Rilke: Liebes-Lied

Von den frühen Prager Gedichten über Cornet, Neue Gedichte, Sonette und Elegien bis zum lyrischen Grabspruch

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jul13
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Rilke: Liebes-Lied

Beitrag von jul13 » 19. Sep 2006, 16:06

Hi Leutz, ich bräuchte mal eure Hilfe zu dem Gedicht "Liebes-Lied" von Rainer Maria Rilke. Ich muss es interpretieren. Wäre echt nett wenn ihr mir helfen könntet. Hier nochmal das Gedicht für die die es nicht kennen:



Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt,wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

[/b]

e.u.
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Beitrag von e.u. » 19. Sep 2006, 16:30

Hi Leut',
es ist schon arg nervig, immer so prollmäßig angehauen zu werden. Da ist schon erkennbar, dass sich jemand eine Menge Arbeit und Gedanken sparen will, um cool abzusahnen. Tja, ein Gedicht abzuschreiben ist natürlich eine Goodwill-Leistung. Aber dann nicht mal konkrete Fragen zu haben, lieber eine 'Interpretation' zu bestellen, ist echt daneben.
gliwi ist ja immer so freundlich, dann doch was zu schicken, mit dem dann andere bei ihrern Lehrern glänzen...(natürlich ohne dort die Quelle der Weisheit anzugeben), das wäre schon krass.
Ach ja, dann schau' ich nach den ersten beiden Zeiten lieber gar nicht mehr hin. Wer sich bei Rilke-Texten nur für die Noten interessiert, die er für seine Fakes in der Schule einstreicht, ist hier - für meine Begriffe - irgendwie daneben. Ein bißchen mehr dürfte's schon sein....
e.u.
Und nachzusehen, ob es hier im Forum schon etwas zu dem Text, oder es gar gedruckte (Horror!!!), nicht ausgedruckte Informationen (es gibt auch Bibliographien) gibt, ist wohl auch ein wenig viel verlangt.

jul13
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Beitrag von jul13 » 19. Sep 2006, 16:39

Was soll denn das??????????
Ich hab mir sehr wohl schon meine eigenen Gedanken dazu gemacht.
Nur leider bin ich bei solchen Sachen immer sehr vorsichtig!
Außerdem habe ich nach HILFE gefragt.
Wenn du mir nicht helfen willst bzw. kannst ,dann is es ja dein gutes Recht!

stilz
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Beitrag von stilz » 19. Sep 2006, 17:21

No, dann wär es vielleicht keine ganz dumme Idee, etwas von den Gedanken, die Du Dir dazu gemacht hast, hierher zu schreiben.
Oder - wie auch schon von e.u. vorgeschlagen - mal mit der Suchfunktion zu schauen, ob es nicht in älteren Beiträgen hier im Forum schon etwas gibt!

Die meisten hier tauschen gern ihre Gedanken zu den verschiedenen Gedichten aus... und die wenigsten schreiben gern fremde Hausaufgaben!

Nix für ungut...
stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

jul13
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Beitrag von jul13 » 19. Sep 2006, 19:55

So,ich probier s einfach mal.
Wenn es nicht stimmt,so hab ich es wenigstens probiert!

Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?

E.R. ist verliebt.
E.R. ist süchtig nach ihr.Nach ihrer Liebe.
E.R. fragt sich nun: Wie soll ich meine Seele wegnehmen?
Wie soll ich an was anderes denken?
Wie soll ich dich wieder aus meinem Kopf bekommen?
Weil du so einmalig bist und mich so süchtig nach dir machst.


Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt,wenn deine Tiefen schwingen.

Ich hab es so verstanden,dass er seine Seele verstecken bzw. loshaben will.Damit er nicht immer an sie denken muss.Das er frei von der Liebe wird.
Weil,wie schon geschrieben:Sie macht ihn wahnsinnig vor Liebe!


Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.

Alles was uns verbindet macht uns zu EINEM.
Wir werden in den Momenten zu Seelenverwandten.

Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Mit dem letzten Abschnitt hab ich Probleme!

Instrument würde ich irgendwie als das Leben deuten.
Spieler als Schicksal.
Also,auf welches Leben sind wir gespannt.
Welches Schicksal erwartet uns???
Warum fühlen wir so???
O süßes Lied.

Mit: wenn deine Tiefen schwingen.Hab ich auch noch nicht so richtig rausbekommen.

