Rilke und Rolland

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Mathilda
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Rilke und Rolland

Beitrag von Mathilda » 1. Apr 2007, 10:57

Hallo,

gibt es irgendeinen Bezug zwischen Romain Rolland und Rainer Maria Rilke ?

Mathilda :lol:

stilz
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Beitrag von stilz » 10. Apr 2007, 14:20

Hallo Mathilda,

am 1. Dezember 1941 schrieb Romain Rolland seine "Erinnerungen an meinen Nachbarn" nieder.
In meinem kleinen detebe-Bändchen mit dem Titel "Briefe an eine junge Frau" sind nicht nur diese Briefe, sondern auch Rollands "Erinnerungen" abgedruckt.

Die beiden wohnten lange Zeit "ein paar Türen voneinander entfernt" in Paris, bis Stefan Zweig sie schließlich zusammenbrachte, am 17. März 1913.
Es kam danach wiederholt zu gegenseitigen Besuchen, Rilke schien "froh, einen Teil dessen, was er an seinen langen, einsamen Tagen in sich verschloß, ins Herz eines Freundes auszuschütten."

Im Dezember schreibt Rilke an Rolland "... ich war sehr glücklich über Ihren Besuch. Ich durchlebe eine schlimme Zeit (die übrigens schon etwas zu lang dauert), und wenn ich die Umstände betrachte, die mich ein wenig trösten und mir Kraft geben könnten, so stelle ich ganz zuoberst das glückliche Bewußtsein, Sie als Nachbarn und (wenn ich es zu sagen wagen darf) als großzügigen und nachsichtigen Freund zu haben..."

Auch über den Krieg schreibt Rolland: Rilkes Einrücken, der Verlust seiner Schriften und Briefe, wie Stefan Zweig schreibt: "Ein ganzes Stück seines Lebens ist brutal zerstört. Kunst- und Gedankenschätze verloren..." - seine (Rollands) eigenen Bemühungen und die der Pariser Freunde, etwas davon zu retten...

Und schließlich:
"Mit einzigartiger Beharrlichkeit wollte es unser Schicksal wenigstens, daß ich, nachdem ich zehn Jahre lang Rilkes Nachbar in Paris gewesen war, es nun in der Schweiz weiterhin war, zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tode." Rolland lebte in Sierre, als Rilke sich in Muzot niederließ.
"Und als er im Sanatorium Valmont starb, in dem ich nur allzuoft Gast gewesen war, hätte ich von meinem Fenster in Villeneuve aus vor dem goldenen Hintergrund des Sonnenuntergangs seinen aus dem Kerker und von den Qualen der Erde befreiten Atem entweichen sehen können. Denn ich habe aus der Nähe die tragischen Tage seines letzten Kampfs, denjenigen gegen die schreckliche und mysteriöse Krankheit, verfolgt. Und ich weiß, daß er diesem letzten Schlag des Schicksals das heilige Schweigen einer stolzen und einsamen Seele entgegengesetzt hat... The rest is silence..."


Lieben Gruß

stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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