Lebensweg

Rilkes Eltern und Familie, seine Kindheit, Prag, St. Pölten

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Tubs1

Lebensweg

Beitrag von Tubs1 » 9. Jul 2005, 14:26

Inwiefern wirkte sich Rilkes Kindheit (speziell die Erziehung seiner Mutter) auf seinen weiteren Lebensweg aus? :

e.u.
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Beitrag von e.u. » 9. Jul 2005, 14:42

Hallo,
das ist schon ein großes Thema.
Als Einzelkind einer deutschen Familie in Prag (geb. 1875) hatte er ziemlich hochgespannte Erwartungen v.a. der Mutter zu erfüllen. Für die vorgezeichnete Militärkarriere kam er ja in österreichische Kadettenanstalten (und musste am dortigen System scheitern), das Jura-Studium, das der Onkel bezahlte, war sicher die schlechte Alternative, denn schon als Jugendlicher war Rilke ziemlich sicher, dass er Dichter war und nichts anderes sein wollte. Da blieb wohl nur übrig, wegzugehen. Während seiner Zeit in München (ab 1896) kam dann für ihn persönlich der Durchbruch. Das kann man alles ganz gut indirekt in den Erzählungen 'Die Turnstunde' und 'Ewald Tragy' nachlesen.
Ja, und nach Prag wollte Rilke (wg. Kindheit) nie mehr wirklich zurück. Er hasste die Stadt und schilderte sie dennoch sehr poetisch in dem Gedichtzyklus 'Larenopfer'.
Aber dazu gibt's schon eine Menge Forschungsliteratur. Wer's kurz mag, kann das in der dtv-Monografie von Stefan Schank nachlesen, wer's ausführlich lieber hätte, könnte zum ersten Band der Biografie von Ralph Freedman greifen.
Viel Freude dabei wünscht e.u.

gliwi
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Beitrag von gliwi » 9. Jul 2005, 23:52

Ich ergänze: Viel erspüren kann man aus dem Gedicht: "Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein", finde ich. Es ist hier schon eingestellt.
Gruß
gliwi

e.u.
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Beitrag von e.u. » 10. Jul 2005, 09:00

Danke, gliwi, für den Hinweis auf das wichtige Gedicht.
Noch etwas: Wir dürfen uns vielleicht nicht ganz vom Stil der Weihnachtsbriefe an die Mutter beeindrucken lassen. Das erscheint mir als eine ziemlich ritualisierte Angelegenheit, die weniger Rilkes persönliches Verhältnis zur Mutter wiedergibt, als eine typische Situation mit Rilkes Strategien der Bewältigung. Es wäre schön, wenn jetzt bald mal alle (verfügbaren) Briefe an die Mutter veröffentlicht wären. Das könnte (vielleicht) einen differenzierteren Einblick geben.
Ein gutes 'Korrektiv' sind auch Berichte anderer Personen über Rilkes Mutter, z.B. die Erinnerungen an Rilke von Hertha Koenig (aus der Münchner Zeit, allerdings!).
e.u.

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