Truhe

Rilke-Texte gesucht und gefunden

Moderatoren: Thilo, stilz

Antworten
Bártfay Réka
Beiträge: 1
Registriert: 2. Aug 2013, 14:14

Truhe

Beitrag von Bártfay Réka » 2. Aug 2013, 16:00

Hallo Leute,

wer kann mir helfen? Worauf bezieht sich Adorno's Ausschnitt?
S 352 Ästhetische Theorie

An Rimbaud wäre zu zeigen, wie in seinem Artismus die schneidende Antithese zur Gesellschaft und Willfähriges: die Rilkesche Verzückung über den Duft der alten Truhe, auch Cabaret-Chansons, unverbunden nebeneinander stehen; schließlich triumphierte die Versöhnlichkeit, und das l'art pour l'art-Prinzip war nicht zu retten.

Danke für die Hinweise
Réka

sedna
Beiträge: 368
Registriert: 3. Mai 2010, 14:15
Wohnort: Preußisch Sibirien

Re: Truhe

Beitrag von sedna » 10. Aug 2013, 19:14

Willkommen im Forum, Bártfay Réka!

Schwere Kost.
Zwar habe ich in der Ästhetischen Theorie ein wenig drumherum gelesen, wundere mich aber eher mehr als zuvor!
Du kennst vermutlich den Kontext, dem dieser Ausschnitt entstammt, genauer, daher wäre es vielleicht ganz aufschlussreich zu erfahren, ob sich für Dich überhaupt eine Verbindung zu Rilke herstellen läßt --- denn mir erhellt sie sich kein kleines bißchen.
Deshalb ist für mich nicht mal zu erschließen, ob es sich hier
Bártfay Réka hat geschrieben:die Rilkesche Verzückung über den Duft der alten Truhe
für sich genommen um eine Eigenart handelt: Rimbauds "Rilkesche Verzückung", d.h. über den Duft einer realen oder fiktiven alten Truhe Rimbauds ... oder eine ironische Anspielung auf den Duktus von Rilkes Dichtersprache sein soll, wobei die alte Truhe dann in einem Werk Rilkes zu suchen wäre.

Wäre also schön, wenn Du sagen könntest, wie Du diese Stelle verstehst.
Ohne Denkanstöße komme ich da leider auch nicht weiter.
Hier ein möglicher Hinweis zum Thema L'art pour l'art-Prinzip, das verborgene Erwachsen der noch jungen Epoche der Moderne sehr sinnlich aufgreifend - ein Ausschnit aus einem Brief Rilkes an Otto Modersohn, Schmargendorf bei Berlin, am 23. Oktober 1900:

"Lieber und verehrter Herr Modersohn,
wenn es Winter sein wird, werde ich Erinnerungen haben, sanfter, reicher und herrlicher als je. Ich fühle das. Als ob ich kostbare Gewebe in Truhen hätte, die ich nicht öffnen kann, weil ungeordnete Tage wie schwere Gefäße auf ihren Deckeln stehen. Einmal wird Ordnung sein, und ich werde die Deckel heben und durch dichten Duft nach den Stoffen greifen, die zu entfalten ein Fest ist.
Ich weiß jetzt nicht, was eingewoben ist in diesen Tüchern; welche Schicksale in welchen Landschaften geschehen mußten, damit Bilder da wären für diese Vielfalt der Fäden und Falten ... aber ich habe das dunkle Gefühl von einem Zeitalter der Größe und Güte, dessen Tage darin verwahrt, verwoben und verwertet sind."

Mit Grüßen von

sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

sedna
Beiträge: 368
Registriert: 3. Mai 2010, 14:15
Wohnort: Preußisch Sibirien

Re: Truhe

Beitrag von sedna » 24. Sep 2013, 21:20

Rilke hat einmal gesagt:

Lesen Sie möglichst wenig ästhetisch-kritische Dinge, - es sind entweder Parteiansichten,
versteinert und sinnlos geworden in ihrem leblosen Verhärtetsein, oder es sind geschickte Wortspiele,
bei denen heute diese Ansicht gewinnt und morgen die entgegengesetzte.


Aus einem Brief an Franz Xaver Kappus vom 23. April 1903

sedna :lol:
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

Antworten