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Moni

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Beitrag von Moni » 3. Jun 2005, 20:23

Hallo,

wo finde ich ein Rilke Gedicht an C. Morgenstern ?

Bitte helft mir !

Moni :lol:

Inez

Beitrag von Inez » 4. Jun 2005, 21:37

Hallo,

zb dazu ? :wink: :

Christian Morgenstern: Phantas Schloss

Die Augenlider schlag' ich auf.
Ich hab' so groß und schön geträumt,
dass noch mein Blick in seinem Lauf
als wie ein müder Wandrer säumt.
Schon werden fern im gelben Ost
die Sonnenrosse aufgezäumt.
Von ihren Mähnen fließen Feuer,
und Feuer stiebt von ihrem Huf.
Hinab zur Ebne kriecht der Frost.
Und von der Berge Hochgemäuer
ertönt der Aare Morgenruf.

Nun wach' ich ganz. Vor meiner Schau
erwölbt azurn sich ein Palast.
Es bleicht der Felsenfliesen Grau
und lädt den Purpur sich zu Gast.
Des Quellgeäders dumpfes Blau
verblitzt in heitren Silberglast.
Und langsam taucht aus fahler Nacht
der Ebnen bunte Teppichpracht.

All dies mein Lehn aus Phantas Hand!
Ein König ich ob Meer und Land,
ob Wolkenraum, ob Firmament!
Ein Gott, des Reich nicht Grenze kennt.
Dies alles mein! Wohin ich schreite,
begrüßt mich dienend die Natur:
ein Nymphenheer gebiert die Flur
aus ihrem Schoß mir zum Geleite;
und Götter steigen aus der Weite
des Alls herab auf meine Spur.

Das mächtigste, das feinste Klingen
entlauscht dem Erdenrund mein Ohr.
Es hört die Meere donnernd springen
den felsgekränzten Strand empor,
es hört der Menschenstimmen Chor
und hört der Vögel helles Singen,
der Quellen schüchternen Tenor,
der Wälder Bass, der Glocken Schwingen.

Das ist das große Tafellied
in Phantas Schloss, die Mittagsweise.
Vom Fugenwerk der Sphären-Kreise
zwar freilich nur ein kleinstes Glied.

Erst wenn mit breiten Nebelstreifen
des Abends Hand die Welt verhängt
und meiner Sinne maßlos Schweifen
in engere Bezirke zwängt -
wenn sich die Dämmerungen schürzen
zum wallenden Gewand der Nacht
und aus der Himmel Kraterschacht
Legionen Strahlenströme stürzen -
wenn die Gefilde heilig stumm,
und alles Sein ein tiefer Friede -
dann erst erbebt vom Weltenliede,
vom Sphärenklang mein Heiligtum.

Auf Silberwellen kommt gegangen
unsagbar süße Harmonie,
in eine Weise eingefangen,
unendlichfache Melodie.
Dem scheidet irdisches Verlangen,
der solcher Schönheit bog das Knie.
Ein Tänzer, wiegt sich, ohne Bangen,
sein Geist in seliger Eurythmie.

Oh seltsam Schloss! bald kuppelprächtig
gewölbt aus klarem Ätherblau;
bald ein aus Quadern, nebelnächtig,
um Bergeshaupt getürmter Bau;
bald ein von Silberampeldämmer
des Monds durchwobnes Schlafgemach;
und bald ein Dom, von dessen Dach
durch bleiche Weihrauch-Wolkenlämmer
Sternmuster funkeln, tausendfach!

Das stille Haupt in Phantas Schoße,
erwart ich träumend Mitternacht: -
da hat der Sturm mit rauhem Stoße
die Kuppelfenster zugekracht.
Kristallner Hagel glitzert nieder,
die Wolken falten sich zum Zelt.
Und Geisterhand entrückt mich wieder
hinüber in des Schlummers Welt.

http://www.christian-morgenstern.de/lyr ... exips.html

Liebe Grüße von Inez :lol:

Inez

Beitrag von Inez » 4. Jun 2005, 21:45

An Christian Morgenstern

Der Abend bringt ein "Ave santa
Maria"
mit auf seinem Schwung....
Ich las mich in die Dämmerung;
ein lustig Lieb ist deine Phanta
und ihr seid beide kühn und jung.

Sie führt dich in die blaue Ferne
und giebt dir auf den Wolken Rast.
Du Glückskind, wetten will ich fast,
daß du die Taschen voller Sterne,
die Seele voller Jubel hast.

Was stören dich dann noch die niedern
Gemäuer - Tote Trümmer sinds....
Fühlst auf der Stirn die Hand des Kinds,
der Phanta, die dich kränzt mit Liedern,
du wundersamer Märchenprinz!.......

Rainer Maria Rilke

Liebe Grüße von Inez :lol:

Moni

Beitrag von Moni » 5. Jun 2005, 20:07

Hallo,

ganz herzlichen Dank ! Angeregt von Deinen Beiträgen und dem Rilke-Gedicht habe ich heute selbst etwas in Morgensterns "Phantas Schloss" gestöbert und möchte diese Verse meinem Dank mitgeben:

Christian Morgenstern:
Andre Zeiten, andre Drachen


Immer nicht an Mond und Sterne
mag ich meine Blicke hängen -:
Ach man kann mit Mond und Sternen,
Wolken, Felsen, Wäldern, Bächen
allzuleichtlich kokettieren,
hat man solch ein schelmisch Weibchen
stets um sich wie Phanta Sia.

