bitte um hilfe ("die Turnstunde")

Ewald Tragy, Die Turnstunde, Geschichten vom lieben Gott und weitere Erzählungen

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Nori

bitte um hilfe ("die Turnstunde")

Beitrag von Nori » 9. Jun 2003, 10:22

Ich sitze gerade an einer Analyse zu "die turnstunde" und hätte einige Fragen. Ich fände es schön, wenn sie mir jemand beantworten könnte...
Also:
1. Kann man "Die Turnstunde" in die Textsorte "Erzählung" einordnen?
2. Ist der Text Impressionistisch?
3. Welchen konflikt gibt es zwischen den Personen in Rilkes werk?
4. Was wollte er mit dem schluß aussagen, denn mit dem Ende der Erzählung kann ich leider nicht sehr viel anfangen, ich weiß nicht so recht was er damit meint.

Auch für einen kleinen Hinweis oder eure Meinung wäre ich wirklich froh!
Danke schon mal im Vorraus!

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Volker
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Turnstunde

Beitrag von Volker » 9. Jun 2003, 11:16

Hallo!
kurze Antwort aus dem Stegreif (aber ohne Gewähr, bin kein Germanist)

1.) Ja, oder eher Kurzgeschichte als Sonderform der Erzählung.

2.) Impressionismuns kenne ich eigentlich nur in der Malerei. Auf die Literatur bezogen hieße das, seelische Eindrücke schildern, nicht nur Gegenständliches beschreiben. Also: Ja.

3.) Konflikte zwischen den Personen (ich nehme an, du meinst in diesem) Werk:
a) der Konflikt zwischen den verängstigten Schülern und dem militärisch-zackigen Ausbilder. Befehl vs. widerwilligem Gehorsam.
b) der Konflikt zwischen dem "gereizten Unteroffizier" und Gruber, dem "schlechten Turner", der aber plötzlich über sich hinauszuwachsen scheint und die Kletterstange so hoch klettert, daß dem Ausbilder schon Bedenken zu kommen scheinen. Konflikt Verantwortung für die Schüler vs. Mißachtung der Gefahr durch Gruber.

4.) Der Schluß: Gruber war für einen Moment der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Nachdem er die Stange aber wieder heruntergerutscht ist, ist der Moment des Triumphs vorbei. Er sitzt wieder allein, in sich gekehrt, mit seinen schmerzenden Händen. Auch Jerome vermag ihn nicht aus seiner Einsamkeit herauszuholen. Grubers Blick aus dem Fenster geht ins Leere. Draußen Herbst und Dunkelheit - Symbole für Einsamkeit.
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

Nori

Beitrag von Nori » 9. Jun 2003, 16:27

Vielen Dank dafür!

gliwi
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Beitrag von gliwi » 10. Jun 2003, 23:05

Hallo Volker, alter Seebär, also ich verleihe dir gerne den Titel "Germanist h.c." Nur in einem möchte ich dir widersprechen: Im Impressionismus geht es nicht so sehr um Seelisches, mehr um Sinnliches. Ich zitiere aus meinem alten herder-lexikon, weil ich zu faul bin, was anderes zu suchen: "Der literarische I. gibt, oft punkthaft aneinandergereiht, die unmittelbaren Sinneseindrücke, Stimmungen und Gedanken in subtiler Darstellung wieder und gebraucht die Sprache als ein musikal.-nunciertes und farbvermittelndes Instrument ... Der Sinnzusammenhangtritt zurück, verflüchtigt sich z.T. ins Schwebend-Vieldeutige u. Unbestimmte." Ich finde, das trifft auf viele Gedichte Rilkes zu (er wird auch ausdrücklich als Vertreter dieser richtung genannt), aber nicht auf diese Geschichte.
Vielleicht ist es für die Interpretation auch gut zu wissen, dass Rilke ein entschiedener Gegner diese ganzen "Zucht-und-Ordnungs"-Drills war - aber das wird einem wahrscheinlich aus dem Text sowieso deutlich.Gruß christiane

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Volker
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Beitrag von Volker » 11. Jun 2003, 08:41

Hallo gliwi,
Danke für den Ehrentitel.
Für Dich bleibt dann ja immer noch der "Prof. Dr. h.c."! :wink:
Bzgl. Impressionismus in der Literatur lasse ich mich gern belehren. Mein Ausdruck "seelische Eindrücke schildern" war sowieso nicht korrekt, denn die Eindrücke vermitteln uns ja die Sinne, und erst danach kann es zu seelischen Regungen kommen. Das Ganze ist zwar ein Prozeß, aber die Einzelteile sind auch einzeln zu definieren. Wie weit dies jetzt eine Rolle spielt für die Definition von "Impressionismus in der Literatur" - das überlasse ich lieber den Experten. :wink:
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

Gast

Beitrag von Gast » 29. Aug 2004, 13:29

Der rest?
ähm, unser werter Deutschlehrer hat uns ne längere version vorgelesen, in der Gruber nachher gestorben ist O.o
Gibts die irgendwo

Gast

Beitrag von Gast » 29. Aug 2004, 21:44

Hallo,

ich habe die vollständige Erzählung gerade hier im Internet gefunden:

http://www.rilke.de/erzaehlungen/die_turnstunde_1.htm

Liebe Grüße von Anna :lol:

Weltinnenräumer
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Beitrag von Weltinnenräumer » 6. Mai 2006, 10:45

Ich will jetzt nicht behaupten dass die folgende Aussage meiner Psychologie-Dozentin speziell auf Gruber zugeschnitten wäre, aber irgendwie kommt sie mir doch zumindest erwähnenswert vor und mich würde interessieren was ihr davon -in Bezug auf die Turnstunde- haltet:

"Wenn der Mensch keine Ziele mehr hat, stirbt er."

Mikado
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Beitrag von Mikado » 6. Mai 2006, 13:19

Hallo,

wie sagte schon Mahatma Gandhi:

" DER WEG IST DAS ZIEL. "

und bei Konfuzius heisst es:

" Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod."

Ich bin sicher, das wußte Rilke auch !

Mikado :lol:

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