Ruth Rilke und die Nachfahren

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ulrich
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Ruth Rilke und die Nachfahren

Beitrag von ulrich » 15. Jun 2003, 01:29

Weiss jemand etwas Genaueres ueber das Schicksal von Ruth Rilke, Rilkes einziger Tochter? Was waren die Umstaende, die zu ihrem und ihres Mannes gemeinsamen Freitod in den 70er Jahren fuehrten ?

Und noch etwas: weiss jemand etwas ueber seine Nachfahren, gibt es Urgross-enkel? Der Familienname Rilke ist ja nicht zu ungewoehnlich in Deutschland, vielleicht leben die Nachfahren aber auch ganz woanders...
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--Pierre Teilhard de Chardin

Gast

Beitrag von Gast » 15. Jun 2003, 07:44

Um Mißverständnissen vorzubeugen:
Ruths 'Kinder' leben Gottseidank immer noch, auch Rilkes Urenkel usw. Sie kümmern sich alle sehr um Rilkes Werk. Wer die Rilke-Ausgaben des Insel Verlags genau durchsieht, wird das auch bemerken. Bei den Tagungen der Rilke Gesellschaft sind sie häufig und unkompliziert zu sehen und zu sprechen. Wir sollten ihnen aber doch eher den Abstand zum 'Fan-Klult' zubilligen.

thalia
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Beitrag von thalia » 19. Jun 2003, 09:49

Hi Ulrich,

ich weiß leider auch nichts genaueres darüber, habe mich aber vor einigen Jahren damit bißl befasst...Im Rilke-Museum in Sierre hat uns die dort beschäftigte Frau erzählt, die beiden waren damals sehr krank gewesen und haben sich aus dem Grund für einen gemeinsamen Tod entschieden. Ich weiß es nicht, ob es stimmt, oder ob es eine offizielele Version ist.
In Berlin habe ich dann irgenwas in den Zeitungen (aus dem Zeitungsarchiv, versteht sich) zu finden versuch, bin aber nicht fundig geworden, gar keine Notiz, gar nix. Schon seltsam. Vielleicht sollte man in den regionalen Zeitungen nachschauen, dafür hatte ich allerdings keine Lust mehr...Im Grunde ist es ja für die Forschung ja gar nicht wichtig. Vielleicht wollte die Familie so.

Ich habe eine Kopie der Todesanzeige von Ruth Fritzsche (verw. Sieber geb. Rilke) und Willy Fritzsche. Das ist alles.

Warum interessierst Du Dich dafür?

Der Urenkel von Rilke heißt Konstantin Beyer.

LG Thalia

ulrich
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Beitrag von ulrich » 19. Jun 2003, 23:50

Danke Dir fuer Dein posting. Ja, warum interessiert es mich bzw uns ? Das ist eine Frage die ich eigentlich nicht eindeutig beantworten kann. Ich wuenschte mir allerdings, es gaebe Materialien von/ueber Ruth, Erinnerungen, Gedanken zu Ihrem Vater, einfach auch aus menschlicher Sicht ohne das literarische Phaenomen. Vielleicht wird jemand ja mal ueber sie schreiben. Das ist schon ein seltsames Schicksal, einen solchen Vater zu haben, der meistens nur per Briefwechsel praesent ist, dann auch relativ frueh stirbt und der dennoch ueberall ist mit seiner Arbeit, mit Kunstwerken, die ihn verklaeren. Ja, was ist das fuer ein Leben, Rilkes einziges Kind zu sein ?, doch das interessiert mich schon, eben aus rein menschlichem Interesse.
Also danke nochmal und Gruesse nach ...
Ulrich
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thalia
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Beitrag von thalia » 20. Jun 2003, 20:29

Tja, es ist eine gute Frage: warum interessiert es uns?*g* Nach der Beschäftigung mit Rilkes Werk habe ich mit seiner Biographie auseinandergesetzt. Ich habe mich gefragt, wie ist der Mensch gewesen, der diese Gedanken geschrieben hat. Zur Biographie gehört es auch sein Umfeld, seine Familie. Man glaubt vielleicht, man könnte, aufgrund dieses Wissens, irgenwelche zusätzliche Schlüsse ziehen. Ich glaube aber (mittlerweile), daß es nicht ganz stimmt.

