Raron

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Schmörr
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Raron

Beitrag von Schmörr » 2. Feb 2004, 17:20

Ich bewege mich häufig in diesem Forum, da ich sehr an Rilke interessiert bin. In diesem Sommer habe ich vor, mit einigen Freunden Rilkes Grab in Raron zu besuchen.
Ich habe mir auch Unterlagen aus dem Fremdenverkehrbüro zusenden lassen. Meine Frage: kann mir jemand Insidertips geben, der Raron schon besucht hat.
Liebe Grüße Schmörr

Karin
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Beitrag von Karin » 3. Feb 2004, 12:16

Hallo Schmörr!

Ich war schon in Raron. Unterhalb der Kirche gibt es einen großen Parkplatz, von da gibt es einen Fußweg hinauf zum Friedhof, besser gesagt es ist dort alles sehr eng, ein kleines abgeschiedenes Dorf, ich denke es darf nur die Bestattung hinauffahren zum Friedhof. Oben gibt es neben Kirche und Friedhof auch einen kleinen Shop mit Büchern und CDs über bzw. von Rilke und ein kleines Museum.
Sein Grab liegt auf der Seite der Kirche, die man schon vom Parkplatz darunter sieht, auf der Seite Richtung Tal, aber Du wirst es nicht verfehlen. Es ist unglaublich beeindruckend und ergreifend, davor zu stehen...
Wenn du noch Fragen hast, vielleicht kann ich sie beantworten!

Karin

P.S.: Unweit von Raron liegen Sierre (großes Rilke-Museum) und Muzot (Turm), ebenfalls sehr sehenswert und es wäre schade, dort nicht hinzufahren, wenn Du schon mal in der Gegend bist!

Schmörr
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Beitrag von Schmörr » 5. Feb 2004, 18:00

Danke, Karin für deine Informationen. Eine weiter Frage hätte ich noch:
Es werden geführte Wanderungen auf den Spuren Rilkes angeboten in deren Rahmen ein so genannter Rilkewein kredenzt wird. Lohnt es sich, bei einer dieser Wanderungen mitzumachen? Ich persönlich bin eher dafür, alles alleine erkunden zu wollen. Daher brauche ich auch im Vorfeld genügend Anregungen.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Schmörr!

Gast

Beitrag von Gast » 6. Feb 2004, 07:03

Hallo Schmörr!

Also davon weiß ich nichts! Ich war vor ca. 2 Jahren dort, möglich, daß die Wanderungen erst danach angeboten wurden.
Auf den Spuren Rilkes bin ich nur in Duino gewandelt, aber das ist eine andere Geschichte...
Ergreife, was Dich Dir bietet, wenn Du Lust auf Wandern und Wein hast, nur zu!!

Karin

Motz

Rilke Wein

Beitrag von Motz » 16. Feb 2004, 12:29

Betr. Rilke-Wein
In Raron ist ein kleiner Weinladen, der einen (sehr teuren) aber guten Rilke-Wein anbietet. Erfrischend und sehr kurzweilig ist, was der Wirt dazu erzählen kann. Wir haben uns 2 Stunden bei ihm köstlich unterhalten und haben dann natürlich eine kleine Menge auch des teuren Weines gekauft.
Die Weinwanderungen werden wohl jedes Jahr angeboten (unter http://www.sierre.ch nachfragen).
Viel Vergnügen!
Mo

Schmörr!

Rilke Wein

Beitrag von Schmörr! » 24. Mai 2004, 16:26

Hallo Mo !

