Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn

Von den frühen Prager Gedichten über Cornet, Neue Gedichte, Sonette und Elegien bis zum lyrischen Grabspruch

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Rilke-Newbie
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Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn

Beitrag von Rilke-Newbie » 5. Jun 2006, 15:21

Hallo!
Ich hab gerade erst angefangen mich ein bißchen mit Rilke zu beschäftigen...haben in Deutsch mal Tod der Geliebten gemacht und das fand ich so traurig (der Deutschunterricht ist also doch zu was gut :wink: ). Naja, jetzt bin ich auf Lösch mir die Augen aus.... gestoßen und wollte mal so fragen, was ihr über die letzten Zeilen denkt?? (Hab auch schon im Forum gesucht aber nix gefunden)

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.

Ist das lyrische Ich besessen? Oder unglücklich verliebt?
Hab bis jetzt rausgefunden, dass es in Stunden-Buch zu finden ist und die Gedichte eigentlich an Gott sind, aber doch irgendwo Liebesgedichte und dieses Lou Andreas-Salomé gewidmet war, die er liebte aber mit der er nicht zusammen sein konnte (stimmt das so??)
Zu dem "besessen sein" finde ich passt "beschwören" und "ich fasse dich"...
Aber vielleicht soll es auch einfach nur zeigen, welche Hindernisse das lyrische Ich überwinden würde, um mit der Geliebten zusammen sein zu können. Oder ist das lyrische Ich zurückgewiesen? Kommt mir so vor...
OK nun zur letzten Zeile- was soll sie bedeuten?
Und kann man von einer Steigerung der Hindernisse sprechen die bis zum Tod des lyrischen Ichs reichen? Oder wäre das zu übertrieben?
Was mir auch noch aufgefallen ist....die 5. Zeile wirkt irgendwie wie ein Bruch der zu dem Extrem des Todes hinüberleitet (?!?)

Hoffe jemand antwortet mir / übt Kritik an meinen Vermutungen und der Beitrag enthält nicht zu viele Fragen :oops:

Lg Christina

helle
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Beitrag von helle » 7. Jun 2006, 21:50

Ein bißchen arg besessen finde ichs. Man soll ja nicht gleich immer mit einer Wertung ins Haus fallen, aber dies halte ich für ein selten unglückliches, mit seinen schiefen Bildern ("halt mir das Herz zu", "wirfst du in mein Hirn den Brand") unfreiwillig komisches Gedicht, über das hier im Forum aber auch schon gesprochen wurde (wenn Du in der Suche z.B. "lösch" und "Augen" eingibst, erhältst Du ein paar Verweise).

Eine Steigerung nach unten, ins Dumpfe, ein Reduzieren bis zur kompletten Aufgabe und Auflösung des Bewußtseins. Für mich liegt zugleich etwas Hündisches und etwas Totalitäres darin, je brutaler das angesprochene Gegenüber agieren könnte, von dem man im übrigen aber auch gar nichts erfährt (sehr sympathisch wird es einem nicht), desto radikaler die Opferbereitschaft des zurückgewiesenen Ichs. Mach was du willst, ick bün allhier.

Rilke selbst wird später anders denken, von der Besitzlosigkeit der Liebe sprechen usw., was man ihm auch wieder nicht glauben muß, aber wenn dieser Heroismus Liebe sein soll, wäre ich lieber Menschenfeind.

Gruß h.

stilz
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Beitrag von stilz » 8. Jun 2006, 10:08

Hallo,


also, ich finde ja: auch wenn dieses Gedicht oft allein dasteht, ohne den Zusammenhang des Stunden-Buchs, sodaß man es für ein (möglicherweise etwas "besessenes") ganz normales Liebesgedicht halten könnte...

und selbst wenn das ganze Stunden-Buch mit Lou zu tun hat...


Insgesamt scheint es mir doch um die Darstellung der Auseinandersetzung eines Mönchs - bzw in dem Teil, aus dem dieses Gedicht stammt: eines Pilgers - mit Gott zu gehen.
Und ich glaube nicht, daß das automatisch bedeutet, daß es Rilkes persönliche Sichtweise ist, sein eigenes Ringen um/mit Gott.
Natürlich fließt das ein...

Aber wir wollen doch nicht vergessen: das ganze Stunden-Buch ist ein Kunstwerk, und kein Tagebuch oder persönliches Bekenntnis!



Wenn Du, helle, meinst, Du wärst lieber Menschenfeind, wenn solcher "Heroismus" Liebe sein sollte:
Es gibt sehr viele Menschen, die sich aus ganz ähnlichen Gründen von der katholischen Kirche abwenden, weil sie mit bedingungsloser und blinder Unterwerfung so ihre Schwierigkeiten haben... und auch Rilke hatte ja offenbar so seine Schwierigkeiten mit der Kirche...

