Rilkes Verhältnis zu Steiner

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stilz
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Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

Beitrag von stilz » 5. Mai 2008, 14:12

    Oh wie schade, daß dieser Briefwechsel also offenbar "versiegt" ist!

    Lieber lilaloufan, danke jedenfalls für's Herausfinden.

    Lustig finde ich den Hinweis auf die "Schulmeisterei", denn:
    Rudolf Steiner hat geschrieben:Bemerkungen zu einzelnen Aufsätzen einer Zeitschrift hinzuzufügen erscheint, vom Standpunkte eines Redakteurs betrachtet, geradezu wie Schulmeisterei auf ein anderes Gebiet übertragen. Ich kann aber nichts dafür, dass mir nach dem Lesen des Aufsatzes «Der Wert des Monologs» etwas einfällt, das mir der Erwähnung wert erscheint.
    :lol:

    In einem privaten Briefwechsel eine Diskussion weiterzuführen, wär doch schließlich noch etwas anderes gewesen und hätte niemals mit "Schulmeisterei" verwechselt werden können, findet jedenfalls,

    mit einem lieben Gruß,

    stilz

    P.S.: Ich persönlich bin jedenfalls geneigt, in diesem Fall Rudolf Steiners Schweigen als "Zustimmung" zu verstehen...
    "Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

    MikeInMKE
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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von MikeInMKE » 5. Mai 2008, 17:31

    Habe ich es übersehen? -- wann hat Rilke diesen Aufsatz "Der Wert des Monologes" geschrieben? Das wäre sehr interessant für meine Studie, in der ich chronologisch vorgehe. Danke im Voraus.
    Mike

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    lilaloufan
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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von lilaloufan » 5. Mai 2008, 21:22

    In Posting 8304 hab' ich das Datum erwähnt. Hier die Seite:
    8304.jpg
    8304.jpg (235.86 KiB) 5462 mal betrachtet
    »Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

    MikeInMKE
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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von MikeInMKE » 6. Mai 2008, 06:52

    Danke. Dass Rilke das so früh geschrieben hat... nun muss ich ein bisschen umdenken und überlegen, ob ich das einbauen sollte... :wink:

    Mike

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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von lilaloufan » 6. Mai 2008, 14:40

    Martina Maria Sam, Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften am Goetheanum, Dornach/Schweiz, bestätigt mir gerade die bedauerliche Auskunft von Professor Walter Kugler und gibt noch einen interessanten Hinweis:

    «Leider sind uns ja auch diese Rilke-Briefe im Rudolf Steiner-Archiv nicht im Original erhalten. Vermutlich hat Rilke jedoch dem Antwort-Brief ein Gedicht und ein Drama-Heftchen (mit Widmung) beigelegt. Näheres finden Sie in meinem Beitrag "Die Wertigkeit des Wortes. Rainer Maria Rilke und Rudolf Steiner im Gespräch über die Sprache. (Anhang: Eine Widmung und eine unbekanntes Gedicht Rainer Maria Rilkes)" in: "… das Wort nur eine Gebärde". Jahrbuch für Schöne Wissenschaften. Dornach: Verlag am Goetheanum 2006.» ISBN 3-7235.1252-6
    »Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von stilz » 26. Okt 2009, 19:06

    Im Essay "Die Erde unsichtbar machen. Das Zukünftige im Werk Rainer Maria Rilkes" (im Rilke-Schwerpunkt des gerade erwähnten "Jahrbuchs für Schöne Wissenschaften" 2006) berichtet Almut Bockemühl von einer mündlichen Äußerung Rudolf Steiners über Rilke (ihr selbst wiederum mündlich mitgeteilt von Elisabeth Klein), es war Anfang der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts:

    "Rainer Maria Rilke, der hat ein so feines Sinnesnervensystem, wenn der eine Orange in die Hand nimmt, so empfindet er alles, was um die Orange herum ist, mit - und das ist dann das Gedicht."

    :D Sehr schön ausgedrückt, finde ich... allerdings: gar so mühelos, wie das klingt, sind Rilkes Gedichte wohl doch nicht entstanden.
    An die Gräfin Sizzo schreibt er (am 16. Dezember 1923), nein, nicht über eine Orange, aber immerhin über den Duft einer "Citrone":

    "Ihre Bitterkeit, so zusammenziehend sie im Geschmack sich geltend macht, als Duft eingeatmet, gibt sie mir eine Sensation von reiner Weite und Offenheit - ; wie oft habe ichs bedauert, daß wir allen derartigen Erfahrungen gegenüber so endgültig verstummen, so sprachlos bleiben. Wie erleb ich ihn, den Citronen-Geruch, weiß Gott, was ich ihm zu Zeiten verdanke ..., und wenn ich wirklich, wörtlich wiederholen soll, was er mir in die Sinne diktiert: Fiasko!"

    :D Ingrid

    P.S.: Hier noch ein "neues" Rilke-Gedicht aus ebendiesem Jahrbuch...
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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von lilaloufan » 1. Mär 2014, 12:08

    Hier noch eine Äußerung von Steiner — aus dem Jahre 1900.

    l.
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    Re: Rilkes Verhältnis zu Steiner

    Beitrag von Friede-Rike » 18. Apr 2014, 13:04

    Den Brief Rilkes kannte ich nicht und freue mich sehr, dieses Kleinod hier gefunden zu haben. Mit Steiner fühle ich mich, ehrlich gesagt, nicht so verbunden. Daher wundert es mich nicht, dass er den Brief unbeantwortet ließ. Ich glaube nicht, dass Rilke ihn "schulmeistern" wollte. Doch ich kann mir vorstellen, dass er es so empfand. Ich finde diesen Brief in seiner Zartheit und Klarheit, in seiner Poesie und Sprachmelodie unglaublich berührend und intensiv. Dazu sehr authentisch, ohne Pathos und Selbstdarstellerei.

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