Ein Zitat

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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HSM
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Ein Zitat

Beitrag von HSM » 28. Dez 2010, 19:32

Guten Tag,

ich bin per Zufall über ein "angebliches" Rilke Zitat gestolpert und da ich es gerne zitieren würde, wollte ich fragen, ob mir jemand den Text nennen kann, in dem es bei Rilke vorkommt.

"Ein Mensch ist nicht so, wie er während deiner letzten Unterhaltung mit ihm war, sondern er ist der, der er immer war, seit ihr euch begegnet seid."

Ich bin selbst ein großer Bewunderer von Rilke, doch ist mir die Stelle dieses Aphorismus (falls es ein solcher im Text ist) leider unbekannt.

mit den besten Grüßen
HSM

Harald
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Re: Ein Zitat

Beitrag von Harald » 29. Dez 2010, 10:58

Das ist nicht von Rilke. (Dem Himmel sei Dank, denn so ein holpriges Geschwurbel hätte ich ihm nicht verziehen.) Irgendein Schussel hat das in eine Sammlung von sogenannten Rilke-Zitaten aufgenommen, und so macht es die Runde.
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stilz
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Re: Ein Zitat

Beitrag von stilz » 29. Dez 2010, 14:11

Ja - ich glaube auch nicht, daß dieses Zitat von Rilke ist. Ich finde es auch ein bisserl erstaunlich (wenn es um das gehen soll, was bzw wer dieser Mensch "schon immer war", wer oder was war er denn dann, bevor "ihr euch begegnet" seid?).

Viel mehr sagt mir ein anderes Zitat, ebenfalls nicht von Rilke, aber doch von jemandem, den er sehr geschätzt hat:

"Du sollst nicht gerecht sein gegen ihn; denn wohin kämen die Besten von uns mit der Gerechtigkeit; nein; aber denke an ihn, wie er die Stunde war, da du ihn am tiefsten liebtest..." (Jens Peter Jacobsen).
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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Re: Ein Zitat

Beitrag von sedna » 29. Dez 2010, 14:29

An diesem Zitat war ich kürzlich auch dran - im Zuge einer schon etwas älteren offenen Frage hier im Forum, derzufolge wieder eine Rückübersetzung zu vermuten ist:

http://www.rilke.de/phpBB3/viewtopic.php?f=11&t=2474

Es ist wohl von "Smallville" über den Atlantik geschwappt und hat irgendwie Deutsch gelernt :mrgreen:

Dazu ist zu sagen, daß in Drehbüchern inhaltlich und sprachlich alles zulässig ist, was den Geist des Zuschauers luftig umflorend von Bildchen zu Bildchen trägt ... :?.

sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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Re: Ein Zitat

Beitrag von stilz » 29. Dez 2010, 18:47

Ah, danke! Alle Achtung vor Deinem unermüdlichen Forschen in alten Fragen.
Von der von Dir verlinkten gelangt man sogar zu einer noch älteren Anfrage wegen dieses "Lieblingszitates" - der link dort hat allerdings noch die ältere Form und führt daher ins Nichts, hier der neue: http://rilke.de/phpBB3/viewtopic.php?p=3702#p3702

Im übrigen finde ich, in der englischen Fassung klingt es wieder mehr nach Rilke:
"A person isn't who they are during the last conversation you had with them. They're who they've been throughout your whole relationship."
Also sollten wir uns wohl an die Rückübersetzungs-Versuche machen...

Herzlichen Gruß,
Ingrid
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Re: Ein Zitat

Beitrag von Harald » 29. Dez 2010, 22:09

Das erinnert mich an das viel zitierte Gedicht, das im spanischen Original mit den Zeilen beginnt:
Si pudiera vivir nuevamente mi vida, en la próxima trataría de cometer más errores.
Dieser seicht-sentimentale Schmarrn wird ebenso dreist Jorge Luis Borges untergeschoben wie unser "Zitat" Rilke. Gegen die "Wahrheiten" des Internets ist nur leider kein Kraut gewachsen. Mundus vult Schundus.
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Re: Mundus vult Schundus.

Beitrag von stilz » 30. Dez 2010, 13:31

:lol:
Mundus vult Schundus.

Lieber Harald,

vielen Dank für diese wunderbare Zusammenfassung!
Das ist sowohl inhaltlich (leider) als auch formal einer der prägnantesten Sätze, die ich in diesem nun zu Ende gehenden Jahr gelesen habe. Gratulation zur Erfindung sowohl eines wunderbaren neuen u-Stammes (sozusagen um des Reimes willen :wink: ) als auch der ersten mir bisher bekannten Sprachübung für den Laut "u", die wirklich ohne andere Vokale auskommt. Ich bin begeistert!

Und verkneife mir mit Mühe ein dilettantisches "Gutum Rutschum"...

Herzlichen Gruß!
Ingrid
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Re: Ein Zitat

Beitrag von gliwi » 30. Dez 2010, 17:59

off topic: ...wobei wir wissen, dass der gute Rutsch womöglich aus dem hebräischen "rosch ha schana tova" kommt, einen guten Kopf des neuen Jahres. (Laut Wikipedia aber nicht 100% nachgewiesen!) Wie auch immer, rutschen wir lieber nicht auf unseren vereisten Straßen. Ein gutes Neues Jahr euch allen!
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

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Re: Ein Zitat

Beitrag von sedna » 30. Dez 2010, 19:03

HSM hat geschrieben:ich bin per Zufall über ein "angebliches" Rilke Zitat gestolpert und da ich es gerne zitieren würde ...
Besser nicht, HSM, auch wenns weh tun sollte.
Ich würde mal sagen, auch mit Liszt und Tücke wird daraus kein maßgebliches Rilke-Zitat.

Mit besten Wünschen für das Jahr 2011 an alle

sedna :)
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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Re: Ein Zitat

Beitrag von Harald » 31. Dez 2010, 10:21

"Guten Rutsch, mögest du keinen Splitter in die Hose kriegen!" (1930). Das Hebräische muss man vielleicht gar nicht bemühen. Und Sedna, die lisztige Schlange, hat "Mundus vult Schundus" aufgespürt.
Alle guten Wünsche in die rodelnde Rilke-Runde
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