Dennoch würde ich dieses Gedicht nicht in erster Linie so sehen, daß der angesprochene Geliebte (also in diesem Falle Gott) tatsächlich in der geschilderten Weise mit dem lyrischen Ich umgeht oder auch nur umgehen will.
Sondern das lyrische Ich (also der Pilger) hat ein großes Bedürfnis, Gott davon zu überzeugen, wie sehr er ihn liebt, und wie viel diese Liebe aushalten könnte.
Genau das ist es auch, was das Gedicht als Liebesgedicht so geeignet macht, denn ähnliche Bedürfnisse haben viele Menschen, wenn sie sehr verliebt sind, oder?

Und - auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: so stellt sich halt Rilke vor, daß der von ihm geschaffene Pilger Gott liebt...


Liebe Grüße!

stilz

helle
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Beitrag von helle » 8. Jun 2006, 14:39

Das meiste von dem, was Du sagst, stimmt sicher, z.B. daß man solche thematischen und motivischen Kontexte wie im Stundenbuch berücksichtigen soll. Ohne daß ich komplett die Meinung aufgeben will, ein Gedicht müsse vor allem aus und für sich selbst sprechen. Auch im Forum wird's ja meistens als einzelner Text angeführt.

Es ist auch sicher richtig, daß das ganze perspektivisch antritt, also weniger als persönliches Bekenntnis Rilkes, an wen auch immer, und mehr als Versuch, Gottesliebe und Demut eines Mönches darzustellen (gegen den Hiob geradezu ein Tagedieb wäre). Aber auch wenn man das Gedicht gar nicht als Beziehung zwischen zwei Menschen auslegt, nur ins Religiöse, scheint es mir irgendwie streberisch und eifernd, ich glaube ihm einfach nicht. Und, so unter uns, ein bißchen vom frommen Glanz rieselt ja wohl auch auf den Verfasser nieder.

Trotzdem hat mir Dein Einwand zu denken gegeben.
Gruß helle

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lilaloufan
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Beitrag von lilaloufan » 8. Jun 2006, 15:29

Auch ich würde zustimmen, wenn es ein Gedicht „an“ oder „für“ Lou wäre. Ja, dann würde ich es nicht einmal für ein Liebesgedicht, sondern nur für ein schwärmerisches Rausch-Produkt halten.

Aber die Widmung ist anders; Rilke formuliert sehr bedacht: „Gelegt in die Hände von Lou“. So ist das Stundenbuch also auch keine Sammlung von sakralen Cantica – dem könnte ja eher eine moderne Version der früher üblichen Weihdedikation „omnia ad majorem Dëï gloriam“ entsprechen.

Was legen wir einem Menschen „in die Hände“? Gar einem Menschen, mit dem wir in einem so lebendigen Gedankenaustausch stehen, dass dies einer wechselseitig inspirierenden Liebe gleichkommt?

Es ist dies nicht die bloße Gebärde: Ich vertraue es deiner Hut an – oder deinem Belieben. Vielmehr heißt es: Nimm es auf als Material, und lasse deine Seele das tun, was immer Hände tun: das Ergriffene verwandeln.

Was heißt das für dieses Gedicht „Lösch mir die Augen aus“: Ich habe den Eindruck, Rilke breitet hier eine Einsicht in das Wesen der menschlichen Seele aus, die zur Einweihung in das Okkulte („Gott“) berufen ist.

Solche seelische Höherentwicklung nimmt einen Schulungsweg durch Proben. Wir kennen das mindestens von der «Zauberflöte».

So heißt – für mich – dieses: „Lösch mir die Augen aus“ eben nicht: „Selbst wenn du so willkürlich wärest mich zu blenden“, sondern: „Gerade wenn ich mich in meditativen Momenten von der sichtbaren, sinnlichen, der Gegenstands- und Werkwelt, von den Dingen löse, werde ich von diesen Dingen her zu einem das bloß vorstellende Tagesbewusstsein übertreffenden, höheren, einem Schauen kommen, des ’Gottes’ imaginativ angesichtig, in einem gesteigerten Sinne ’sehend’ werden – und nur dann!

Und entsprechend für die nächste Zeile: „Wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören“ bedeutet mir dann nicht: „Sollte der Hörverlust in meinem Schicksal liegen, bliebe mir als Trost noch, die Englein das alleluja singen zu hören“, sondern: „Gerade wenn ich das äußere Getriebe um mich her in meditativen Momenten zum Schweigen zu bringen versuche, kann ich aufsteigen von der bloß tönenden Welt zu einer im verwandelten Gefühl inspirativ sprechenden Welt: nennen wir sie ’Gott’ („Gesang, wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr, | nicht Werbung um ein endlich noch Erreichtes…“) – und auch hier: nur dann!

