Viele Fragen zu dem Gedicht "DAS KARUSSELL"

Von den frühen Prager Gedichten über Cornet, Neue Gedichte, Sonette und Elegien bis zum lyrischen Grabspruch

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gliwi
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Beitrag von gliwi » 31. Jan 2005, 22:16

Einspruch!
Dersebe Reim hat immer denselben Buchstaben, also hier immer b für die Elefantenzeile. Und ein Binnenreim ist eben kein Endreim.Er steht innerhalb eines Verses. Hier sehe ich bloß einen, im vorletzten Vers: "...das blendet und verschwendet...". Bei Rilke habe ich bisher nicht viele Binnenreime gefunden.
Gruß
gliwi

Gast

Beitrag von Gast » 4. Feb 2005, 14:54

Okay, also "Und dann und wann ein weißer Elefant" ist immer "b". Und wie sieht es dann mit Vers 13 "und hält sich mit der kleinen heißen Hand" aus? Reimt sich auf Elefant, also auch b schätze ich.

Dann ergibt das aber ein reichlich wirres Versmaß. abbaabccb, ded, fbfb, b, gffg, b, hihihhi

Also abba = umarmender Reim, bccb ebenfalls umarmender Reim, ded und fbf = ???, dann einfach nur b, dann kommt wieder ein umarmender Reim = gffg, dann wieder eine einzelne Zeile = b, dann ein Kreuzreim = hihi, und zum Schluss hhi = ???

Das ist doch nun sowas von durcheinander!? Gibt es dafür in irgendeiner Weise eine Versform, die darauf passt? Oder handelt es sich hier um einen freien Reim? Oder hat das etwas zu sagen? Ich meine, dass der Elefant das Immerwiederkehrende bedeutet, ist mir schon klar. Er zeigt die Bewegung des Karussells an.

Immer noch recht ratlose Grüße vom

Flugentchen

gliwi
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Beitrag von gliwi » 4. Feb 2005, 19:21

Ja, -and/t ist immer b, wobei der dreimalige Elefant ein Refrain ist. Durcheinander? Empfindest du das so? Die Strophen sind doch auch ganz ungleich lang. Der Dichter macht einfach sein eigenes Schema. Ein guter Rat: suche keine Probleme da, wo keine sind. :D
Lieben Gruß
Christiane

Flugente
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Beitrag von Flugente » 4. Feb 2005, 19:41

Ja, vielleicht hast Du Recht. Vermutlich hat er sich gar nicht nach einem Schema gerichtet. Ich bin nur durch die Vielzahl an zu interpretierenden Gedichten und den ständigen Abweichungen schon ganz kirre im Kopf ;). Aber es wird von Gedicht zu Gedicht einfacher, das Liebes-Lied habe ich jetzt sogar auch verstanden, das war bis heute mein Sorgenkind.

Aber ohne Eure, vor allem Deine Hilfe, Christiane, wäre ich heute wohl nicht so weit. Ich bin echt dankbar! Morgen noch die Interpretation von der Blauen Hortensie und von Die Insel, und dann muss ich noch "schnell" die wichtigsten Dinge zum Malte raussuchen, die man wissen muss. Ich glaube, dann kann die Klausur am Freitag kommen und ich werde zumindest bestehen. Das ist eh das Wichtigste: BESTEHEN! Egal mit welcher Note! :D

Schönen Abend wünscht das müde
Flugentchen

gliwi
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Beitrag von gliwi » 4. Feb 2005, 20:30

Also wandeln wir mal Rilke ab: "Wer spricht von Siegen? Bestehen ist alles."
Viel Glück, liebe Flugente, und guten Flug!
Gruß
Christiane

Judith

Beitrag von Judith » 15. Sep 2005, 17:56

Hey!
Ich bin eine Schülerin in der 9. Klasse eines Kieler Gymnasiums und habe heute meine erste Klassenarbeit dieses jahres über das karussell geschrieben.
wir haben das gedicht schon vorher im unterricht besprochen, und ich muss eingestehen, dass es mir am anfang nicht so gefiel.
doch als ich den panther und andere rilke gedichte kennengelernt habe, gefiel mir rilke immer mehr.
ich habe gestern schon ein bisschen im forum rumgestöbert, um mich auf die arbeit vorzubereiten, allerdings dachte ich, wir würden über den panther schreiben.

Ich habe jedoch eine Frage: Hat das Karussell fünf oder sieben strophen?
Meiner meinung nach sind es fünf strophen, in denen dreimal die leitmotivische Funktion"und dann und wann ein weißer elefant" auftritt, wobei der weiße elefant der hauptsächliche bestandteil der funktion ist.

Ich habe das karussel mit dem lebenszyklus verglichen.
"Ist dies mit dem Leben zu vergleichen, welches zwar für viele, vielleicht sogar für den dichter selbst,nutzlos, jedoch auch oft ein abenteuer von Spaß und Freude ist?"

So in etwa habe ich es geschrieben. Warum es nutzlos ist? ich würde sagen, wegen der wörter: verschwendet, grau, atemlos, blind.....

was meint ihr dazu? bitte antwortet =)

gliwi
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Beitrag von gliwi » 16. Sep 2005, 16:50

Hallo Judith,
5 Strophen mit Refrain, da stimme ich dir zu.
Aber gleich wieder der ganze Lebenszyklus? Herrje, warum wollt ihr immer gleich so hoch hinaus? Kann der Lebenszyklus ein Karussell sein, also etwas, das an Ort und Stelle immer denselben Kreis zieht? Das bezweifle ich. 20 Zeilen beschreiben das Karussell, sehr genau, sehr datailliert, samt seinen BenutzerInnen. Dann kommt noch eine Strophe mit 7 Versen, von der ausgehend man das "Spiel des Lebens" assoziieren könnte, also dass einem das Leben bisweilen auch so erscheinen kann wie das Kreisen eines Karussells. Mehr empfände ich als zuviel.
Gruß
gliwi
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.Sabine.
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Beitrag von .Sabine. » 16. Sep 2005, 19:47

Hallo,

warum ist der Elefant "weiß" ? Hat diese Farbe hier eine besondere Bedeutung ?