Ich warte auf Kritik!!!

gliwi
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Beitrag von gliwi » 19. Sep 2006, 20:30

Lieber e.u., so nett bin ich gar nicht. Über den EILAUFTRAG zur Spanischen Tänzerin habe ich mich schon mächtig geärgert, und erst recht über das "hey ihr" von hier mit der Rateaufgabe, das anscheinend Thilo gelöscht hat, ich finde es jedenfalls nicht mehr. :twisted:
Zum Liebeslied steht etwas schon hier unten, auf dieser Seite, und wenn man das liest, wird man auf Seite 5 verwiesen, wo Marie noch ein paar ganz wesentliche Dinge zu diesem Gedicht sagt.
Off topic: Ich habe auch schon drüber nachgedacht, ob wir hier mal ein paar Benimm-Regeln aufstellen und in geeigneter Weise publizieren sollen. Den jungen Leuten sagt niemand, was sie falsch machen, und dann sind sie nur überrascht und verblüfft, wenn wir uns nicht gern anranzen lassen. Aber obs nützt?:roll:
gliwi
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stilz
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Beitrag von stilz » 20. Sep 2006, 09:21

Hallo jul13,

das finde ich gut, daß Du Dich jetzt doch getraut hast, zu schreiben, was Du Dir zu dem Gedicht gedacht hast.


Zuerst zu Deiner konkreten Frage zum letzten Abschnitt:
Das ist nicht so schwierig, wenn Du in der Metapher bleibst. Das "Lyrische Ich" vergleicht sich und das geliebte Wesen mit zwei Saiten, die in einer einzigen Stimme erklingen, wenn der Bogen darüber streicht. Bleiben die Fragen: was ist das für ein (Musik-)Instrument, auf das "wir" als Saiten aufgespannt (nicht: "gespannt" im Sinne von "neugierig"!) sind? Und: wer ist derjenige, der es spielt?
Das "Ich" in diesem Gedicht stellt sich diese Fragen, beantwortet sie aber nicht.
Gerade dadurch läßt Rilke Raum für alles, was Du Dir dazu denken magst...

Deine Gedanken zum ersten Teil des Gedichtes treffen es ganz gut.
Das "Ich" fühlt sich gefangen in seiner Liebe...
Auch wenn die Begründung "weil du so einmalig bist" vielleicht ein bisserl zuviel ist, bei Rilke ist die Begründung eher eben dieses gemeinsame Berührtsein von allem, sodaß es keine Dinge mehr zu geben scheint, in denen nicht auch die geliebte Seele "mitschwingt"... daher die Suche nach irgendwelchen "fremden, verlorenen" Dingen, die nichts mit dem geliebten Wesen zu tun haben, und wo das "Ich" wieder frei werden könnte...

Du fragst auch noch nach "wenn Deine Tiefen schwingen".
Für mich liegt der Schlüssel dazu im Wort "Seele" in der ersten Zeile...

Kannst Du damit was anfangen? - Trotzdem würde ich auch gliwis Rat befolgen und mal schauen, was sie und Marie schon früher geschrieben haben...

Lieben Gruß

stilz

P.S.: ad e.u. und gliwi: ich hoffe, ich bin Euch damit nicht in den Rücken gefallen... aber ich finde, jul13 hat gezeigt, daß er/sie schon bereit ist, sich auch selber Gedanken zu machen. Und Unerfahrenheit finde ich sowohl verständlich als auch verzeihlich...
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helle
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Beitrag von helle » 20. Sep 2006, 10:07

Ich kann mir vorstellen, daß viele dieser nervigen Anfragen (der "Eilauftrag" war besonders kraß, da dachte ich wie gliwi), über die google-Suche zustande kommen. Man schwenkt via Gedichttitel oder Textstelle aufs Rilke-Forum ein, von dem vorher nie gehört hat, es interessiert einen auch nicht so, aber man sieht, hier ist 'n bißchen was los, lädt gleich mal seine Bitte oder Anfrage ab und hofft auf gutes Wetter und prompte Erledigung der Bestellung. Ich fürchte nur, damit muß man leben, es ist ein Teil unserer Wegwerfkultur. Ebenso wie die Blitzbesucher damit leben müssen, daß der hier und dort aufgestaute Ärger wie in diesem Fall bei e.u. eben sie trifft. Manchmal werden durch die etwas gescheiteren Schüleranfragen natürlich auch ganz gute Diskussionen ausgelöst.