Die dritte Zeile dann: „Und ohne Füße kann ich zu dir gehen“ leitet dann ein zu einer weiteren Stufe auf solchem Entwicklungsweg der Seele: Nicht etwa: „Noch als sinnlos lahmgeschlagenen Krüppel wird mich die Glaubensstärke zum Himmelreich bewegen“ scheint mir gemeint, sondern ganz folgerichtig nun der dritte Schritt: Wenn Imagination und Inspiration als Verwandlungen natürlicher Seelenfähigkeiten errungen sind, wartet eine noch schwerere Übung: denn noch dienen die Gliedmaßen dem bloßen Eigenwillen, den Strebungen, die aus Bedürfnislagen, Begehrlichkeiten wie Ängsten, erwachsen. „Und ohne Füße kann ich zu dir gehen“ heißt dann: „Erst wenn ich mich in meditativen Momenten so von den Unfreiheiten des Leiblichen löse, dass mein Wille sich ergebungsvoll dem Willen der ’Götter’ zur Verfügung stellt, dann habe ich mich im Sinne der Evolutionsziele vom bloß im Willen getriebenen Geschöpf zur in Freiheit intuitiv handlungsfähigen Individualität entwickelt und stehe als solche - selbst ’Gott’ - einem Gotte gegenüber. Auch hier gilt: nur dann!

Alle diese Zeilen verstehe ich nicht, als suchten sie höchst bedauerliche Tiefschläge menschlicher Gesundheitsbiographie zu bagatellisieren, noch dazu im Gespräch mit ’Gott’. Sondern ich bin sicher, Rilke legt Lou als intimster Repräsentantin seiner Leserschaft einen Weg zu aktiv erstrebenswerter okkulter Offenbarung „in die Hände“:

Ohne Mund noch kann ich dich beschwören“: Wie könnte Rilke eine unbemundete Fantasy-Fratze ersinnen? Nein, gerade er weiß, wie der Mund nicht dazu bestimmt ist, dem Geschwätz bloßen Informationsaustauschs Werkzeug zu sein, denn er sucht nach dem „reinen“, aktiv bereinigten Wort, dessen Hervorbringungsort sich im künstlerischen Prozess freimacht von den Leidenschaften, mit denen er in der Nähe zum biologischen Fressorgan infiziert wird.

Brich mir die Arme ab; ich fasse dich | mit meinem Herzen wie mit einer Hand“ – Wollte Rilke hier sich mit andächtigen Worten über visionäre Befürchtungen vom Altern im Invalidenheim trösten, wäre es Kitsch erster Güte. Heißt das nicht: "Erst wenn ich meine Gebärden reinige von den Egoïsmen des Nützlichkeits- und Vorteilsstrebens, komme ich dazu, das Wesentliche zu erfassen, nämlich 'mit dem Herzen'"?

Und hat dessen Pulsschlag, der alle Erlebnisse meines inneren Menschen abtastende Blutumlauf, nicht die Chance, seine Rhythmen und seine Wärme bis ins Denken hinein wirksam werden zu lassen, damit dieses nicht kalt und intellektualisiert bleibt?: „Halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen.“ hieße wiederum nicht: „Wenn ein gewalttätiger Allmächtiger den Infarkt über mich verhängen sollte, wird mein Gehirn noch in der Intensivstation den Moiren trotzen.“, sondern: „Gerade dann, wenn ich beginne, ’mit dem Herzen zu denken’ (--> „Werk des Gesichts ist getan | tue nun Herzwerk“ [o Gehirn!]…) werde ich sozial wirksam aus der Mitte meines Menschseins heraus statt aus der bloßen im Leib gehaltenen Egoïtät.

Und dazu muss ich erglühen, aber diese Art von Fieber ist nicht Symptom behandlungsbedürftiger Enzephalitis, sondern eine notwendige Bedingung der Grenzüberschreitung vom Terrain der „Liebe, die immer für uns getan worden ist“ hin zu dem Felde, wo wir beginnen können, „uns ein wenig zu entwickeln, und unseren Anteil Arbeit in der Liebe langsam auf uns nehmen nach und nach.“ (Malte): „Und wirfst du in mein Hirn den Brand, | so werd’ ich dich auf meinem Blute tragen“.

