Rilke und die Tiere

Ewald Tragy, Die Turnstunde, Geschichten vom lieben Gott und weitere Erzählungen

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Mikado
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Rilke und die Tiere

Beitrag von Mikado » 16. Dez 2008, 21:25

Hallo,

habe gerade mit meinem Onkel telefoniert wegen Weihnachten und so... Nun hat er - am Rande - von einer Geschichte von Rilke erzählt, in der ein Maulwurf vorkommt. Eine Fabel, Parabel oder Anekdote ??? Da kenne ich aber nur solche mit einem Raben, einem Fuchs, Schaf oder Löwen. Selbst mein Onkel konnte sich nicht mehr genau an die Geschichte mit dem Maulwurf erinnern. Ich bin fast sicher, dass irgendjemand im Rilke Forum bestimmt weiter helfen kann und weiss, was gemeint ist , oder ?

Mikado :D
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helle
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Re: Rilke und die Tiere

Beitrag von helle » 17. Dez 2008, 09:44

"Rilke und die Tiere" ist ein interessantes Thema, aber hier sieht's mir nach einem Holzweg aus. Vielleicht ist eigentlich Kafka gemeint, "Der Riesenmaulwurf", vielleicht auch die wirklich furchtbare Geschichte "Der Bau".

Gemeinsam ist beiden ja die Prager Herkunft.

Gruß, h.

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Anna B.
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Re: Rilke und die Tiere

Beitrag von Anna B. » 21. Dez 2008, 11:00

Zum Thema Rilke und die Tiere oder: ob Rilke das wohl auch so gesehen hätte ? :

Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählige Nester gab, ward ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze stand, kamen die Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen. Allein sie fanden sie alle vermauert.
"Zu was", schrien sie, "taugt denn nun das grosse Gebäude ? Kommt, verlasst den unbrauchbaren Steinhaufen !"
(GEL)

Gerade fällt mir auf, dass das irgendwie auch zu Weihnachten passen könnte ... ?!

Anna :)
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Harald
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Re: Rilke und die Tiere

Beitrag von Harald » 25. Jan 2009, 01:03

Das ist ein spannendes Thema!
Rilke bezeichnet sich selbst in Briefen wiederholt als "Maulwurf", und schon in der frühen Erzählung "Die Geschwister" findet sich einer:

Dann pochte Luisa an Lands Thüre.

Er kam ihr lächelnd entgegen. »Sie Maulwurf,« rief sie ihn scherzend an,
»immer in der Stube. Heute müssen Sie mal hinaus aus der Stadt.
Frühling! Ich war draußen weit, weit« und sie machte eine Bewegung, als
wollte sie ihm zeigen, wo der Frühling liegt. Ihre Augen glänzten so
verheißend. Dann fuhr sie fort in wichtigem, geschäftlichem Ton: »Ich
will Sie nicht stören, Herr Land. Nur das wollte ich Ihnen mitteilen.
Ich behalte die Wohnung; es bleibt also alles beim alten, d. h. wenn Sie
mit dem Zimmer sonst zufrieden sind?«

Daneben erzählt Elisabeth Gundolf in "Meine Begegnungen mit Rainer Maria Rilke und Stefan George" von einer Begegnung mit Rilke, bei der er ihr vergeblich half, einen entkommenen Maulwurf wieder auszubuddeln - "bis unsere Hände und Kleider wie die von Köhlern aussahen". Kaum zu glauben, Rilke mit schwarzgeränderten Fingernägeln!
Gäbe jedenfalls einen hübschen kleinen Aufsatz: "Der Maulwurf bei Rilke".
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

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