Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Rilke-Texte gesucht und gefunden

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Leonie
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Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von Leonie » 24. Okt 2016, 00:55

Hallo zusammen,

im Zuge meiner Recherche über die verschiedenen Briefempfänger Rilkes versuche ich nachzuvollziehen in welcher Beziehung er mit den einzelnen Personen stand und/oder in welchem Zusammenhang er ihre Bekanntschaft machte. Bei den meisten habe ich bereits passende Informationen gefunden, jedoch stehe ich bei folgenden Personen noch vor Fragezeichen:


Rudolf Friedrich Burckhardt ( * 8. August 1877 in Basel; † 21. Juli 1964 in Basel); Schweizer Kunsthistoriker und Konservator des Basler Historischen Museums.

Marguerite Masson (geb. Ruffy) ( * 21. Mai 1887 in Langenthal, Bern; † 5. April 1972 in Niederbipp, Bern); Schwester der 1915 verstorbenen Malerin Odette Ruffy.

Catarina (Cathérine) Pozzi ( * 13. Juli 1882 in Paris; † 3. Dezember 1934 in Paris); französische Lyrikerin und Essayistin.

Johanna Magdalena Schwammberger ( * 22. November 1892 in Burgdorf; † 1979); Bekannte Rilkes aus Burgdorf im Kanton Bern.

Reinhold von Walter ( * 5. August 1882 in St. Petersburg; † 17. September 1965 in Ravensburg); baltendeutscher Schriftsteller und Übersetzer.

Hat jemand zufällig die fehlenden Informationen oder weiß wo ich sie ausfindig machen könnte?

Vielen Dank schonmal und ich freue mich auf eure Antworten!

Gruß,
Leonie

sedna
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von sedna » 25. Okt 2016, 23:46

Hallo Leonie,

schön, daß Du Dich erneut und wieder mit spannenden Anfragen ans Rilke-Forum wendest.
Leider vermissen wir hier mit dem Tod von Renate Scharffenberg vor gut drei Jahren die kenntnisreichste Rilke-Freundin des Forums und müssen daher eben fortan von allen möglichen Quellen aus der Literatur oder im Netz die Informationen zusammentragen, da habe ich jetzt auch keine bessere Lösung parat.
Leonie hat geschrieben: Rudolf Friedrich Burckhardt ( * 8. August 1877 in Basel; † 21. Juli 1964 in Basel); Schweizer Kunsthistoriker und Konservator des Basler Historischen Museums.
Einiges spricht dafür, daß Rilke ihm das erste Mal im Rahmen seiner Vortragsreise durch die Schweiz zwischen dem 14. und 16. November 1919 in Basel begegnet ist.
In der Rilke-Chronik findet sich auf Seite 656 folgender Eintrag:
Rilke-Chronik zum 14. November 1919 hat geschrieben:Nach seiner Lesung in Basel, veranstaltet von der Vereinigung "Quodlibet", lernt R. im Ritterhof die Familien Burckhardt-Schazmann und von der Mühll kennen.
Gemeint sind wohl in erster Linie Helene Burckhardt-Schazmann, Mutter von Dory von der Mühll und Carl Josef Burckhardt, mit denen Rilke anschließend in sehr viel engerem Austausch stand, als mit Rudolf Burckhardt, er kann aber zum weiteren Kreise der Familien gezählt werden, das ist gut erforscht, alle entstammen der Burckhardt-Vischer Linie um 1800.
Eingeführt wird er dort von Emmy von Egidy, einer Freundin von Rilkes Frau Clara, wie sie Bildhauerin und im Ritterhof zu Gast. Auch interessant.
Weiter steht in der Chronik zu lesen, daß Rilke seinen Vorträgen eine dem jeweiligen Ort angepaßte "Causerie" voranstellte, wobei er in Basel von Johann Jacob Bachofen ausging, welcher ein Neffe von Rudolfs Uroma gewesen ist. Ob Burckhardt bei der Lesung anwesend war, geht nirgendwo eindeutig hervor.