Ich erwarte viel philologischen Protest, aber mit solchem kann ich nichts anfangen, stehe doch in der Gunst der Laienschaft… Ich bin aber ganz gespannt auf allen Widerspruch, den ihr als Rilke-LeserInnen vielleicht empfindet. Jedenfalls frage ich mit ganz weiter Geste, was fangt ihr mit meinem hier kurzgefassten Versuch an? Kann er das hier doch recht geschmähte Gedicht vor euch rehabilitieren?
Zuletzt geändert von lilaloufan am 12. Jun 2006, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

gliwi
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Beitrag von gliwi » 8. Jun 2006, 20:35

Leider, liebe/r lilaloufan, kann ich mit Widerspruch nicht dienen - du hast mich völlig überzeugt. Ich glaube, diese Emphase schreckt die oberflächliche Leserin dieses Gedichts, die ich bis jetzt war, ab, aber du hast dir die Mühe gemacht, zu einer tieferen Schicht der Bedeutung vorzustoßen, die sich der oberflächlichen Leserin verschließt. Dazu kommt, dass du viel Erfahrung mit Meditation hast, was ich von mir nicht behaupten kann. Na, da hätten wir ja eine Interpretation für unsere Sara 127 - falls die nicht enttäuscht geflüchtet ist. Eine bessere wird sie aber schwerlich finden...
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

stilz
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Beitrag von stilz » 8. Jun 2006, 21:44

Zuerst einmal:
Es lag überhaupt nicht in meiner Absicht, dieses Gedicht zu "schmähen"! Ich persönlich finde es wunderbar.

Und das, was Du dazu schreibst, lieber lilaloufan, ist ebenfalls wunderschön und sehr überzeugend, jedenfalls, wenn es für sich allein steht, und vielleicht auch als eine Ahnung davon, was Religiosität bedeuten könnte...

Dennoch ein kleiner Widerspruch (wenn auch nicht "philologisch", das stünde mir nicht zu):

Ich muß auch helle recht geben, es gibt in diesem Stunden-Buch (ich hab grad nochmal die ganze "Pilgerschaft" gelesen) auch etwas "Streberisches", eifernd ist vielleicht zuviel gesagt.

Dieser Pilger sucht Gott. Das glaub ich ihm.
Gleichzeitig ist es ihm aber auch wichtig, ihn "besser" zu suchen, und wohl auch "besser" zu lieben, als alle anderen es tun...
Und dieses ein bisserl "Streberische" macht mich mißtrauisch, und ich stelle mir vor, daß es als Hindernis zwischen den Pilger und den Gott, den er sucht, treten wird...

Die Stelle

Brich mir die Arme ab; ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand


lese ich natürlich sehr, sehr gern so wie lilaloufan, einfach weil das wunderschön ist und dem Ideal eines hoffnungslos idealistischen (contradictio in adiectu...) Menschen wie mir sehr nahe kommt.

Dennoch: ich kann darin auch etwas "Klammerndes" sehen, das Gott fassen und halten will, ihn für sich (allein) haben...

Und genau in diesem "Klammern" finde ich eben eine Parallele zu dem, was in vielen menschlichen Beziehungen für "Liebe" gehalten wird.


Ich kann nicht sagen, ob Rilke diesen Pilger bewußt so "streberisch" (ich finde grad kein besseres Wort) darstellt, und sich damit gleichzeitig auch irgendwie davon distanziert --- oder ob es sein eigenes "Strebertum" ist, das in dieses Gedicht eingeflossen ist.
Für mich ist es jedenfalls drin, neben sehr vielen anderen und wunderbaren Dingen.


Nochmal: ich möchte das nicht irgendwie "verurteilen", sondern nur feststellen, und es liegt mir sehr fern, das Stunden-Buch oder irgendeinen Teil davon schmächlich zu behandeln!


Ich freu mich sehr über diese Diskussion.

Liebe Grüße

stilz

helle
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Beitrag von helle » 10. Jun 2006, 13:25

Bevor nun alles in Harmonie aufgeht – es gibt ein Wort von Schleiermacher, den Autor (und seinen Text) besser verstehen als er (sich) selbst, so etwas scheint mir hier vorzuliegen. Das ist sicher eine sehr anregende und tiefschürfende Auslegung, bleibt aber eine Auslegung mit bestimmten Voraussetzungen ("dann" und "nur dann" und "hieße", also durchaus im Konjunktiv) und zwar nach allen Regeln der philologischen Kunst. Sich danach aber zurückzulehnen und zu sagen, freue mich zwar über Widerspruch, aber philologischer Protest ist zwecklos, damit kann ich nichts anfangen, denn ich stehe in der "Gunst der Laienschaft ...", finde ich nicht ohne Chuzpe und Behaglichkeit.