Wenn so ein Eilauftrag mit 1000 coolen Küssen, die einen nix kosten, zu doof und zu schamlos ist, kann ich als alter Hamburger nur sagen, gar nicht weiter ignorieren. Bei ernsthaften Anfragen würde sich eine Art Rilke-Forums-Regeln vielleicht lohnen. Vorschläge von mir wären, daß man 1) den Text des Gedichts mit angibt, 2) möglichst konkret Fragen dazu formuliert und 3) sich die Mühe macht, über die Suchfunktion nachzusehen, ob der betreffende Text hier schon besprochen wurde. Das kann man bestimmt noch erweitern und modifizieren, und ggf. an halbwegs prominenter Stelle hier unterbringen (hier würde mich interessieren, was Thilo dazu sagt). Als skeptischer Mensch hege ich zwar nicht so große Hoffnungen, aber man könnte zumindest relativ bequem auf eine solche interne Netiquette verweisen.

Grüße, helle

p.s.: zur aktuellen Anfrage. Ich würde bei der Interpretation berücksichtigen, daß es insgesamt eine große Vergleichsebene gibt, die zur Musik (und mich fragen, warum es so ist), und daß sich einzelne Bilder und Metaphern wie das "Instrument" dadurch begreifen lassen.

jul13
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Beitrag von jul13 » 20. Sep 2006, 17:10

Hey stilz!
Ganz großen DANK an DICH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

jul13
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Beitrag von jul13 » 5. Dez 2006, 16:18

JUHU!!!!!!!!!!!! Wir (ich) hab(en) ne 1 bekommen!!!!!

stilz
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Beitrag von stilz » 5. Dez 2006, 16:43

Ich gratuliere Dir herzlich!
Denn es ist, würde ich sagen, schon Deine gute Note: wenn Du nochmal den ganzen thread liest, wird ziemlich klar: wir haben vielleicht (aufgrund Deiner eigenen Gedanken!) ein paar Anregungen gegeben, ein kleines Mißverständnis aufgeklärt --- aber keine fertige Interpretation "geliefert"! Wenn Du das alles auf Deine Weise so zusammengefaßt hast, daß es schließlich eine Eins ergab, dann heißt das für mich: Du hast wohl selber etwas davon begriffen ...
Ich freu mich, daß Du uns das Ergebnis erzählst, und wünsche Dir noch viel Freude, nicht nur, aber auch mit Rilke!

Lieben Gruß

stilz
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steffi**
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Beitrag von steffi** » 21. Mai 2007, 13:41

Hallo, bin auf diese Seite gestoßen und habe bemerkt, dass es hier eine Menge Menschen gibt, die sich mit Rilke besser auskennen als ich :)
Auch ich muss eine Interpretation von Rilkes "Liebes-Lied" schreiben, und mir ist natürlich bewusst, dass ich kein Schülerhilfe oder Hausaufgabenbetreuung seid. Dennoch hab ich ein paar konkrete Fragen und hoffe dass sie mir jemand beantworten kann:

1. Warum zieht Rilke den Vergleich zur Musik? Ich meine, es ist ein sehr passendes Bild für den Inhalt des Gedichts, die Frage ist eher, ob er dieses Bild nur gewählt hat, weil es so schön passt, oder hat er da einen besonderen Bezug zu?

2. Ich habe in einem anderen Thread zu diesem Thema gelsen, dass dieses "Mitschwingen" sein Lebensdilemma darstellt. Was ist damit gemeint? Ich habe es so interpretiert, dass Rilke immer auf der Suche nach LIebe war (siehe seine vielen mehr oder weniger kurzen Beziehungen) aber doch nicht fähig war, sich wirklich zu binden (siehe seine Ehe zu Westhoff). War es bei Lou Salomé auch schon so? ich Meine, sie hatten eine recht lange Beziehung, über die Rilke niemals wirklich hinweg kam.

3. Der letzte Vers "O süßes Lied": Wahrheit oder Ironie? Ich weiß, das ist wohl ein Punkt über den man sich streiten kann aber ich würde mich über eine zweite Meinung sehr freuen. ( Ich denke es ist Ironie, da er seine Beziehung, bzw seine Gefühlswelt ja nun doch eher als Dilemma darstellt)

Naja das waren jetzt doch recht viele Fragen, aber ich würde mich freuen, wenn mir jemand beim ein oder anderen Punkt helfen kann.