HAst Du übrigens mal einen Roman von Antonia Byatt "Besessen" gelesen? Es ist eigentlich ein Krimi. Es handelt sich um die Literaturwissenschaftler, die in ihrem Recherche-Wahn sogarn in das Grab von dem Schriftsteller greifen (da sollte der letzte Beweis für irgendeine These mit-vergraben sein). Schon witzig, wie weit der Mensch (womöglich ich) gehen kann. Es hat mich nachdenklich gemacht.

LG Thalia

ulrich
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Beitrag von ulrich » 21. Jun 2003, 00:30

Ja, aber das eigentliche Thema dieses wunderbaren Buches ist die Fuegung, die Verbindung der Protaganisten der Gegenwart mit denen der Vergangenheit, das Schicksal. Wir sind eben auf der Suche nach etwas, vielleicht nach uns selbst und muessen bestimmte Wege gehen um daraus zu lernen. Vielleicht, wenn wir uns mit Rilke beschaeftigen, hoffen wir, irgendwie auf uns selbst zu treffen. Eine moegliche Theorie, und wie Goethe schon sagte: 'Die Wuensche verhuellen uns das Gewuenschte'..
Freundliche Gruesse, danke fuer das posting
U
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Arne

Beitrag von Arne » 22. Jul 2004, 09:56

Obwohl die Beiträge schon älter sind, vielleicht noch ein Nachtrag: Die Frage nach den Familienbeziehungen ist nicht ganz so persönlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Guardini spricht in seinem Buch davon, daß die Schwieriigkeiten Rilkes, Bindungen einzugehen (die sich ja nicht nur im familiären Bereich, sondern auch in seinen ruhelosen Reisen spiegeln), es umgekehrt ermöglicht haben, etwas über das Wesen des Daseins zu erfahren (Romano Guardini: Rainer Maria Rilkes Deutung des Daseins, München 1977 (EA 1953), S.46).

Frappierend ist in diesem Zusammenhang die Nähe zu Heideggers Seinsdeutung. Man könnte auf die Idee kommen, daß Heidegger Rilke mehr verdankt, als er in dem Aufsatz 'Dichter in dürftiger Zeit' in den 'Holzewegen' zugibt. Kennt jemand einschlägige Literatur?

Herzlichst Arne

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Zeitzeugen Rilkes?

Beitrag von Barbara » 23. Jul 2004, 16:56

Hallo,

gibt es heute eigentlich noch Zeitzeugen R.M. Rilkes, die ihm persönlich begegnet sind und darüber berichten? Ich habe die Erfahrung gemacht - in einem philosophischen Kreis -, dass solche Schilderungen sehr fruchtbar sein können, eine Person nicht nur aus seinen Werken und aus Sekundärliteratur kennenzulernen . Oft erfährt man direkt etwas aus dem Leben, was vielleicht in irgendwelchen "schlauen" Büchern nicht steht... und die Person wird dadurch "lebendiger" und auch für das Werk bekommt man einen weiteren Blick.

Allerdings müssten - bei Rilke - diese Zeitzeugen ja schon ziemlich alt sein :wink: ...

Viele Grüße von Barbara

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Rilke und die Nachfahren

Beitrag von Renée » 26. Jul 2004, 17:35



Einige Ergänzungen:

Leider stimmt es nicht, dass noch alle Kinder Ruths am Leben sind. Christine Sieber-Rilke, für die Rilke sich noch übte "in der Kunst Großvater zu sein", (1923-1948) verunglückte bei einem Unfall mit der Straßenbahn in Kiel, wo sie zum Studium war. Ihre Schwester Josepha ist in diesem Frühjahr gestorben.... So lebt nur noch Christoph Sieber-Rilke.

Ruths erster Mann, Carl Sieber, starb schon 1945 in Weimar, sie heiratete in zweiter Ehe den Bratschisten Willy Fritzsche, mit dem sie erst nach Bremen, dann nach Fischerhude übersiedelte. Dort ist auch beider Grab, ebenso wie das Clara Rilke-Westhoffs.

Menschen, die Rilke noch persönlich gekannt haben, wird es kaum noch geben. Nach dem Krieg war das anders - J.R. von Salis z.B. konnte man begegnen, auch Frau Nanny Wunderly-Volkart. Zu der Rilke-Ausstellung in Marburg 1947 kamen Clara, Ruth und Christine - ich kann mich gut daran erinnern.