Vielleicht darf ich trotz vorauseilender Zwecklosigkeit eine "philologische" Bemerkung machen, nämlich daß man bei dieser Auslegung statt vom "Okkulten" auch vom "Mystischen" ausgehen könnte, das der Wortherkunft nach vom griechischen myein, dem Schließen (von Augen und Lippen) kommt. Aber das en passant, ich will nicht so tief in die Auslegung, dazu fehlt mir bei dem schönen Wetter offen gestanden die Muße. Nur ein grundsätzlicher Einwand, der die ästhetische Qualität des Gedichts betrifft, die dem Inhalt und vielleicht Gemeinten ja nicht äußerlich sein sollte. Die Sprache des einzelnen, auch die Sprache Rilkes, steht ja in einem Verhältnis zur Sprache aller, der öffentlichen und verhandelbaren, also auch "der sichtbaren, sinnlichen, der Gegenstands- und Werkwelt" Sprache. Die man als Poet vielleicht weniger spricht als daß man ihr ent-spricht, jedenfalls hat man an ihr Teil, und setzt sich damit auseinander, auch wenn man sich ihr widersetzt. Aber Rilkes Formulierungen "wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören" (womit zuwerfen?), "Brich mir die Arme ab" (wie einer Marionette oder Puppe?), "halt mir das Herz zu" (was den Mund zuhalten assoziiert) oder das groteske "mein Hirn wird schlagen", I can't help, rettet für meinen Geschmack auch das verständnisvollste Wohlwollen nicht, sie kommen mir unsauber, unehrlich vor und machen mich mißtrauisch gegenüber dem, was sich als Gehalt jenseits des konkreten Ausdrucks und der Sprachgestalt vorstellen läßt. Da allerdings haben Deine Auslegungen auch mir die Augen – geöffnet.

Gruß helle

stilz
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Beitrag von stilz » 12. Jun 2006, 12:03

@ helle:

Ich finde auch, daß diese drastischen Bilder etwas leicht Absurdes haben... aber immer noch gehe ich davon aus, daß das Ganze ein Kunstwerk ist, und daß dieses Gedicht ein Teil dieses Kunstwerks ist...

Und genau deshalb gibt es in mir den "Verdacht", RMR hat hier nicht ein eigenes persönliches Bekenntnis abgelegt, sondern absichtlich diesen Pilger genau so dargestellt, in seinem unaufhaltsamen Eifer bei der Suche nach Gott, bis hin zum leicht Fanatischen - diese Schwelle zum Fanatismus wird schließlich in den allermeisten Religionen irgendwann von irgendwem überschritten, wie die Geschichte lehrt...

Diese Gedanken kommen mir beim Lesen, ohne daß ich irgendwelche Sekundärliteratur kenne, und sie kamen mir sogar, ohne zu wissen, daß das Stunden-Buch irgendeinen Bezug zu Lou Andreas-Salomé hat.


Aber ich werde jetzt langsam neugierig auf die Hintergründe... und wenn meine vielen Konzerte vorüber sind, und wenn dann vielleicht das Wetter auch wieder schlechter wird, dann werde ich möglicherweise tatsächlich mal eine Bibliothek aufsuchen und versuchen, Zusätzliches herauszufinden (oder vielleicht mag ein "Philologe" hier im Forum mich aufklären...) -


Einstweilen liebe Grüße von

stilz

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Beitrag von stilz » 12. Jun 2006, 12:08

P.S.:

Ich habe das Stunden-Buch immer nur hier und online gelesen, da kriegen die einzelnen Teile einen Zusammenhang, als ob es keine eigenständigen Gedichte, sondern eher so etwas wie "Strophen" wären... ist das in der gedruckten Ausgabe anders? Würde mich sehr interessieren...

Danke!

stilz

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lilaloufan
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Lösch mir die Augen aus...

Beitrag von lilaloufan » 12. Jun 2006, 13:08

Fichte war’s, in der fünften Vorlesung („über den Einfluss der Künste und Wissenschaften auf das Wohl der Menschheit“) in „Über die Bestimmung des Gelehrten“ (1794): «wir werden (…) besser verstehen, als er selbst sich verstand, und wir werden ihn in vollkommener Übereinstimmung mit sich selbst und mit uns antreffen.»

Sei gegrüßt @helle! Ein Freund, der unsere Beiträge hier las, hat ganz ähnlich wie du empfunden und mailte mir: «… fand ich es schade, dass du im letzten Absatz zunächst den Rückzieher vor den Fachleuten machst – auch wenn nachher doch deutlich zu lesen ist, dass du ein Interesse an allen Reaktionen hast.»

