Rilkes Nachlaß, Testament

Rilkes Eltern und Familie, seine Kindheit, Prag, St. Pölten

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Mari
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Rilkes Nachlaß, Testament

Beitrag von Mari » 24. Jan 2009, 10:48

Hallo Rilkefans,
viele Fragen.

Wer weiß etwas über den Nachlaß von Rilke ?
Ich habe hier an anderer Stelle Folgendes gelesen:
"Das Rilke-Archiv in Gernsbach ist ein Familienarchiv und bewahrt Rilkes Nachlass auf. Betreut wird es von Rilkes Enkel Christoph Sieber-Rilke und seiner Frau Hella (beide sind in Rilkeausgaben entweder Mitherausgeber, oder es wird ihnen gedankt). Frau Hella Sieber-Rilke kann nicht auf alle Anfragen antworten, sie tut, was sie kann."
Hat jemand eine Adresse oder eine E- Mail Adresse davon ?


Gibt es irgendwo sein Testament ?

Beruht "Höhenluft" auf Tatsachen ?

Zitat aus dem Buch Rilke "Leben und Werk" von Wolfgang Leppmann:
"So schildert Höhenluft die Gemütsverfassung einer wegen eines Liebesverhältnisses aus dem Hause gewiesenen jungen Mutter,die mit ihrem Kind lieber arm, aber unabhängig in einer Dachkammer hauste , als zur gutsituiert-philiströsen Familie zurückzukehren ?"

Zählten Kaufhausbesitzer auch zu gutsituiert - philiströsen Familien ?

Wo hat sich Rilke 1898 aufgehalten ? (Dresden, Chemnitz ? )

Wann hat Rilke das erste Mal mit dem Dichter Prinz Emil von Schönaich - Carolath- Schilden Kontakt gehabt ? ( schon vor 1899 ? )


Ist Rilke im März 1898 auch in Dresden gewesen, vor seinem Prag Vortrag ?
Kann ein "Nachlaßverwalter oder Beauftragter mit einem langen scharzen Mantel" ca. 1928/30 aufgrund seines Testamentes in Dresden gewesen sein ?

Kennt jemand das "Schmargendorfer" Tagebuch , das Rilke seit 1898 führte und gibt es dort vielleicht Antworten auf einige obige Fragen ?

Sagt den Nachfahren von Rilke oder sonstigen Kennern von Rilke der Name " Martha Johanna Therese Schuschwary " etwas ?

Weis jemand etwas darüber , weshalb Rilke im Jahre 1901 seiner Heirat mit Clara Westhoff in Bremen, im Mai 1901 auf dem "weißen Hirsch" in Dresden war ?

Harald
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Re: Rilkes Nachlaß, Testament

Beitrag von Harald » 24. Jan 2009, 18:08

Vier bescheidene Antworten:
Rilkes Testament ist abgedruckt in Rudolf von Salis, R. M. Rilkes Schweizer Jahre, 1936.
Schuschwary war ein kleiner Fach-Verlag in Dresden. Die Sächsische Landesbibliothek hat die Adressbücher für diese Zeit.
Für Aufenthaltsdaten ist die Rilke Brief-Konkordanz hilfreich:
http://www.rilke.ch/brief-konkordanz.pdf
So gibt es einen Brief aus Dresden von 1896.
Das Schmargendorfer Tagebuch ist hier zu finden:
Briefe und Tagebücher aus der Frühzeit, 1899 bis 1902,
von Rainer Maria Rilke, Ruth Sieber-Rilke, Carl Sieber - 1931
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

gliwi
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Re: Rilkes Nachlaß, Testament

Beitrag von gliwi » 25. Jan 2009, 00:42

Noch eine ganz bescheidene. Natürlich waren Kaufhausbesitzer gutsituiert. Ob sie auch philiströs waren, das kann man sicher nicht generell sagen.
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

stilz
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Re: Rilkes Nachlaß, Testament

Beitrag von stilz » 25. Jan 2009, 15:50

Noch mehr bescheidene Antworten:

Für die Fragen, wann Rilke sich wo aufgehalten hat, sind die beiden Bände "Rilke Chronik seines Lebens und Werkes" von Ingeborg Schnack sehr zu empfehlen.
Darin finde ich allerdings nichts von einem Dresden-Besuch vor dem Prager Vortrag im März 1998. Danach war Rilke in Arco "zum Besuch seiner Mutter", anschließend (wenn ich nichts übersehen habe) in Florenz (Florenzer Tagebuch) und Viareggio, Genua, Wien, im Juni nochmals in Prag, nach kurzem Berlin-Aufenthalt reist er nach Zoppot zu Lou A-S; am 1. August bezieht er dann das Zimmer in Berlin-Schmargendorf; im Dezember noch eine kurze Reise: Hamburg, Bremen, Worpswede, dann zurück nach Berlin.

Zu Emil von Schönaich-Carolath erfahre ich in der Chronik von einem Besuch Rilkes (mit Clara) auf dem Holsteinischem Besitz des Prinzen im September 1901 und lese dann:
"Schon aus München hat R. den Prinzen, der seinen frühen Gedichten wohlwollend gegenüberstand, um einen Beitrag für "Wegwarten III" gebeten (9.11.1896)."

Zum Sanatoriumsaufenthalt im "Weißen Hirschen" in Radebeul: Es ging wohl um die Erholung von einem Scharlachfieber. In einem Brief vom 22. April heißt es "Ich bin augenblicklich Rekonvaleszent nach einer längeren und nicht ganz leichten Krankheit, und die Feder liegt mir schwer in der entwöhnten Hand" - aus dem "Hirschen" schreibt Rilke dann (an Arthur Schnitzler), er sei "hier einer strengen Cur unterworfen".


Das handschriftliche Testament Rilkes befindet sich übrigens im Burgmuseum zu Raron, ganz in der Nähe zu seinem Grab auf dem kleinen Friedhof der Bergkirche; hier habe ich von meinem Besuch dort erzählt und auch eine kleine Passage aus dem Testament abgeschrieben.
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

jerrywbgeorg
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Re: Rilkes Nachlaß, Testament

Beitrag von jerrywbgeorg » 22. Jan 2013, 00:03

Interessant
Hat irgendjemand gefunden, dass Rilkes Testament in einer kleinen Gesammelte Werke erschien?

Rilke Werke in 6 Baenden
Insel Verlag 1980
Einleitung von Beda Allemann
grau-schwarz marmoriert, 16,8 x 10,5 cm.
ausgewählt und herausgegeben von Insel-Verlag.
Textfassung nach der Ausgabe
Rainer Maria Rilke, sämtlicher Werke,
herausgegeben vom Rilke-Archiv
in Verbindung mit Ruth Siebener-Rilke
besorgt durch Ernst Zinn
Das Testament steht in den letzen Teil Band 6, Aus dem Nachlass,Erlaeuterungen und Nachwort von Ernst Zinn

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