In Rilkes (erstem) Brief an Rudolf Burckhardt, eine Woche nach seiner Lesung in Basel, heißt es, höflich mit Titel in der Anrede:
Rilke am 21. November 1919 hat geschrieben:Mein werther und lieber Dr. Burckhardt,
Sie haben mir also wirklich die kleine Schrift von Carl J. Burckhardt anvertraut [...] Zu dem Schönen und Freundlichen, das Sie mir in wenigen Tagen so reichlich zugewendet haben, rechne ich nun ganz besonders auch die Berührung mit dieser Denkschrift
Über den verstorbenen Vater von Carl und Dory, Carl Christoph Burckhardt.
Rilke am 14. April 1924 hat geschrieben:Mein lieber Rudolf F. Burckhardt,
wenn ich mich, in innerster Zusammenfassung, zu Ihnen beziehe, so kann ich merken, daß nichts vergessen ist von allem Guten, das Sie mir seit unserer ersten Begegnung - der feierlichen, in der die "drei blassen Brüder" vorkamen - bereiten mochten. Ich gedenke weiter jener Stunden in Venedig und unseres Briefaustausches zum Liebesgarten-Teppich: und ich finde in alledem mehr, als nur die Umstände nachweislicher Erinnerung
Bei den erwähnten Gegenständen handelt es sich um Kunst aus dem Baseler Historischen Museum. Vielleicht fand auch dort die erste Begegnung statt. Schwierig ... einigermaßen sicher bin ich mir, daß Rilke ihn auf der Vortragsreise 1919 kennenlernte. Vielleicht hilft es Dir schon weiter.
Die beiden Briefzitate entstammen dem Band Rainer Maria Rilke. Briefe an Schweizer Freunde. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990. Darin sind leider nicht alle an Burckhardt enthalten.

Soviel vorerst, ich bin also auch diesmal wieder mit im Boot, wollte ich noch kurz anmerken, und Du kennst das ja schon: Fortsetzung folgt :)

Herzlich grüßend

sedna
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von stilz » 26. Okt 2016, 08:37

Zwischenbemerkung einer Mitleserin, die zu solchen Themen selber leider nichts beitragen kann:

Ich freue mich sehr, auf diese Weise an diesen Recherchen teilhaben zu können - vielen Dank an Dich, liebe sedna, für die kompetenten Antworten! Renée würde sich freuen...

Viel Erfolg weiterhin!

Herzlich,
stilz
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von Leonie » 29. Okt 2016, 20:00

Hallo Sedna,

vielen Dank für deine schnelle Antwort und diese höchstinteressanten Informationen über die Familie Burckhardt. Die Tatsache, dass Rilke Burckhardt auf der Vortragsreise 1919 kennenlernte reicht vorerst vollkommen! Ich freue mich auf weitere Korrespondenzen.

Danke auch dir, Stilz, für dein Interesse!

Grüße,
Leonie

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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von sedna » 31. Okt 2016, 22:32

Guten Abend zusammen,

aber sicher gibt es hierzu von jedem etwas Bereicherndes beizutragen; allein neben Informationen die Einschätzungen angehend, was "in Beziehung stehen" für Rilke gewesen sein könnte, wobei ich eben mit Regelmaß schön ins Schwimmen komme; zudem habe ich mich in verschiedenen Briefwechseln festgelesen -- wer hilft mir wieder raus? :oops:
Leonie hat geschrieben:Marguerite Masson (geb. Ruffy) ( * 21. Mai 1887 in Langenthal, Bern; † 5. April 1972 in Niederbipp, Bern); Schwester der 1915 verstorbenen Malerin Odette Ruffy.
Der Kontakt kam durch Rilkes Bekanntschaft mit Antoine Contat zustande, welcher mit Odette Ruffy befreundet war und Rilke bat, der Schwester 1922 ein Widmungsexemplar zur Weihnacht zukommrn zu lassen.
Familie Contat wiederum lernte Rilke in Gesellschaft der Malerin Alice Bailly kennen.
Im Schweizerischen Rilke-Archiv befindet sich neben dem (wohl einzigen) Brief Rilkes an sie vom 4. Januar 1923 ihr (wohl einziges) Anschreiben vom 28.12.1922 sowie das Widmungsexemplar:
Lettre de Masson-Ruffy, Marguerite à RMR, Langenthal, 1922-12-28, 3 Bl., masch.; RMR: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Bd. 1, Leipzig, 1920, m. ausführlicher hs. Widmung auf dem Vorsatzbl.
Soweit ich Rilkes französischer Korrespondenz mit Antoine Contat und seiner Frau Léonie folgen konnte, scheint ein persönliches Treffen stattgefunden zu haben, als Rilke einer Einladung der Familie nach Bern gefolgt war:
Rilke an Léonie Contat am 9. Juli 1923 hat geschrieben:Et tout me semble si parfaitement complet, puisque Madame Masson se trouvait tout justement à Berne; et je me réjouis d'avoir vu, á côté de Mademoiselle Antoinette, son charmant frère.
Später nurmehr Grüße an Madame Masson.
So weit, so wenig. Wer des Französischen wirklich mächtig ist, wird da mehr rausholen können. :)

