ans Gesicht reichen

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alix dc
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ans Gesicht reichen

Beitrag von alix dc » 12. Mai 2011, 20:43

Guten Abend!
Wo wäre der Ausdruck "ans Gesicht reichen" zu finden?
Es soll wohl im Zusammenhang mit einer Zuneigung Gottes zu den blindwerdenden Erdenmenschen sein.
Weder in "Mariens Leben" noch in den" Christus-Visionen" konnte ich es aber finden.
Könnte mir jemand helfen?
Ich wäre da sehr dankbar.
Herzliche Grüße im voraus.

stilz
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Re: ans Gesicht reichen

Beitrag von stilz » 12. Mai 2011, 20:57

Es heißt zwar nicht "ans Gesicht", sondern "in mein Gesicht reicht eine Welt herein" - aber vielleicht meinst Du dieses Gedicht aus dem "Buch der Bilder"?:

  • Der Einsame

    Wie einer, der auf fremden Meeren fuhr,
    so bin ich bei den ewig Einheimischen;
    die vollen Tage stehn auf ihren Tischen,
    mir aber ist die Ferne voll Figur.

    In mein Gesicht reicht eine Welt herein,
    die vielleicht unbewohnt ist wie ein Mond,
    sie aber lassen kein Gefühl allein,
    und alle ihre Worte sind bewohnt.

    Die Dinge, die ich weither mit mir nahm,
    sehn selten aus, gehalten an das Ihre -:
    in ihrer großen Heimat sind sie Tiere,
    hier halten sie den Atem an vor Scham.

Herzlichen Gruß,
Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

alix dc
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Re: ans Gesicht reichen

Beitrag von alix dc » 13. Mai 2011, 07:39

Vielen herzlichen Dank für die schnelle Antwort, ich glaube aber nicht, daß es die passende Antwort sei. Vielleicht der weitere Kontext aus einer theologischen Auseinandersetzung von R. Frieling zum Thema Apocalypse :
"... Er [Christus] mußte einen materiellen Leib annehmen, um den nicht mehr in die Geisteswelten hineinschauenden Erdenmenschen "ans Gesicht" zu reichen (um einen Rilkeschen Ausdruck zu gebrauchen)."
Mit Grüßen.

Renée
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Re: ans Gesicht reichen

Beitrag von Renée » 13. Mai 2011, 08:14

Für Alix dc!

Könnte die erste Zeile aus dem Gedicht "Zu der Zeichnung. John Keats im Tode darstellend" gemeint sein: "Nun reicht ans Antlitz dem gestillten Rühmer / die Ferne aus den offnen Horizonten..." (1914)

Vielleicht - und mit Grüßen von Renée

stilz
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Re: ans Gesicht reichen

Beitrag von stilz » 13. Mai 2011, 10:58

Sehr schön, danke, liebe Renée!

Und hier findet sich dieses Gedicht (mitsamt Zeichnung) sogar auf rilke.de.

Und liebe Alix - Dein Zitat "Christus mußte einen materiellen Leib annehmen, um den nicht mehr in die Geisteswelten hineinschauenden Erdenmenschen "ans Gesicht" zu reichen" läßt mich nun auch noch an dieses Gedicht denken, wegen der Zeilen:
  • O Haus, o Wiesenhang, o Abendlicht,
    auf einmal bringst du’s beinah zum Gesicht
    und stehst an uns, umarmend und umarmt.
Lieben Gruß,

Ingrid
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alix dc
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Re: ans Gesicht reichen

Beitrag von alix dc » 13. Mai 2011, 12:47

Vielen Dank an Renée und Ingrid: ich glaube diesmal, es soll die gesuchte Stelle sein...

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