Sabine :lol:

gliwi
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Beitrag von gliwi » 17. Sep 2005, 22:03

Wahrscheinlich nicht, der Elefant auf dem Karussell, das Rilke gesehen hat, war halt so. Wenn du aber eine Bedeutung assoziieren willst: solche Albino-Tiere gelten oft als etwas Besonderes, etwas Edles, man schreibt ihnen manchmal sogar magische Kräfte zu. Bei einem Karussell sind sie einfach schöner als graue, machen mehr her.
Gruß
gliwi
p.s. Auf S. 5 hier bei den Gedichten haben übrigens schon mal über das Karussell diskutiert.
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Jack

Beitrag von Jack » 18. Sep 2005, 16:40

Hallo,

bräuchte dringend eine Gedichtinterpretation/analyse zu "Das Karussell".
Hab schon das ganze Forum durchgesehen,aber ehrlich gesagt nichts komplettes gefunden(sprich mit inhaltlicher und formaler Analyse usw)...

Schon mal danke im voraus

Jack

Hankypaf

Weisse Elefanten

Beitrag von Hankypaf » 18. Okt 2005, 14:02

[Wie, es gibt keine weißen Elefanten. Da frag mal nach bei Hannibal. Der weiße Elefant ist ein Tier, dem in der Welthistorie eine klare Symbolik beigemessen wird. Er steht für ein Land, das gerade untergeht. :(
Dass ein natürlicher Zustand (Kindheit, Hirsch im Walde) durch Zwangsmaßnahmen (anspannen, anschnallen) beseitigt wird, durchzieht das Gedicht wie ein roter Faden.

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Beitrag von gliwi » 18. Okt 2005, 15:51

!. habe ich nie behauptet, dass es keine weißen Elefanten gibt. Es gibt so ziemlich von jeder Säugetierart und von Vögeln Albino-Exemplare. Untergehendes Reich? D'accord, die Mädchen sind ja genau am Übergang von Kindheit und nächster Stufe, "...fast schon entwachsen..."
Aber Zwangsmaßnahmen und Denaturierung, das wäre jetzt für mich wieder ein Überinterpretation, das heißt, das Hineinsehen von etwas, das gar nicht drinsteht. Denn es sind Holztiere, keine natürlichen Tiere! Und wenn man die kleinen Kinder nicht festschnallt, fallen sie runter. Die letzte Strophe wiederspricht dem auch: es ist ein seliges Lächeln und ein atemloses Spiel, also nichts Gezwungenes und Gesteuertes.
Aber das mit dem untergehenden Reich, doch, das gefällt mir immer besser, denn diese Phase der Kindheit, wo man selig ist, wenn man ein paar Runden Karussell fahren darf, die ist ja im Rückblick sehr kurz.
Gruß
gliwi
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hankypaf

Einspruch

Beitrag von hankypaf » 25. Okt 2005, 13:59

[Wenn der Betrachter nur ein Karussel mit Holztieren sieht, auf dem Mädchen angeschnallt sind, damit sie nicht runterplumpsen, dann wird in der Tat alles zur Überinterpretation. Mit dieser Betrachtungsweise tut man allerdings dem Lyriker unrecht. Schließlich schildert der Beobachter nicht, was er sieht (ein Kinderkarussel mit Holztieren), sondern was er d a r i n sieht (...ganz wie im Walde, nur dass...). Es sind bestimmte Details, die ihn nachdenklich machen und die das Karussell zum Sinnbild werden lassen.
Wenn in einem Gedicht, in dem der weisse Elefant als das Symbol für Fremdbestimmung eine herausragende Bedeutung in der Wahrnehmung des Beobachters hat, gleich mehere Begriffe aus einem entsprechenden Umfeld auftauchen, dann ist das kein Zufall. Es ist das Wesen der Lyrik, das kein Wort beliebig oder austauschbar ist. Wenn diese Eingriffe in einen Zustand der Freiheit (anspannen, Sattel, aufschnallen) auch noch sprachlich als Einschränkung hervorgehoben werden (Zwar..., nur dass...), dann kann man - weil es da steht - dahinter getrost einen Gedanken vermuten.
Ein Lächeln, das blendet und verschwendet, kann im übrigen ebensowenig wie ein Spiel, das blind und atemlos ist, als Beleg für Leichtigkeit und Unbeschwertheit bemüht werden. Ich bin sicher, dass das Grimmsche Wörterbuch, das Rilke damals zur Verfügung stand, den Begriffen "blenden", "verschwenden", "blind" und "atemlos" einen eher traurigen als heiteren Bedeutungsinhalt beimisst.
Viele Grüße

Fritz
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Beitrag von Fritz » 28. Dez 2005, 16:37

Hallo Ihr,

"...und dann und wann ein weisser Elefant" :wink:
warum ist der Elefant "weiß" ? Hat diese Farbe hier eine besondere Bedeutung ?
und nur darum, weil das erste Stofftier der Margarete Steiff ein weisser Elefant gewesen war ?!

Fritz :lol:

Frieda

Beitrag von Frieda » 8. Feb 2006, 16:50

Hi,

Und dann und wann ein weisser Elefant :wink: :

http://www.sz-online.de/_tools/galerie/ ... 688&bild=2

Frieda :lol:

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