Herzlich grüßend

sedna
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von sedna » 2. Nov 2016, 17:54

Hallo Leonie!
Leonie hat geschrieben:Catarina (Cathérine) Pozzi ( * 13. Juli 1882 in Paris; † 3. Dezember 1934 in Paris); französische Lyrikerin und Essayistin.
Schön, daß auch sie einmal hier im Forum ins Gespräch gebracht wird!

Mittels Passagen aus Briefen und der Rilke-Chronik läßt sich ein erster, schemenhafter Überblick geben. Zunächst über beider Bekanntwerden:
Rilke-Chronik, S.878 hat geschrieben:6. April [1924]: Besuch Paul Valérys auf Muzot ... Valéry spricht von Cathérine Pozzi, die Deutsch und Englisch beherrscht, und schlägt vor, R. sollte ihr seine Barrett-Browning-Übertragung senden. R. folgt dem Vorschlag, sobald die "Sonette aus dem Portugiesischen" wieder greifbar sind (Juni1924), und es beginnt ein wichtiger Briefwechsel, in dem R. ihr auch über die Elegien und Sonette Auskünfte gibt und mit ihr diskutiert.
Dieser Briefwechsel ist mir leider leider unbekannt. Vielleicht haben wir ja Glück und es findet ein Kundiger in diesen Faden ...
Hier beispielsweise findest Du die Daten der bedauerlicherweise vergriffenen Ausgabe des Bandes Cathérine Pozzi, Rainer Maria Rilke: Correspondance, 1924-1925.

Die folgenden Zitate entstammen der Ausgabe: Rainer Maria Rilke. Briefe an Nanny Wunderly-Volkart. Bd.II. Frankfurt am Main: Insel Verlag 1977.
Über seine tiefe Besorgnis schreibt er an die Freundin:
Rilke an Nanny Wunderly-Volkart am 5. September 1924, S. 1015 hat geschrieben:Von Valéry: ein neues Buch, eine neue von ihm herausgegebene Zeitschrift und, Montag, einen mich sehr bestürzenden Brief. Der Zustand von Mme. P. ist so mysteriös und gefährlich geworden, daß V. schreibt, er hätte während der letzten Wochen oft gemeint, es sei um sie geschehen. [...] Mme. P., die alles Vertrauen zu Pariser Ärzten verloren hat über dieser lebensgefährlichen Erfahrung, denkt daran, einen Arzt aus der Schweiz zur Konsultation kommen zu lassen.
Daraufhin erfolgt eine intensive Beratung mit dem Abschluß:
Rilke an Nanny Wunderly-Volkart am 13. September 1924, S. 1020 hat geschrieben:Was den Rath in Sachen der Mme P. angeht, so wag ich nicht, neue Vorschläge dorthin weiterzugeben, nachdem ich schon zwei Ärzte genannt habe; sonst wird es eine Verwirrung von Möglichkeiten. Dr. Haemmerli war so ungemein für Prof. Zangger [...], außerdem ist er mit dem berühmten Prof. Pozzi (dem Vater der Mme P.), scheints, in Beziehung gewesen ...
Der Vater war Chirurg und Professor für Gynäkologie; er lebte von 1846 bis 1918.