P.S.: Ich brauchs auch nich ganz ganz dringend und ich verteile auch keine 1000 Küsse ;)

gliwi
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Beitrag von gliwi » 21. Mai 2007, 19:40

Hallo steffi,
Ich habe zwar immer noch keine Biografie gelesen (aber immerhin schon gekauft, helle!), trotzdem sage ich jetzt mal, ein besonderer Bezug zur Musik besteht nicht. Es gibt nicht viele Gedichte von ihm, die sich mit Musik beschäftigen. Er war ja mehr ein Mensch der bildenden Kunst, da gibt es viele Beschreibungen in Gedichtform, und der Plastik als Sekretär von Rodin und vorübergehender Ehemann der Clara Westhoff. Es gab auch jede Menge malende Freunde und Freundinnen, aber Musiker wüsste ich jetzt nicht.
zu 2: Nein, sein Dilemma war, dass er sich ganz und gar der Dichtkunst widmen wollte und dass ihm die Liebe immer wieder dazwischen gekommen ist, und beides zu leben hat er nicht geschafft.
zu 3: Ironie gibt es bei Rilke m. E. nicht (wahrscheinlich widerspricht mir da jemand), zumindest nicht in den Gedichten. In den Prosatexten schon eher mal.
Gruß
gliwi
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Beitrag von stilz » 21. Mai 2007, 21:49

Hallo,

in Punkt 3 stimme ich gliwi zu, o süßes Lied ist meines Erachtens sicher nicht ironisch gemeint.

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.


Also, wenn es nicht wirklich ein süßes Lied wäre, das da erklingen kann, dann gäbe es doch überhaupt kein "Dilemma" (dieser Ausdruck ist mir zwar ein bisserl zu "schnoddrig" für das, was ich hier verstehe, aber sei's drum), und Rilke hätte der Liebe in seinem Leben ganz leicht überhaupt ausweichen können.

Zu Punkt 2 also:

Ich denke da an Briefstellen wie
Aber, das Bewußtsein vorausgesetzt, daß auch zwischen den nächsten Menschen unendliche Fernen bestehen bleiben, kann ihnen ein wundervolles Nebeneinanderwohnen erwachsen, wenn es ihnen gelingt, die Weite zwischen sich zu lieben, die ihnen die Möglichkeit gibt, einander immer in ganzer Gestalt und vor einem großen Himmel zu sehen!
(an Emanuel Bodman)

und ich denke auch an die zweite Elegie:

........................................................Ich weiß,
ihr (gemeint sind die Liebenden, Anm von stilz) berührt euch so selig, weil die Liebkosung verhält,
weil die Stelle nicht schwindet, die ihr, Zärtliche,
zudeckt; weil ihr darunter das reine
Dauern verspürt. So versprecht ihr euch Ewigkeit fast
von der Umarmung.


aber unmittelbar darauf heißt es:

Und doch, wenn ihr der ersten
Blicke Schrecken besteht und die Sehnsucht am Fenster,
und den ersten gemeinsamen Gang, ein Mal durch den Garten:
Liebende, seid ihrs dann noch? Wenn ihr einer dem andern
euch an den Mund hebt und ansetzt -: Getränk an Getränk:
o wie entgeht dann der Trinkende seltsam der Handlung.




Und noch zu Es gab auch jede Menge malende Freunde und Freundinnen, aber Musiker wüsste ich jetzt nicht.

Es gab immerhin den jungen Ernst Krenek, und es gibt Rilkes "O Lacrimosa", eine "Trilogie, komponiert zu einer künftigen Musik von Ernst Krenek", aber das war viel später.

Und es gibt natürlich - aber auch das war später -

An die Musik

Musik: Atem der Statuen. ***** Vielleicht:
Stille der Bilder. ***** Du Sprache wo Sprachen
enden. ***** Du Zeit,
die senkrecht steht auf die Richtung
******************** vergehender Herzen.

Gefühle zu wem? O du der Gefühle
Wandlung in was? - : in hörbare Landschaft.
Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener
Herzraum. Innigstes unser,
das, uns übersteigend, hinausdrängt, -
heiliger Abschied:
da uns das Innre umsteht
als geübteste Ferne, als andre
Seite der Luft:
rein,
riesig,
nicht mehr bewohnbar.

(Die Gedichte 1910 bis 1922)


(da, wo ich Sternchenreihen male, sind in meinem Rilke-Band einfach große Abstände, Pausen, sichtbares Innehalten... das krieg ich hier in diesem posting einfach nicht hin)

Musik als die "andre Seite der Luft"... wer einen solchen Begriff findet, der hat ganz sicher einen Bezug zur Musik, würde ich mal sagen.
Aber auch ich hab noch immer keine Biographie gelesen... :oops:


Lieben Gruß!

stilz
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Musik

Beitrag von lilaloufan » 21. Mai 2007, 22:56

Und ich erinnere mich an #1586 und #6578.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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