Rilke für die Abschaffung des Religionsunterrichts

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Rilke für die Abschaffung des Religionsunterrichts

Beitrag von Thilo » 17. Jun 2018, 22:44

Rilke und die Religion ist ja ein sehr weites Thema. Aber zum Religionsunterricht hat er einmal recht klar Stellung genommen. Und zwar 1905 in Antwort auf eine Anfrage der Bremer "Vereinigung zur Schulreform". Die Vereinigung hatte selbst erst 1905 eine Denkschrift mit dem Titel "Religionsunterricht oder nicht?" verfasst, in der sie sich eindeutig für das "nicht" aussprach. Rilke unterstützte die Grundforderung nach einer Abschaffung des Religionsunterrichts in seiner Stellungnahme - auch wenn das nicht als eine Absage an das Religiöse ansich zu verstehen ist.

Rilkes Antwortschreiben findet sich hier: http://www.rilke.de/briefe/000505.htm.

Den ursprüngliche Denkschrift der Vereinigung zur Schulreform habe ich nicht im Netz gefunden. Ich bin ihm aber auf der Spur und würde ihn auch gern veröffentlichen, um Rilkes Antwort besser nachvollziehbar zu machen. Allerdings werden die darin genannten Argumente in einem Artikel von Meike Sophia Baader (2005) aus dem Jahrbuch für Pädagogik ausführlich wiedergegeben. Der ganze Text ist hier online verfügbar: http://www.ingentaconnect.com/contentone/plg/jfp/2005/00002005/00000001/art00012?crawler=true

Mir scheint, dass Rilke bestimmte Argumente aus der Denkschrift hervorhebt und andere ignoriert. So scheint die Vereinigung zur Schulreform in ihrer r Denkschrift auch darauf einzugehen, dass christlicher Religionsunterricht vielen Menschen - nicht nur Andersgläubigen, sondern auch Atheisten, einen Zang antun würde. Zumindest gibt Baader (2005, S. 181) aus dem Brief wieder, "Protestanten, Katholiken, Juden, Atheisten und Freidenker würden die gleichen staatsbürgerlichen Rechte genießen, der Schulzwang werde aber immer noch soweit ausgedehnt, dass sich aus ihm die Pflicht zur Teilnahme am Religionsunterricht ergebe". Das klingt nach einem sehr modernen Verlangen nach Trennung von Staat und Kirche bis in die Bildung hinein, wie sie etwa in Frankreich gilt. Diese Stoßrichtung entsprach aber wohl nicht Rilke, dem es anscheinend eher um die Förderung einer natürlichen Religiosität ging.

Oder wie seht Ihr das?

Viele Grüsse,
Thilo

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