Ganz offenkundig ist es mir nicht geglückt auszudrücken, dass ich durchaus nicht einen Antrag auf Immunität stelle. Mein scham- wie schalkhaftes Wort vom Laientum heißt ja nicht: Verschont mich mit philologischen Weisheiten, sondern: Messt meinen Versuch bitte mit seinem eigenen Maß – dem des Lesers, der seinen Scheffel nicht schon mit dem [durchaus kostbaren!] Gold des wissenschaftlichen Expertentums gefüllt hat, bevor er in das reife und keimkräftige Korn der Rilkeschen Sprachkunst taucht.

Auf seinem Felde gilt mir der Philologe durchaus als Anreger, wo nicht gar als Autorität, und ich werde ihm nicht unqualifiziert hineinquasseln wollen, möchte aber als Dialogpartner auch dann willkommen sein, wenn ich mit dem Apparat, den er handhabt, „nichts anfangen“ kann.

Das weiß ich ja gerade als einen Vorzug dieses Forums zu schätzen, dass es so voraussetzungslos aufgesucht werden kann.
helle hat geschrieben: … sie kommen mir unsauber, unehrlich vor und machen mich mißtrauisch gegenüber dem, was sich als Gehalt jenseits des konkreten Ausdrucks und der Sprachgestalt vorstellen läßt.
stilz hat geschrieben: Und dieses ein bisserl "Streberische" macht mich mißtrauisch, und ich stelle mir vor, daß es als Hindernis zwischen den Pilger und den Gott, den er sucht, treten wird...
Ihr habt beide das Wort „misstrauisch“ gebraucht, und ich möchte gerne auf das jeweils hier unterstrichene Wort etwas einwenden, @helle, um für Rilkes Wahrhaftigsein einzutreten – gerade weil die Bilder so absonderlich (du @stilz schreibt vorhin: „absurd“) sind, und @stilz, um Rilke vom Streberschimpf zu entlasten – gerade weil er in gewissem Sinne strebt.

Über Rilke wird tatsächlich in einigen Internet-Beiträgen behauptet, er lehne sich an die Tradition der mittelalterlichen Mystiker (genannt werden Angelus Silesius und Meister Eckehart) an. Nun ist mystisches Erleben dort durchaus nicht ein Augenschließen im Sinne eines Sich-Abkapselns, sondern eine «unio», eine Vereinigung, ein Eins-Werden, das allerdings auf dem Wege zum Logos bzw. zu ’Gott’ Ausgang nimmt bei der Welt, ohne diese zu verneinen: „…Was uns im Brote speist,| ist Gottes ew’ges Wort,| ist Leben und ist Geist.“ (A. S.)

Rilke versucht „Verwesentlichung“, indem er das „Eins und Alles“ der Dinge in der Leere des bloßen Ichselbst auflöst und sprachlich neu erstehen lässt. Er ist da in guter Tradition und Einvernehmen mit Goethe:
  • Im Grenzenlosen sich zu finden,
    Wird gern der einzelne verschwinden,
    (…)
    Weltseele, komm, uns zu durchdringen!
    Dann mit dem Weltgeist selbst zu ringen,
    Wird unsrer Kräfte Hochberuf.
heißt es dort. Während aber Goethe noch mit einer Überfülle von Bildmotiven unbefangen spielen kann, erlebt Rilke die Krise des Verstummens angesichts der großen Aufgabe der Dichtung, nichts anderes als „dazusein“ im Dienst der „Wahrheit“ (GW II, p. 242) und des „gültigen Bilds“ (ibid., p. 243).

«Es handelt sich ja wirklich oft um das Schwierigste, in einem „Grenzstreif“ des eben noch Sagbaren Belegene, manchmal ringe ich selbst um den Sinn, der sich meiner bedient hat, um sich menschlich durchzusetzen, und das Licht einzelner Stellen besitze auch ich nur in einzelnen begnadeten Augenblicken.», schreibt Rilke in einem Brief an Gräfin Sizzo (09.V.1926).

Dort, wo er anfänglich die Sicherheit des Wissenden spürt, versagt sich die Sprache dem Unsäglichen, und dort, wo er – „Atmung durch die Feder“ – das dichterische Wort gleichsam inhaliert, erschrickt er vor der Vermessenheit, als aller Bedeutungen Ahnungsloser das Grenzenlose zu fassen, wie es unser Brustraum mit der alles durchdringenden und umspülenden Atmosphäre tut, denn das Vermessene ist hier zugleich das Beschränkte.
  • Wie, für die Jungfrau, dem, der vor ihr kniet, die Namen
    zustürzen unerhört: Stern, Quelle, Rose, Haus,
    und wie er immer weiß, je mehr der Namen kamen,
    es reicht kein Name je für ihr Bedeuten aus…
Der Gehalt ist eben nicht jenseits des konkreten Ausdrucks und der Sprachgestalt vorzustellen, sondern das „offenbare Geheimnis“ liegt in dem ungegenwärtigen Bild selbst. Im Hinblick auf Paul Valéry urteilt Rilke, dessen Sprache sei