Und so fortan, wie Goethe zu unterschreiben pflegte,
Renée

gliwi
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Beitrag von gliwi » 26. Jul 2004, 17:47

hallo Renée,
heißt das: du warst dabei? Wenn ja, wie alt warst du damals?
Neugierige Grüße
gliwi

Barbara
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Beitrag von Barbara » 26. Jul 2004, 18:04

Hallo,
... wenn ja, meine HOCHACHTUNG vor den Senioren hier im Internet-Forum! Ich finde das ganz toll !!! :!:
Liebe Grüße von Barbara
ps.: ...und danke für die Information zu den Zeitzeugen :lol:

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Anna B.
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Frage an alle älteren Forums-Besucher , liebe SeniorInnen...

Beitrag von Anna B. » 6. Jul 2005, 11:29

Hallo,

es ist zwar schon etwas her, dass zu diesem Thema ein Beitrag geschrieben wurde , aber eine Frage an alle SeniorInnen und ältere Forums-Besucher, die Rilke seit ihrer Jugend "lieben", möchte ich gerne hier stellen :

wie war das damals ? wie habt Ihr Rilkes Gedichte "entdeckt" ? was habt Ihr von Rilke - in Eurer Jugend - gelesen und was hat Euch besonders gefallen ?

Sicher eine sehr neugierige Frage - wäre schön, wenn Ihr etwas darüber erzählt ...

Danke und liebe Grüße von Anna :lol:

Arena
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Frage an Seniorinnen

Beitrag von Arena » 8. Jul 2005, 09:59



Dazu wäre viel zu sagen - aber ich fange mal an: es muss 1938 gewesen sein, als ich von einer älteren Freundin die Insel-Bücher "Gedichte" und "Der Gedichte anderer Teil", ausgewählt von Katharina Kippenberg, geschenkt bekam. Vielleicht war ich damals, 14jährig, nach dem plötzlichen Tod meiner Eltern besonders aufnahmebereit - trostbedürftig war ich auf jeden Fall.

In der Lehrerbücherei der Sophienschule in Hannover, auf die ich von 1939 bis zum Abitur ging, stand die Ausgabe der "Gesammelten Werke" von 1927 - die durfte ich mir einen Band nach dem anderen ausleihen. Ich weiß noch, wie sehr mich die "Wand" aus dem "Malte" damals beeindruckt hat, als es ja nach den Bombennächten viele solcher Wände zu sehen gab.

Kein Wunder, dass ich dann anfing, Germanistik zu studieren , bei Max Kommerell, der schon in meinem ersten Semester über "George und Rilke" las. Und dann kamen 1945 Anton und Katharina Kippenberg nach Marburg und ich ging ihnen zur Hand in vielen praktischen Dingen, aber auch in ihren Sammlungen. Und dann half ich bei der ersten Rilke-Ausstellung zu Katharina Kippenbergs Gedenken 1947 - davon habe ich oben schon erzählt.

Kein Wunder, dass ich dem Werk und Leben Rilkes mein Leben lang verbunden geblieben bin!

Soweit die ersten Begegnungen! Renée

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Beitrag von Anna B. » 10. Jul 2005, 21:23

Hallo Renèe,

danke für Deine ausführliche Antwort ! Welches war denn Dein allerliebstes Rilke-Gedicht in der Jugend ? Habt Ihr auch gemeinsam Rilke-Gedichte gelesen ? Wurde Rilke damals auch in der Schule, im Unterricht, gelesen ?
Hat sich Deine Beziehung zu Rilkes Gedichten mit der Zeit verändert (und wie) ?

Ich weiss, das sind sehr viele Fragen auf einmal , wäre trotzdem schön, wenn Du dazu etwas berichten könntest !

Und vielleicht gibt es hier im Forum noch andere SeniorInnen, die dazu etwas berichten können ?! Wäre superklasse !!!

Liebe Grüße von Anna :lol:

ps.: Ihr dürft auch ein PN an mich schreiben dazu :lol: !

Gast

Beitrag von Gast » 7. Okt 2005, 07:50

Hallo,

das Rilke heute in der Schule gelesen wird, ist selbstverständlich, aber, wann wurden zuerst Rilke-Texte in der Schule gelesen ???

Gabi :lol:

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