Rilkes Grabspruch und der Totengräber...

Ewald Tragy, Die Turnstunde, Geschichten vom lieben Gott und weitere Erzählungen

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Kal El
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Rilkes Grabspruch und der Totengräber...

Beitrag von Kal El » 17. Sep 2006, 17:03

Hallo

ich habe den text gerade gelesen... der grabspruch klingt mir einigermaßen verständlich... aber kann mir jemand bei einem zusammenhang helfen?
aber was mir noch viel wichtiger ist... wie hat rilke über den tod gedacht... kann man ihn mit dem fremden aus der geschichte vergleichen? denkt auch er das wirklich alle menschen im tiefsten inneren sterben wollen??
danke

Markus

stilz
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Beitrag von stilz » 19. Sep 2006, 17:16

Hallo Markus,

leider kann ich Deine Fragen nicht wirklich beantworten...

Ich kannte die Erzählung vom Totengräber bisher nicht.

Der Zusammenhang mit dem Grabspruch (Du findest ihn "einigermaßen verständlich", da gibts nicht viele, die Deiner Meinung sind): auch mir kam beim Lesen dieser Erzählung Rilkes Grabspruch in den Sinn, an der Stelle, als der Mann seiner toten Frau die Rosenknospen auf die Augenlider legt, die dann das noch übrige Leben von der Frau empfangen und voll erblühen.

Zu der Frage, ob Rilke glaubte, daß alle Menschen sterben wollen: auch das kann ich nicht sagen, und ich hätte es jedenfalls nie so ausgedrückt. Auch Rilke meint mit diesem "Wollen" ja nicht etwas Direktes, Bewußtes... sondern es ist etwas "Fallendes" in uns Menschen, dazu fällt mir natürlich ein:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit
...
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen...


Dieses "Fallen", das in jedem von uns ist, ganz selbstverständlich, Tag für Tag - wir nehmen es hin, ohne es groß zu hinterfragen... auch wenn es wohl immer wieder mal die Sehnsucht gibt, etwas daran zu ändern, die Sehnsucht nach "ewigem Leben".

Aber was genau bedeutet "ewig"? - Dazu müßte es keine Zeit mehr geben, oder sie müßte stillstehen... vielleicht bedeutet es: wenn wir so lebten, als ob die Zeit für uns stillstände und nur der gegenwärtige Moment von WIchtigkeit wäre (ohne daß wir von ihm, wie Faust, verlangen, er möge verweilen ... denn damit wäre ja schon wieder die Zeit das Wichtige) --- vielleicht wäre das das "ewige Leben", hier in dieser unserer Welt? Und "ewig" wäre nicht ein Ausdruck für die Quantität, sondern für die Qualität der Zeit?

Mir scheint die Stelle

so lang er Herr ist hier, in diesen vier Hecken, so lang er hier ordnen kann und bauen, und wenigstens außen, wenigstens durch Blumen und Beete, diesem wahnwitzigen Zufall einen Sinn geben und ihn mit dem Land ringsherum versöhnen und in Einklang bringen kann, so lange hat der andere nicht Recht, und es kann ein Tag kommen, wo er - der andere - müd wird, nachgibt.

darauf hinzudeuten, daß dieses "nicht sterben wollen" mit "in der Gegenwart leben, die Gegenwart annehmen" zu tun hat...


Keine Ahnung, ob Du damit etwas anfangen kannst, sind einfach meine spontanen Gedanken dazu!

Lieben Gruß

stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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