Verbindung gesucht

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Carol

Verbindung gesucht

Beitrag von Carol » 27. Apr 2005, 17:30

Hi,

suche (dringend) die Zug- und Fähr-Verbindung von Kiel nach Kopenhagen vom 1. Mai 1904 , die wohl auch Rilke benutzt hat damals ? Kann mir bitte jemand helfen ?

Carol :lol:

Thomas727

Beitrag von Thomas727 » 2. Mai 2005, 11:28

Hi,

... und zogen auf einem anderen Wege wieder in ihr Land :wink: ! Heutzutage soll das ja sowieso auch mit verschiedenen Verkehrsmitteln möglich sein; wie am 24.6. Zug, Schiff, Flug... , dagegen am 11.6./14.6. nur per Bahn :lol: ! Wenn alles klappt - und ich an der Trave nicht aufgehalten werde - am 14.6. so kurz vor vier - nähe Lyksburg :wink:

Thomas :lol:

Carol

Beitrag von Carol » 2. Mai 2005, 17:25

Hallo,

Ja, viele Wege führen nach Rom, nach Venedig und auch: nach Kopenhagen :lol: ! Aber wie sah es denn nun 1904 aus damit ?

Es grüßt herzlich, Carol :lol:

Gast

Beitrag von Gast » 2. Mai 2005, 18:08

Hallo,
diese Rilke-Reise ist inzwischen sehr gut dokumentiert incl. Fahrpläne von Eisenbahnen und Fährschiff (von Kiel aus). Das kann man nachlesen in den Blättern der Rilke-Gesellschaft:
'Rilke und das Dänemark seiner Zeit' Heft 16-17, 1989/90 S. 93 . Leider habe ich den Band gerade nicht zur Hand. Aber irgendwer müsste ihn schon haben?
Mit guten Wünschen!

Paul A.
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Beitrag von Paul A. » 17. Okt 2007, 22:08

Was meinte denn Rilke zur Fahrt mit der Bahn ? Sah er es ähnlich wie Gerhart Hauptmann in diesem Gedicht ?


