Engel im Programm (Entwurf)

Von den frühen Prager Gedichten über Cornet, Neue Gedichte, Sonette und Elegien bis zum lyrischen Grabspruch

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Barbara
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Engel im Programm (Entwurf)

Beitrag von Barbara » 13. Jan 2007, 15:53

Hallo,

jetzt brauche ich mal Eure Unterstützung. Für unsere Veranstaltung mit Rilkes "Engel-Liedern" am 21.1.07, 19:30 in der Wichernkirche in Bad Cannstatt habe ich es vor drei Tagen übernommen, vielleicht etwas voreilig, einen Programmtext über Rilkes Engel zu schreiben. Inzwischen habe ich festgestellt, dass das schwieriger ist, vor allem auf einer DIN A 5 Seite, als ich zuerst dachte. Es wäre schön, wenn Ihr Euch den folgenden Entwurf einmal anseht und kommentiert. Ist es verständlich, fehlt etwas Wichtiges... ?! Bitte bis zum 17.1. abends, gerne auch als PN ! Danke für Eure Hilfe ! Barbara
Der Gedichtzyklus "Engel-Lieder" von Rainer Maria Rilke (4.12.1875 – 29.12. 1926) entstand 1898. Hier steht der Abschied von dem persönlichen Engel der Kindheit im Mittelpunkt. Die traditionellen Schutzengelvorstellungen verändern sich. Das bedeutet zugleich die Emanzipation des Menschen wie auch die Befreiung des Engels zu den Zwischenräumen - wie im Weltall und in der Nacht - und zum Gesang. Sichtbar wird das in den Flügeln des Engels, die zugleich einen transzendenten Hintergrund wie eine monumentale Geste darstellen.

Der Engel nähert sich den Zwischenbereichen des Todes, des Weltalls und der Nacht an. Im Januar 1913 schreibt R.M. Rilke über den Engel: "Sein Wesen ist fließend, er ist der Fluß, der durch beide Reiche geht, ja, was Wasser auf Erden und in der Athmosphäre ist, das ist der Engel in dem größeren Umkreis des Geistes, Bach, Thau, Tränke, Fontäne des seelischen Daseins, Niederschlag und Aufstieg... er streckt sich sinnlich ins Übersinnliche, nur das Strecken ist unaufhörlich, parallel, hat seinen Anfang und entgeht in die Unendlichkeit."

Höhepunkt der Dichtung R.M. Rilkes ist der Engel der "Duineser Elegien".

Der Engel in Rilkes Gedichten kann dazu beitragen, neue Engelvorstellungen zu entwickeln, die dem Menschen der heutigen Zeit zur Orientierung im Glauben dienen. Neben den "Engel-Liedern" werden Engel-Gedichte R.M. Rilkes aus späterer Zeit vorgetragen.

Marie
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Beitrag von Marie » 14. Jan 2007, 17:58

Liebe Barbara,

ich kann gut nachvollziehen, dass eine Kurzeinführung in Rilkes Engel, von den Engel-Liedern bis zu den Engeln der Duineser Elegien dir Kopfzerbrechen macht – bleib trotzdem dran, du machst das bestimmt gut! Vielleicht solltest du dich sogar noch weniger auf Informatives als eher um einen sprachlichen Impuls zur Einfühlung in dieses sehr stimmungsvolle Thema in einer ebenso stimmungsvollen Atmosphäre wie einer Kirche bemühen. Einige Infos wie

„Der Engel nähert sich den Zwischenbereichen des Todes, des Weltalls und der Nacht an.“,

finde ich für Rilke-Laien eher verwirrend, denen fehlt da möglicherweise der Kontext. Die Einladung, teilzuhaben an diesem Abend geht doch bestimmt an alle Interessierten, oder? Auch der letzte Satz klingt in meinen Ohren etwas zu belehrend , da fehlt mir so ein bisschen Leichtigkeit und Heiterkeit, die ja gerade ein Sich-öffnen bewirken könnten. Sonst ist der ein oder andere vielleicht geneigt, Rilke hier und da etwas "zu schwer" zu nehmen?

