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Frühling

Verfasst: 8. Apr 2003, 08:39
von Nejka
Hallo!

Da der Frühling sich endlich etwas entschiedener auf den Weg macht, schlage ich vor, eine Sammlung zum Thema Frühling zu erstellen. Ich lade euch alle herzlichst ein, eure liebsten Frühlingsverse von Rilke hier zu präsentieren!


Hier sind meine:


Aber jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewussten dunkeln Jahr.
Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiss was ich noch gestern war.

("Die Liebende", Das Buch der Bilder)

Viele Grüsse,
Nejka

Er ist's!

Verfasst: 9. Apr 2003, 00:23
von Volker
Tut mir leid, liebe Rilke-Freunde, aber DAS ultimative Frühlingsgedicht ist und bleibt für mich Mörickes:

Er ist's!

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen!

Gruß! V.

Verfasst: 9. Apr 2003, 16:47
von gliwi
p.s.: Mörike heißt der Mann! gruß gliwi

Verfasst: 11. Apr 2003, 10:06
von Marie
Hallo,

bei dem Thema werde selbst ich abtrünnig! Nicht, dass es von Rilke keine ansprechenden Frühlingsgedichte gäbe, aber seine Herbst-/Winterperspektive bleibt immer deutlich. Selbst in den Duineser Elegien (9.):

Erde, du liebe, ich will. Oh glaub, es bedürfte
nicht einer deiner Frühlinge mehr, mich dir zu gewinnen -,
einer,

ach, ein einziger ist schon dem Blute zuviel.
Namenlos bin ich zu dir entschlossen, und dein heiliger Einfall
ist der vertrauliche Tod. (...)

Es wäre nicht Rilke, wenn er nicht als Salz in die euphorischste Frühlingssuppe auch noch den Tod streuen würde! Es gibt aber Tage, an denen kann ich auf dieses "Gewürz" auch mal verzichten. Dann nehme ich mir lieber den Osterspaziergang aus Goethes Faust vor:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur; (...)

Goethe IST Frühling! Er entzieht dichtend das Salz des Winters (wie eine Saline, an der das Salz am dürren Vorjahresreisig hängenbleibt). Nur das klare, lebensspendende Wasser des Frühlings bleibt befreit zurück. (Gießt mal zarte Frühlingsblumen eine Weile mit Salzwasser, dann wisst ihr, was ich meine)

Liebe Grüße

Verfasst: 11. Apr 2003, 23:40
von gliwi
Ja, Marie, du sagst es, Herbst und Winter lagen ihm mehr. Mein Lieblingsfrühlingsgedicht ist von Hofmannsthal:
Vorfrühling
Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder Er flog mit Schweigen
Akazienblüten Durch flüsternde Zimmer
Und kühlte die Glieder Und löschte im Neigen
Die atmend glühten. Der Ampel Schimmer.

Lippen im Lachen Es läuft der Frühlingswind
Hat er berührt, Durch kahle Alleen,
Die weichen und wachen Seltsame Dinge sind
Fluren durchspürt. In seinem Wehn.

Er glitt durch die Flöte Durch die glatten
Als schluchzender Schrei, Kahlen Alleen
An dämmernder Röte Treibt sein Wehn
Flog er vorbei. Blasse Schatten

Und den Duft
Den er gebracht
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.





Hoffentlich ist das jetzt vollständig! Ich komme mit der Anordnung nicht klar. Gruß gliwi

U

Verfasst: 11. Apr 2003, 23:44
von gliwi
Hilfe! Das ist jetzt völlig verdruckt. Ich hatte es in zwei
spalten angeordnet, das hat diese dumme Maschine zusammengeschoben. Ich mags aber nicht nochmal tippen.gliwi :oops:

Verfasst: 12. Apr 2003, 08:31
von Marie
Hallo,

schön, dass auch noch Hofmannsthal sich dazu gesellt! Unsere Rilke-Frühlingssammlung lässt anscheinend selbst die hartgesottensten Anhänger "fremd gehen"!

Aus einem Brief von M. Taxis an Hofmannsthal nach Rilkes Tod:

"Sie konnten einander nicht ohne Vorbehalt begreifen, denn Sie sind der Dichter des Lebens, des schönen, schrecklichen, freudigen und tragischen Lebens, aber immer des Lebens, er aber war der Dichter des Todes."

Vielleicht erklärt auch das die ursprüngliche Abneigung Rilkes gegenüber Goethe, die aber später in Bewunderung umschlug. (Vielleicht hätte er sonst die Elegien nicht schreiben können, denn in ihnen erfasst Rilke das Leben wie in einer mystischen Schau. Leider konnte er diese Erfahrung in den verbleibenden Lebensjahren wohl nicht mehr in die "physische" Realität niedersteigen lassen)

Gruß M.

Verfasst: 25. Mai 2006, 17:30
von Tonika
Hallo,

hier ein Frühlingsgedicht , das mir besonders gut gefällt :

Friedrich von Schiller: An den Frühling

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Ei! ei! da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.
Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
Und 's Mädchen liebt mich noch!

Fürs Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir -
Ich komm' und bitte wieder,
Und du? - du gibst es mir?

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!

Tonika :lol: