das "neue Sehen"

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hugo hengl
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das "neue Sehen"

Beitrag von hugo hengl » 30. Jul 2012, 19:01

Liebe Freunde,
ich möchte in einer Arbeit für das allzu bekannte Motiv des "neuen Sehens" ein entsprechendes Zitat angeben.
Ich finde aber nirgendwo bei Rilke diesen genauen Wortlaut. Im Malte ist soviel ich weiss nur die Rede von einem "anderen Sehen". (S.755 : "Wenn meine Furcht nicht so groß wäre, so würde ich mich damit trösten, daß es nicht unmöglich ist, alles anders zu sehen und doch zu leben")

Gibt es da vielleicht eine bekannte Briefstelle oder ein sonstiger Text den ich übersehen habe, in dem das "neue Sehen" wirklich vorkommt?
(oder handelt es sich etwa - das wäre allerdings auch interessant - um ein institutionalisiertes Konstrukt der Literaturwissenschaft? :evil:)

vielen Dank für eure Hilfe!

stilz
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Re: das "neue Sehen"

Beitrag von stilz » 31. Jul 2012, 09:21

Also, was die Literaturwissenschaft daraus gemacht haben mag, darüber weiß ich nicht gut Bescheid.
Aber ich denke bei dem Begriff des „Neuen Sehens“ einerseits an Rilkes Rodin-Monographie und andererseits an Maltes »Ich lerne sehen.«, das ich im Zusammenhang damit lese.
In beiden Fällen ist das „Neue“ vielleicht nicht explizit so genannt (es ist allerdings eine Weile her, daß ich den „Rodin“ gelesen habe), aber es wird geschildert, wie Malte bzw Rodin (gewissermaßen als „Pioniere der Menschheit“) etwas lernen, ver-wirk-lichen, was bis dahin so nicht dagewesen war – – – obwohl ich mich ja beim Betrachten der Skulpturen Michelangelos, beispielsweise seines Bacchus, frage, was genau das wirklich „Neue“ daran war – – – :wink: dazu müßte ich dann wohl Deine Arbeit lesen...

Viel Erfolg dabei!
Herzlichen Gruß,
stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

hugo hengl
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Re: das "neue Sehen"

Beitrag von hugo hengl » 3. Aug 2012, 00:52

Vielen Dank für die Antwort! Rodin ist in der Tat für Rilke ein wichtiges Beispiel des "neuen Sehens", wobei mit dem "Neuen" ein nicht-sentimentaler, auch das Hässliche in der Natur umfassende Blick gemeint ist. (s. die Stelle im Malte über Baudelaires Gedicht 'ein Aas' & in den Cézanne-Briefen Stellen wie etwa "Man malte: ich liebe dieses hier; statt zu malen: hier ist es")
Bei Michelangelo handelt es sich allerdings im Sinne Rilkes um zeitlos perfekte Kunst, die von Fragen der Modernität gar nicht berührt wird.

hh

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