«gerade dort am klarsten, wo sie das Geheime
aufweist, das offene Geheimnis, das geheim ist seiner Natur nach und also
weder imstande, sich zu verbergen, noch sich selbst zu erläutern.
»

Und an anderer Stelle: «Im Übrigen gehört es zu
den ursprünglichen Neigungen meiner Anlage, das Geheimnis als solches
aufzunehmen, nicht als ein zu Entlarvendes, sondern als das Geheimnis,
das so bis in sein Innerstes, und überall, geheim ist…
»

Als äußerlich vorgestellte Gebilde haben die Bilder unseres Gedichts Reibung, sie „stimmen“ nicht. Ihren Inhalt verstehen wir allenfalls, wenn wir sie ansehen als keinen anderen Inhalt enthaltend denn sich-selbst, um dieses bloße Sich-Selbst einer inneren Erfahrung zur Verfügung zu stellen, durch welche sie wiederum verwandelt werden: Der Dichter kann diese Bilder nicht vollenden; sie vollenden sich beim Leser – er darf nur nicht in einem „Jenseits“ suchen, sonst er löst er nicht das offenbare Geheimnis in ihnen.

Wie die Rosenblüten in der „Rosenschale“ (Capri, 1907):
  • (…)
    und jene da, die nichts enthält als sich.

    Und sind nicht alle so, nur sich enthaltend,
    wenn Sich-enthalten heißt: die Welt da draußen
    und Wind und Regen und Geduld des Frühlings
    und Schuld und Unruh und vermummtes Schicksal
    und Dunkelheit der abendlichen Erde
    bis auf der Wolken Wandel, Flucht und Anflug,
    bis auf den vagen Einfluss ferner Sterne
    in eine Handvoll Innres zu verwandeln.
Eben dieses Rilkesche Bemühen, die dinglichen (!) Welterscheinungen als solche – statt sie auszudeuten oder sie künstlich mit Gehalt zu begaben - so zu betrachten, dass sie Sich enthalten und nichts als sich, ist zwar ohne Zweifel, @stilz, ein Be-Streben ohne Beispiel oder Vorbild. Aber ich stelle mir durchaus nicht wie du vor, dass dies in einer unerbittlichen nachtodlichen Seelenwägung als unehrlich oder überheblich zurückgewiesen wird.

Denn es entspricht diese Tätigkeit:
  • Ich aber will dich begreifen, wie dich die Erde begreift
  • - also: ’Gott’ begreifen, wie die Rose einfach durch ihre Authentizität, durch ihre vollständige und ein-verstandene Übereinstimmung mit ihrem eigenen Wesen, „die Welt da draußen“ inklusive aller kosmischen Wirkenskräfte in Dasein verwandelt -
dem „weitaus schwereren Tagwerk“, von dem Goethe im „Versuch als Vermittler“ sagt, dieses «übernehmen diejenigen, deren lebhafter Trieb nach Kenntnis die Gegenstände der Natur an sich selbst und in ihren Verhältnissen untereinander zu beobachten strebt: denn sie vermissen bald den Maßstab, der ihnen zu Hilfe kam, wenn sie als Menschen die Dinge in Bezug auf sich betrachten. Es fehlt ihnen der Maßstab des Gefallens und Missfallens, des Anziehens und Abstoßens, des Nutzens und Schadens. Diesem sollen sie ganz entsagen, sie sollen als gleichgültige und gleichsam göttliche Wesen suchen und untersuchen, was ist, und nicht, was behagt.»

Sollte das wirklich vor ’Gott’ als eine Unbescheidenheit gelten?

Liebe stilz, ich habe eine schöne, recht alte Ausgabe des Stundenbuchs (1935), da sind jeweils die Erstzeilenversalia der einzelnen Gedichte als eingebaute zweizeilige Initialen gesetzt und nur der erste Buchstabe der ganzen Sammlung: „Da neigt sich die Stunde und rührt mich an…“ als ornamentierte fast freistehend angehängte vierzeilige und farbige Versalie. Soviel zu deiner Frage.

Und bitte hoffe nicht wirklich auf schlechter werdendes Wetter; uns hat’s gereicht. Aber: wann konzertierst du mal in unserer Nähe?

Liebe Grüße rundumher!
Zuletzt geändert von lilaloufan am 13. Jun 2006, 20:34, insgesamt 1-mal geändert.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

stilz
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Beitrag von stilz » 13. Jun 2006, 11:29

Nun ja.