Darum senk ich heut bescheiden
meine Augen in die Tiefe.
Hier und da ein Hüttenlichtlein;
auch ein Feuer, dran sich Hirten
nächtliche Kartoffeln braten -
wenig sonst im dunklen Grunde.
Doch! da drunten seh ich eine
goldgeschuppte Schlange kriechen . . .

Hochromantisches Erspähnis!
Kommst du wieder, trautes Gestern,
da die Drachen mit den Kühen
friedlich auf den Almen grasten,
wenn sie nicht grad Flammen speien
oder Ritter fressen mussten -
da der Lindwurm in den Engpass
seinen Boa-Hals hinabhing
und mit grünem Augenaufschlag
Dame, Knapp und Maultier schmauste -
kommst du wieder, trautes Gestern?

Eitle Frage! Dieses Schuppen-
Ungetüm da drunten ist ein
ganz modernes Fabelwesen,
unersättlich zwar, wie jene
alten Schlangen, doch auch wieder
jenem braven Walfisch ähnlich,
der dem Jonas nur auf Tage
seinen Bauch zur Herberg anbot.

Feuerwurm, ich grüße froh dich
von den Stufen meines Schlosses!
Denn ob mancher dich auch schmähe,
als den Störer stiller Lande,
und die gelben Humpeldrachen,
die noch bliesen, noch nicht pfiffen,
wiederwünschte, - ich bekenne,
dass ich stolz bin, dich zu schauen.
Höher schlägt mir oft das Herze,
seh ich dich auf schmalen Pfaden
deine Wucht in leichter Grazie
mit dem Flug der Vögel messen
und mit Triumphatorpose
hallend durch die Nächte tragen.

Sinnbild bist du mir und Gleichnis
Geistessiegs ob Stoffesträgheit!
Gleichnis bist du neuer Zeit mir,
die, jahrtausendalter Kräfte
Erbin, Sammlerin, sie spielend
zwingt und formt, beherrscht und leitet!

Andre Zeiten, andre Drachen,
andre Drachen, andre Märchen,
andre Märchen, andre Mütter,
andre Mütter, andre Jugend,
andre Jugend, andre Männer -:
Stark und stolz, gesund und fröhlich,
leichten, kampfgeübten Geistes,
überwinder aller Schwerheit,
Sieger, Tänzer, Spötter, Götter!

Liebe Grüße von Moni :lol:

Inez

Morgenstern antwortet

Beitrag von Inez » 5. Jun 2005, 22:22

Hallo Moni,

... nur der Vollständigkeit halber. C. Morgenstern antwortet R. M. Rilke auf sein Briefgedicht, das Rilke selbst 1924 gegenüber seinem Verleger als höchst "überflüssig" bezeichnet, als dieser ihn bittet, es veröffentlichen zu dürfen...

Die Antwort C. Morgensterns aus dem Nachlass ist noch nicht fürs Internet freigegeben , deshalb hier nur ein kleiner Ausschnitt daraus:

[Antwort auf ein Briefgedicht
Rainer Maria Rilkes]

Die Taschen voller Sterne?
Ich wäre Fortunat?
Ich barg' so süße Kerne...

Vielleicht weiss jemand mehr ?

Liebe Grüße nach Phanta-sia von Inez :lol:

.Sabine.
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Beitrag von .Sabine. » 12. Nov 2005, 21:17

Hallo,

gibt es aus diesem Brief an Christian Morgenstern vom 17.9. 1896 mehr als dieses Gedicht ? Leider beginnt meine Briefausgabe erst im Jahr 1897 :cry: !

Sabine :lol:
"Ich lerne sehen.... " (Rainer Maria Rilke)

Paula
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Registriert: 29. Feb 2004, 11:01

Beitrag von Paula » 18. Nov 2005, 18:02

Hallo Sabine,

am 17.9.96 schreibt R.M. Rilke an Christian Morgenstern aus Prag:

Geehrter Herr,
gestern abends habe ich "In Phantas Schloß" zu Ende gelesen; Alle Gedichte einmal manche zweimal "Mondaufgang" und "Epilog" wohl zehnmal. - Diese statistische Darstellung wird noch eine tüchtige Steigerung erfahren....
Das....... "und Mensch sein heißt ihm König sein"..... klang noch in mir, als ich auf die erste leere Seite Ihres Buches schrieb:

"Der Abend bringt ein "Ave santa
Maria" mir auf seinem Schwung......
Ich las mich in die Dämmerung:
Ein lästig Lieb ist Deine Phanta
Und ihr seid beide kühn und jung.

Sie führt dich in die blaue Ferne
Und gibt dir auf den Wolken Rast.
Du Glückskind, wetten will ich fast,
Daß du die Taschen voller Sterne,
Die Seele voller Jubel hast.

Was stören dich dann noch die niedern
Gemäuer - Tote Trümmer sinds....
Fühlst auf der Stirn die Hand des Kinds,
Der Phanta, die dich kränzt mit Liedern,
Du wundersamer Märchenprinz!.......

... und "Mütterchen Dämmerung sieht mir mit mildem Lächeln zu"....

In sympatischer Verehrung:
Renè Maria Rilke.


Liebe Grüße von Paula :lol:

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