Nächste Woche geht es ab nach Raron. Ich hoffe sehr, dass wir den Weinhändler finden, denn es sind einige Weinkenner und Genießer mit dabei. Unser 8) Chauffeur hat ohnehin die richtige Nase dafür. Im Vordergrund steht für mich natürlich Rilke, dessen Gedichte ich einzigartig finde.
Vielen Dank für deinen Tipp.
Liebe Grüße Schmörr

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Re: Raron

Beitrag von Schmörr » 25. Mai 2012, 21:50

Lilofan, du bist Rilke auf den Spuren, wunderbar.
Meine Spuren sind einfach und für mich ganz wichtig. Ich habe Rilkes Gedichte auswendig gelernt.nicht alle, meine.
Ich lese eure Beiträge in diesem Formum und habe Hochachtung vor eurem Wissen. Ich habe für mich entdeckt, dass Gefühle auszudrücken, zu wundervollen Gedichten werden und das genossen habe.
Wissenschaftlich kann ich da niemals folgen, aber meime Emotionen, warum ich viele Gedichte kenne ( auswendig) lässt sich nirgends einordnen, denn das ist die Spinnerei eines Ungebildeten.

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Re: Raron

Beitrag von Schmörr » 14. Jun 2012, 22:01

Kein Kommentar, klar....
Genau wie meine geschätzte Verwandtschaft.Ich liebe Rilkes Gedichte auf meine Weise.
Denn das Schöne ist nichts als des schrecklichen Anfang, den wir gerade noch ertragen und wir bewundern es so...
ihr wissenschaftlichen Zerpflücker. Ich höre euch gerne zu bzw. ich bin dabei...
Ich liebe Rilke, so wie er ist.
Danke

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Re: Raron

Beitrag von stilz » 15. Jun 2012, 13:05

Lieber Schmörr,

wegen des „Untertones“, den ich aus Deinem letzten posting herauszuhören meine, ist es mir wichtig, festzuhalten: daß ich auf Dein früheres posting nicht geantwortet habe, hat nicht etwa mit so etwas wie „Geringschätzung“ zu tun!

Auch ich liebe Rilke so, wie er ist, und für mich fühlt sich das, worüber wir uns hier austauschen, niemals wie „wissenschaftliches Zerpflücken“ an.
Tut mir leid, wenn es bei Dir anders ankommt (ob das wohl mit Deiner „geschätzten Verwandtschaft“ zu tun hat? Davon habe ich natürlich keine Ahnung...)
In Worten, zumal wenn es nur in schriftlicher Form ist, läßt sich halt nur „Gedankliches“ ausdrücken. Insofern hätte ich auf Dein damaliges posting höchstens mit einem Lächeln antworten können; und da ich finde, daß diese emoticons meine Gefühle nur sehr unvollkommen ausdrücken können, habe ich es dann bleibengelassen... weil ich nämlich keine Dichterin bin.
Und ich fände es außerordentlich schwierig, Gefühle in Worten auszudrücken, ohne daß auch Gedankliches dabei mitkommt.
Auch bei Rilke sehe ich das ja nicht so - sonst hätten wir hier wohl gar nichts, worüber wir uns in schriftlicher Form austauschen könnten...

Aber man sollte, wenn man etwas liest, niemals vergessen, daß das, was sich schriftlich festhalten läßt, immer nur ein kleiner Teil dessen ist, was in demjenigen lebt, der es geäußert hat. Das gilt nicht nur für Rilke, sondern auch für jeden von uns...


:D Was mich ein wenig wundert, das ist, daß Du uns, obwohl Du uns doch für „wissenschaftliche Zerpflücker“ hältst, dennoch gern zuhörst bzw gern mitliest.
Das erinnert mich an die Frage Vitos, ob man Rilkes Gedichte »wahrhaftig lieben und voellig geniessen kann, obwohl man die Behauptungen in der Poesie fuer falsch haelt oder gar fuer unsinnig«, in diesem langen Gespräch hier... vielleicht magst Du dazu etwas beitragen?

Herzlichen Gruß,

Ingrid (stilz)
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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Re: Raron

Beitrag von Schmörr » 11. Apr 2014, 23:11

"Das ist ein Gedicht", sagte meine Mutter immer dann, wenn eine Speise besonders gut war. Gedichte also, dachte ich als Kind, kann man kosten und kauen - und sie schmecken.

Mit Kosten und Kauen scheinen Gedichte tatsächlich viel zu tun zu haben. Und Schmecken ist eine persönliche Angelegenheit - wie Gedichte auch. Denn was ein Gedicht ist - und was es nicht ist -, ist rational und klassifizierend oft gar nicht so leicht zu sagen.