Gerhart Hauptmann: Im Nachtzug

Es poltert der Zug durch die Mondscheinnacht,
die Räder dröhnen und rasen.
Still sitz' ich im Polster und halte die Wacht
unter sieben schnarchenden Nasen.
Die Lampe flackert und zittert und zuckt,
und der Wagen rasselt und rüttelt und ruckt,
und weit, wie ins Reich der Gespenster,
weit blick' ich hinaus in das dämmrige Licht,
und schemenhaft schau' ich mein blasses Gesicht
im lampenbeschienenen Fenster.
Da rast es nun hin mit dem brausenden Zug
an Wiesen und Wäldern vorüber,
über Mauern, Stakete und Bäume im Flug,
und trüber blickt es und trüber.
Und jetzo, wahrhaftig, ich täusche mich nicht,
jetzt rollen über mein Schattengesicht
zwei schwere und leuchtende Tränen.
Und tief in der Brust klingt es und singt's,
und fiebernd das Herz und die Pulse durchdringt's,
ein wildes, ein brennendes Sehnen.
Ein Sehnen hinaus in das Mondscheinreich,
das fliegend die Drähte durchschneiden.
Sie tauchen hernieder und steigen zugleich,
vom Zauber der Nacht mich zu scheiden.
Doch ich blicke hinaus, und das Herz wird mir weit,
und ich lulle mich ein in die selige Zeit,
wo nächtlich tanzte am Weiher
auf Mondlichtstrahlen die Elfenmaid,
dazu ihr von minniger Wonne und Leid
der Elfe spielte die Leier.
Der Elfe, er spielte die Leier so schön,
die Gräslein mußten ihm lauschen,
der Mühlbach im Sturze vernahm's und blieb stehn,
vergessend sein eigenes Rauschen.
Maiblume und Rotklee weineten Tau,
und wonnige Schauer durchbebten die Au,
und Sänger lauschten im Haine.
Sie lauschten und lernten vom Elfen gar viel
und stimmten ihr duftendes Saitenspiel
so zaubrisch und rein wie das seine.
Vorüber, vorüber im sausenden Takt!
Kein Zauber nimmt dich gefangen,
der du schwindelhoch über den Katarakt
und tief durch die Berge gegangen.
Du rasender Pulsschlag der fiebernden Welt,
du Dämon, der in den Armen mich hält
und trägt zu entlegener Ferne!
Ich bliebe so gerne im Mondenschein
und lauschte so gerne verschwiegen allein
der Zwiesprach' seliger Sterne!
Rauchwolken verhüllen das dämmernde Bild
und schlingen weißwogende Reigen.
Doch unter mir stampft es und schmettert es wild,
und unter mir will es nicht schweigen.
Es klingt wie ein Ächzen, es rieselt wie Schweiß,
als schleppten Zyklopen hin über das Gleis
den Zug auf ehernen Armen.
Und wie ich noch lausche, beklommen und bang,
da wird aus dem Chaos Donnergesang,
zum Grauen zugleich und Erbarmen.
"Wohl sind wir ein rauhes, blutdürstend Geschlecht,
mit schwieligen Händen und Herzen.
Doch gebt uns zum Leben, zum Sterben ein Recht
und nehmt uns die Last unsrer Schmerzen!
Ja, könnten wir atmen, im keuchenden Lauf,
nur einmal erquickend, tief innerlich auf,
so, weil du den Elfen bewundert,
so sängen wir dir mit Donnergetön
das Lied, so finster und doch so schön,
das Lied von unserm Jahrhundert!
Willst lernen, Poetlein, das heilige Lied,
so lausche dem Rasseln der Schienen,
so meide das schläfrige, tändelnde Ried
und folge dem Gang der Maschinen;
beachte den Funken im singenden Draht,
des Schiffes schwindelnden Wolkenpfad,
und weiter, o beuge dich nieder
zum Herzen der Armen, mitleidig und mild,
und was es dir zitternd und weinend enthüllt,
ersteh' es in Tönen dir wieder!"
Es poltert der Zug durch die Mondscheinnacht,
die Räder dröhnen und rasen.
Still sitz' ich im Polster und halte die Wacht
unter sieben schnarchenden Nasen.
Die Lampe flackert und zittert und zuckt,
und der Wagen rasselt und rüttelt und ruckt,
und tief aus dem Chaos der Töne,
da quillt es, da drängt es, da perlt es empor
wie Hymnengesänge, bezaubernd mein Ohr,
in erdenverklärender Schöne.
Und leise aufschwillt es, und ebbend verhallt's
im schmetternden Eisengeklirre.
Und wieder erwacht es, und himmelauf wallt's
hervor aus dem Tönegewirre.
Und immer von neuem versinkt es und steigt.
Und endlich verweht's im Tumulte und schweigt
und läßt mir ein heißes Begehren,
das sinneberückende Zaubergetön
von himmlischen Lenzen auf irdischen Höhn
zu Ende, zu Ende zu hören.
"Wir tragen euch hin durch die duftende Nacht,
mit keuchenden Kehlen und Brüsten.
Wir haben euch güldene Häuser gemacht,
indessen wie Geier wir nisten.
Wir schaffen euch Kleider. Wir backen euch Brot.
Ihr schafft uns den grinsenden, winselnden Tod.
Wir wollen die Ketten zerbrechen.
Uns dürstet, uns dürstet nach eurem Gut!
Uns dürstet, uns dürstet nach eurem Blut!
Wir wollen uns rächen, uns rächen!"
"... Knaben, o werft den Mut/ nicht in die Schnelligkeit,/ nicht in den Flugversuch./ Alles ist ausgeruht:/ Dunkel und Helligkeit,/ Blume und Buch." (R.M. Rilke)

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