Über das erste Treffen in Paris, wo Rilke von Januar bis August 1925 weilte, schreibt er kurz und bildhaft:
Rilke an Nanny Wunderly-Volkart am 28. Januar 1925, S. 1043 hat geschrieben:Madame Pozzi: je l'ai vu une seule et première fois, c'était doux et douloureux, elle est éteinte et ardente sous cette pauvre cendre de maladie ...
Darauf schreibt er ihr nur einmal noch über den weiteren Verlauf , aus dem hervorgeht, daß er sie mehr als einmal getroffen haben muß:
Rilke an Nanny Wunderly-Volkart am 5. März 1925, S. 1047 hat geschrieben:Maintenant qu'une grande partie de mes nouvelles connaissances sont parties pour le midi, je respire un peu, mais je voudrais dormir 24 jours. Valéry doit être parti aussi -, Mme Pozzi: je ne l'ai point revu depuis plus de trois semaines -, elle aussi, elle n'attend qu'un peu de répit dans sa longue souffrance pour partir également vers le midi, où elle avait toujours passé une partie de ses hivers.
Kann Dir solches Umherkreisen hinreichend Klarheit verschaffen?
Inzwischen habe ich an verschiedenen Stellen in Erfahrung bringen können, daß die Art der Anrede im Brief auch nur bedingt aussagekräftig ist, die Nähe zu den Empfängern betreffend.

Herzlich in die Runde grüßend

sedna
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von sedna » 4. Nov 2016, 17:00

Hallo Leonie!
Leonie hat geschrieben:Johanna Magdalena Schwammberger ( * 22. November 1892 in Burgdorf; † 1979); Bekannte Rilkes aus Burgdorf im Kanton Bern.
Eine differenziertere Annäherung versuchte Rätus Luck in dem Artikel Rilke und das Emmental, erschienen in Burgdorfer Jahrbuch, Jg. 63, 1996, S. 42:
Rätus Luck hat geschrieben:Wie die Verbindung zwischen Magdalena Schwammberger und Rilke zustande gekommen ist, liegt einstweilen im Dunkel. Rilke erwähnt in seinem ersten Brief zwar eine Cousine, was aber auch nicht mehr als eine erzwungene Hilfskonstruktion zulässt (s. unten: Erläuterungen). Einleuchtend wäre ein Kontakt, der sich über Sophie «Söphi» Schwammberger (1887-1972) ergeben hätte, eine andere Schwester, die eine gute Schauspielerin war und am kulturellen Leben Burgdorfs regen Anteil nahm, zum Beispiel im Auftrag der Casinogesellschaft mit deren Referenten korrespondierte. Da Rilke sich im Oktober/November 1919 mit einer ausgedehnten Vortragsreise in der Schweiz sozusagen eingeführt hat, erscheint das als plausible Variante.
Dort ebenfalls zu lesen: Die (Abschriften der) vier Briefe Rilkes an Magdalena Schwammberger, und:"Die Briefe von Magdalena Schwammberger an Rilke sind nicht greifbar".
Mit neueren Erkenntnissen kann ich leider nicht dienen.

Herzlich grüßend

sedna
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von Leonie » 4. Nov 2016, 22:27

Hallo Sedna,

entschuldige bitte meine verzögerten Antworten. Ich bin zur Zeit etwas überladen. Vielen Dank für diese tollen Informationen! Du gibst mir sehr hilfreiche Anhaltspunkte für meine Recherche.

Ich habe den Band Cathérine Pozzi, Rainer Maria Rilke: Correspondance, 1924-1925 tatsächlich in meiner Bibliothek bestellen können und werde mal gucken ob sich noch zusätzliche Informationen finden lassen.

Weiteres sehr bald!

Grüße,
Leonie

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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von sedna » 6. Nov 2016, 22:36

Hallo Leonie!