Also: zunächst bin ich ein bisserl erstaunt, daß mein "Hauptanliegen", nämlich RMR vom "Ich" des Stunden-Buches zu trennen, so wenig wahrgenommen wird... aber das hab ich, glaub ich, schon deutlich genug gemacht, möchte mich nicht wiederholen.

Soviel jedenfalls zu Deinem, lieber lilaloufan, (in Bezug auf das Stunden-Buch in meinen Augen unnötigen) Bemühen, Rilke vom Streberschimpf zu entlasten: wenn, dann ist hier nicht Rilke der "Streber", sondern der von ihm dargestellte Pilger...


Zu Deiner Frage, ob solches Streben wirklich vor ’Gott’ als eine Unbescheidenheit gelten würde:

Nicht das Streben an sich, das ist in Ordnung. Aber das ein bisserl eitle "Sich-Darin-Gafallen"...

Und auch dieses nicht vor Gott, so wie ich ihn verstehe, denn der ist allbarmherzig und allverzeihend.
Aber vor einem selber, in ehrlichen Momenten.

Und ich meine: wenn man sich selber einredet, man wäre (vielleicht auch noch als einziger) schon "angekommen" oder dem Ziel zumindest schon sehr nahe, dann hört man auf, weiterzureisen bzw jeden Tag wieder ganz von vorne anzufangen.
Darin liegt in meinen Augen eine Gefahr, und diese habe ich gemeint, als ich vom "Hindernis auf dem Weg zu Gott" sprach.



Ohne Rilke mit Gott gleichsetzen zu wollen - ich finde es irgendwie witzig, daß beim Annähern an seine Gedichte ein ähnliches Phänomen aufzutreten scheint:
Nämlich dann, wenn wir RMR besser zu verstehen meinen, als er selbst sich verstand, und wenn wir ihn in vollkommener Übereinstimmung mit sich selbst und mit uns anzutreffen meinen...

Ich weiß nicht, worauf sich Fichte im genannten Zitat bezieht... und ich weiß erst recht nicht, ob er "recht hat".

Mir scheint jedenfalls jeder dahingehende Versuch dem zu widersprechen, was Rilke selbst offenbar sagt (danke für dieses mir bis dahin unbekannte Zitat!):

«Im Übrigen gehört es zu den ursprünglichen Neigungen meiner Anlage, das Geheimnis als solches aufzunehmen, nicht als ein zu Entlarvendes, sondern als das Geheimnis, das so bis in sein Innerstes, und überall, geheim ist…»

Ich möchte Rilkes Worten dieses Geheimnis gern belassen... deshalb widerstrebt es mir auch so, es mittels allzu genauer (dann und nur dann) Interpretationen (wie "schön" auch immer diese sein mögen!) zu "entlarven".


Lieben Gruß!

stilz


P.S.: Es war viel von Mißtrauen die Rede --- vielleicht bin ich einfach ein besonders mißtrauischer Mensch? Jedenfalls muß ich gestehen, daß sich schon wieder ein leises solches in mir regt, wenn ich Deine, lilaloufan, gar ausgeklügelt formulierten Betrachtungen lese... :wink:

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Beitrag von lilaloufan » 13. Jun 2006, 12:36

stilz hat geschrieben:P.S.: Es war viel von Mißtrauen die Rede --- vielleicht bin ich einfach ein besonders mißtrauischer Mensch? Jedenfalls muß ich gestehen, daß sich schon wieder ein leises solches in mir regt, wenn ich Deine, lilaloufan, gar ausgeklügelt formulierten Betrachtungen lese...
:o Oups; welcher unlauteren Interessen verdächtigst du mich denn :?: :)
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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Beitrag von lilaloufan » 13. Jun 2006, 13:00

stilz hat geschrieben:…Ich weiß nicht, worauf sich Fichte im genannten Zitat bezieht... und ich weiß erst recht nicht, ob er "recht hat".
Mir scheint jedenfalls jeder dahingehende Versuch dem zu widersprechen, was Rilke selbst offenbar sagt…
Vielleicht ist nicht deutlich geworden: Ich zu allerletzt möchte solchen Versuch unternehmen oder befördern. Das Fichte-Zitat leitet meinen Beitrag ein, da ich vermute, du @helle hast wohl
helle hat geschrieben:…es gibt ein Wort von Schleiermacher, den Autor (und seinen Text) besser verstehen als er (sich) selbst, so etwas scheint mir hier vorzuliegen.
Fichte gemeint.
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Beitrag von lilaloufan » 15. Jun 2006, 08:52

Du @helle hast schon Recht mit Schleiermacher: "Die Aufgabe ist [...] so auszudrücken, die Rede zuerst ebensogut und dann besser zu verstehen als ihr Urheber." (Hermeneutik und Kritik, p. 94)
Aber das ist hier ein Nebengleis.
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