Spanische Trilogie

Von den frühen Prager Gedichten über Cornet, Neue Gedichte, Sonette und Elegien bis zum lyrischen Grabspruch

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sedna
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Re: Spanische Trilogie

Beitrag von sedna » 31. Mär 2016, 21:28

sedna hat geschrieben:Hier fällt mir jetzt Paul Valérys L'âme et la danse (1921) ein
Gingen wir von Mallarmé aus, der Tanz als eine theatrale Form der Poesie ansah, die Ballerina wäre Metapher, die mit ihrem Körper Gedichte schreibt, ergänzte Valéry das Bild in Die Seele und der Tanz um eine sich drehende Tänzerin ... und die von ewig her verbundenen Dinge beginnen sich zu trennen ... Das heißt wirklich vordringen in eine andere Welt ... Darüber hinaus bleibt nichts zu versuchen ... Sie dreht und alles Sichtbare fällt ab von ihrer Seele; der Schlamm ihrer Seele scheidet sich endlich vom Reinsten; Menschen und Dinge sind im Begriff, um sie herum im Kreis einen formlosen Niederschlag zu bilden ... Unbeweglich würde sie ruhn in der Mitte ihrer Bewegung. Ganz für sich, ganz für sich, gleich der Weltachse

Bei Rilke schließlich gipfelte das Bild in die Erde als innerlich unsichtbar erstehende (Mallarmé:) Tänzerin, die dichtet, (Valéry:) indem sie dreht ... Ein Körper durch seine bloße Kraft, durch seine Handlung ist mächtig genug, das Wesen der Dinge gründlicher zu verändern, als es jemals dem Geist in seinen Untersuchungen und Träumen gelingt! Sie könnte ... schlafen, vielleicht, einschlafen in einen magischen Schlaf.

Und um wieder zu den Dingen aus dem XIV. Sonett zurückzukehren:
Nähme sie einer ins innige Schlafen und schliefe
tief mit den Dingen –: o wie käme er leicht,
anders zum anderen Tag, aus der gemeinsamen Tiefe.


Eine Möglichkeit unterschwelliger Wahrnehmung des Tänzerischen ... und so schreibt es sich in der Tiefe fort, die bewidmete Tänzerin Wera lebendig erhaltend, gemäß Rilkes Antwort an deren Mutter Gertrud Ouckama Knoop vom 7. Februar 1922:

so aufgelöst der Bezug auch ist [...] er beherrscht und bewegt den Gang des Ganzen.
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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