Da Du es nicht brandeilig zu haben scheinst, möge es hier doch so schön ruhig weiterfließen :)
Leonie hat geschrieben:Reinhold von Walter ( * 5. August 1882 in St. Petersburg; † 17. September 1965 in Ravensburg); baltendeutscher Schriftsteller und Übersetzer.
Dieser Name sagte mir gar nichts. Es wollte sich zunächst auch kein Bild aus dem spärlichen Material zusammenfügen.
Du kennst wahrscheinlich die Einträge aus der Chronik. Hier noch einmal das Wesentliche sortiert:
Rilke-Chronik zum 21. Oktober 1907 hat geschrieben:[...] an Reinhold von Walter einen längeren Brief über die Bedeutung des künstlerischen Gewissens: "es ist der einzige Maßstab. (Die Kritik ist keiner ...)"
Es ist bisher wohl nur ein Brief Reinhold von Walters an Rilke aufgetaucht, datierend aus dem Jahr 1913, abgelegt im Schweizerischen Rilke-Archiv
Nächster Eintrag über einen Brief von Rilke, Jahre später:
Rilke-Chronik zum 6. April 1921 hat geschrieben:R. dankt Reinhold von Walter für eine Sendung des Verlags "Skythen", besonders für das "herrliche Gedicht Die Skythen von Alexander Alexandrowitsch Block" aus dem Jahr 1917, und erinnert sich an ihre 'nahe Begegnung' in Leipzig.
Während des infragekommenden Zeitraums war Rilke im Oktober 1905 nur kurz in Leipzig, später dreimal 1910: von Mitte bis Ende Januar, noch einmal zwei Wochen im Februar/März sowie am 10. August; dann erst wieder am 20. Juli und Mitte August 1911, eine knappe Woche im Juli 1913 sowie eine Woche Ende Juli 1914; Mitte 1919 hat Rilke München verlassen und ist nie wieder nach Deutschland zurück gekehrt -- von Walter findet leider nirgends Erwähnung; vielleicht helfen noch einige Anhaltspunkte aus seinem Leben:
slavistik.uni-potsdam. hat geschrieben:Reinhold von Walter studierte Theologie und Philosophie in Erlangen, Dorpat, München und St. Petersburg ... Nach der Oktoberrevolution 1917 siedelte er nach Berlin um.
Zu einem dritten und letzten Brief Rilkes aus demselben Jahr:
Rilke-Chronik zum 4. Juni 1921 hat geschrieben:Über die mögliche Mitarbeit an einer "russischen Zeitschrift" antwortet Rilke an R. von Walter:"Was aber Aufsätze und dergleichen angeht, so werden sie kaum zustandekommrn - [...] Nehmen Sie meine Zusage erst im allgemeinen und lassen Sie mir Zeit, das Meinige zu übersehen und zu ordnen. Es ist eben jetzt ein zu undurchdringlicher Moment ..."
Im Verzeichnis der Chronik und der Briefkonkordanz findest Du den Fundort, in dem alle drei Briefe veröffentlicht sind:
Reinhold von Walter. Gert Buchheit: Unveröffentlichte Rilke-Briefe. In: Der Gral, Jg. 23, H. 5, Februar 1929, S. 397-402.
Die "Gralssuche" ist nicht aussichtslos, bei zvab beispielsweise ist noch dranzukommen, auch gar nicht mal so teuer.

Eine kurze Erwähnung fand sich auch in einem Brief Rilkes an Lou Andreas-Salomé vom 29. Dezember 1921:
Rilke hat geschrieben:Hast Du von diesen Publikationen des Skythen-Verlags etwas gesehen, der auch eine Zeitschrift (russisch und deutsch) herausgiebt?; zu Beginn des Unternehmens schrieb mir der junge Reinhold von Walter davon.
Das dürfte eigentlich nicht vor 1917 gewesen sein, vermutlich sogar im Umkreis des Briefwechsels 1921.
Das ist leider alles.


Aber nun freue ich mich noch ganz besonders über Dein Weiterkommen bei Cathérine Pozzi! Interessiert mich sehr, alles, ja, auch welchen Umfang die Korrespondenz hatte, welche Anreden und ... und ... bin gespannt, was Du über die Gespräche in Erfahrung bringen kannst.

Mit guten Wünschen und Grüßen in die Runde

sedna
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Re: Beziehungen Rilkes zu seinen Briefempfängern

Beitrag von sedna » 15. Nov 2016, 21:28

Hallo Leonie,

hier noch ein Nachtrag zu
Leonie hat geschrieben:Catarina (Cathérine) Pozzi ( * 13. Juli 1882 in Paris; † 3. Dezember 1934 in Paris); französische Lyrikerin und Essayistin.
In Blätter der Rilke-Gesellschaft Nr. 30 / 2010 findet sich ein Artikel von Curdin Ebneter: "… les deux êtres que je voudrais voir tous les jours…": die Beziehungen Rilkes zu Cathérine Pozzi und Paul Valéry im Zeitraum 1924-1926.
Im selben Atemzug möchte ich Dich auch auf diese Kurzinfo über den Bestand der Fondation Rilke hinweisen. Dort findest Du eine feine Literatur-Suchmaschine, die noch Interessantes zu Tage fördern könnte (wie ich es nun selbst erst kürzlich (und einigermaßen begeistert) erfahren habe).

Weiterhin alles Gute bei Deiner Arbeit

sedna
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