinsamen Gang lernten zwischen den Menschen; sondern der Aufgang in plötzlich entatmete Himmel war ihr Erstes. Der Flug durch der Liebe Jahrtausende ihr Nächstes, Unendliches. Eh sie noch lächelten weinten sie schon vor Freude; eh sie noch weinten war die Freude schon ewig. Frage mich nicht wie lange sie fühlten; wie lange sah man sie noch? Denn unsichtbare sind unsägliche Himmel über der inneren Landschaft. Eines ist Schicksal. Da werden die Menschen sichtbarer. Stehn wie Türme. Verfalln. Aber die Liebenden gehen über der eignen Zerstörung
ewig hervor; denn aus dem Ewigen ist kein Ausweg. Wer widerruft Jubel?

Rilke beschreibt hier zukunftsweisend und höchst aktuell den Aufstieg der Menschheit auf eine höhere Bewusstseinsebene und gleichzeitig auch auch auf eine höhere physikalische Schwingungsebene. Rilke spricht hier von entatmeten Himmeln, an anderer Stelle von überfließenden Himmeln. Man nennt das heute den Aufstieg der Menschen von 3D in 4D und manche Menschen gehen auch nach 5D. Der renommierte deutsche Physiker Dieter Broers hat hierzu fundierte wissenschaftliche Forschungen betrieben und erklärt in verständlichen Worten, welche aktuellen physikalischen Ereignisse zu diesem Aufstieg führen. Hier auch noch ein Link zu einer wirklich guten Erklärung der aktuellen Situation: http://wirsindeins.org/2013/07/12/das-pendel-schlagt-voll-aus/

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