Ist diese Veranstaltung nicht auch ein möglicher Anfangsakkord, durch Rilkes Worte und Sprachbilder, die eigenen „Engellieder“ im Inneren wieder klingen zu lassen? Du könntest in einem Satz auf die sehr unterschiedlichen Facetten der Rilkeschen Engel in seinen Werk hinweisen (ohne es als „Evolution“ zu werten!) und dann in der Abfolge der Gedichte das Entstehungsjahr in Klammern dahinter setzen. Das Rilke-Zitat finde ich sehr gut gewählt, dadurch lässt du die Tiefe in die Auseinandersetzung mit den Engeln einströmen. Aber bring ruhig auch etwas Lockeres mit rein: Jeder darf wählen, ob er den Engel der Kindheit mit nach Hause nehmen möchte, oder es mit den „schrecklichen“ Engeln der Duineser Elegien aufnimmt! Die Engel sind da sehr anpassungsfähig und werden die Gedichte schon zu nutzen wissen, um ihre Kandidaten innerlich anzuschubsen!
Frag sie doch mal selbst, ob sie dir nicht noch einen Impuls geben möchten, wie ich die kenne, sitzen die schon längst in den Startlöchern und warten drauf, ihren Engel-Senf endlich beisteuern zu können!!! Schließlich sind sie ja gewissermaßen auch die "Hauptakteure" dieses Abends! :P

Lieben Gruß :wink:

Barbara
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Beitrag von Barbara » 17. Jan 2007, 22:46

Hallo Marie, hallo gliwi,

danke für Eure Anregungen!

Ich habe Eure Ideen teilweise noch aufgenommen und so lautet der Programmtext nun folgendermassen:
Engel treten in Rilkes Gedichten in ganz unterschiedlichen Facetten auf. So erscheinen Engel wie der Schutzengel, der Engel der Verkündigung, der Engel des Alten Testaments und der Engel als Bote der Ewigkeit.

Im Gedichtzyklus "Engellieder" von Rainer Maria Rilke (4.12.1875 – 29.12.1926) steht der Abschied vom persönlichen Engel der Kindheit im Mittelpunkt. Diese Gedichte entstanden 1898. Die traditionellen Vorstelllungen des Schutzengel verändern sich. Das bedeutet zugleich die Emanzipation des Menschen wie auch die Befreiung des Engels.

Im Januar 1913 schreibt R.M. Rilke über den Engel: "Sein Wesen ist fließend, er ist der Fluß, der durch beide Reiche geht, ja, was Wasser auf Erden und in der Athmosphäre ist, das ist der Engel in dem größeren Umkreis des Geistes, Bach, Thau, Tränke, Fontäne des seelischen Daseins, Niederschlag und Aufstieg... er streckt sich sinnlich ins Übersinnliche, nur das Strecken ist unaufhörlich, parallel, hat seinen Anfang und entgeht in die Unendlichkeit."

Neben den "Engelliedern" werden Engel-Gedichte R.M. Rilkes aus späterer Zeit vorgetragen.

Sie sind herzlich eingeladen, sich durch Rilkes Worte und Sprachbilder anregen zu lassen, die eigenen „Engellieder“ im Inneren wieder zum Klingen zu bringen.
Jetzt bin ich wirklich gespannt wie die Veranstaltung am Sonntag abend wird. Hoffentlich begleiten uns ein paar Engel :lol: !

Viele Grüße von Barbara :lol:

Marie
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Beitrag von Marie » 18. Jan 2007, 16:42

Liebe Barbara,

der Text ist sehr schön und ansprechend geworden. Ist doch immer wieder aufmunternd, wenn man etwas Schwieriges so rundum zufriedenstellend bewältigt hat! Ich freue mich - geht Christiane bestimmt genauso - dass dir die Gedanken noch ein paar Impulse und Ermutigung gegeben haben. Und natürlich ist es auch eine Freude und Ehre auf diesem Weg indirekt ein klein wenig an dieser Veranstaltung teilhaben zu dürfen :D :D :D !

Liebe Grüße :idea:

Marie
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Beitrag von Marie » 18. Jan 2007, 16:45

...ach ja, und mach dir wegen der Engel keine Sorgen, die sind immer da, wenn sie aufrichtig gerufen werden!

Lieben Gruß :wink:

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