Ein Reim macht vielleicht ein Gedicht - aber kein Reim macht auch eines. Was macht also eine Erfahrung zu einer poetischen? Und warum können wir auch Landschaften oder Stimmungen oder Begegnungen mit Menschen als poetisch erleben?
Jeder Leser sucht etwas im Gedicht-mehr nicht.....
Weil das Gedicht eben nicht einfach nur eine literarische Form ist, schrieb der Literaturnobelpreisträger Octavio Paz, der vor 100 Jahren am 31. März geboren wurde, "sondern der Ort der Begegnung zwischen der Dichtung und dem Menschen. Das Gedicht ist ein verbaler Organismus, der Dichtung enthält, hervorruft oder ausstrahlt."

Für Octavio Paz war jedes einzelne Gedicht etwas Einzigartiges. Und etwas Transzendentales. Denn ein Gedicht verkörpert etwas, das die Sprache, den Text transzendiert und über sie hinausgeht. Oder anders gesagt: Ohne aufzuhören, Sprache zu sein, ist das Gedicht etwas, was auch jenseits der Sprache ist.

Wer einmal von einem Gedicht berührt worden ist, weiß, was damit gemeint ist: "Es ist das, was es ist", nämlich zum Beispiel ein Rhythmus, ein Wortklang, ein Reim - und doch ist es auch etwas anderes: weil es bei den Hörern oder Lesern etwas hervorruft. Und das hängt immer auch zusammen mit dem, was Hörerinnen und Leserinnen mitbringen.

Die Gärten liegen in uns, schrieb Octavio Paz, und: "Jeder Leser sucht etwas im Gedicht. Und es ist nicht sonderbar, dass er es findet: er trug es bereits in sich."

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Re: Raron

Beitrag von Schmörr » 11. Apr 2014, 23:45

Liebe Ingrid, liebes Forum, das genau meinte ich! Ich habe die Poesie in den Gedichten gefunden und die Gedichte haben mich gefunden.
Ich schätze die Wissenschaft ungemein und ich danke euch für eure laufend interessanten Beiträge.
Ich entschuldige mich für meine impulsiven Aussagen und freue mich über eure spannenden Beiträge.
Liebe Grüße aus dem Mühlviertel.
Schmörr

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Re: Raron

Beitrag von stilz » 16. Apr 2014, 13:32

Schmörr hat geschrieben:Was macht also eine Erfahrung zu einer poetischen? Und warum können wir auch Landschaften oder Stimmungen oder Begegnungen mit Menschen als poetisch erleben?
Lieber Schmörr,

danke für diese Fragen – auch mich bewegen sie seit langem.

Was macht einen Text zum Gedicht? Was macht ein Geräusch, einen Klang, zur Musik? Was macht etwas von Menschen Geschaffenes zum Kunstwerk? --- Und auch: was hat der „Zeitgeist“ mit alledem zu tun? (Ich denke an Adolf Loos, der das Ornament in den Kunstwerken früherer Zeiten selbstverständlich anerkannte, es in der Kunst seiner eigenen Zeit aber geradezu zum Verbrechen erklärte... oder auch daran, wie ein Komponist heute ausgelacht würde, wenn er so komponieren wollte wie Mozart... Ähnliches gilt natürlich auch für Maler oder Dichter...)


Oft, wenn ich meinte, eine Ahnung von einer Antwort auf diese Fragen zu haben, begegnete mir etwas, das mit dieser Antwort nichts zu tun hatte und doch unzweifelhaft Kunst war.
Wer in uns ist es, der das unzweifelhaft erkennen kann?

Herzlichen Gruß,
stilz
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Re: Raron

Beitrag von Schmörr » 13. Okt 2014, 23:40

:D
Zuletzt geändert von Schmörr am 1. Mär 2015, 01:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Raron

Beitrag von Schmörr » 1. Mär 2015, 01:17

[quote="Schmörr]"Das ist ein Gedicht", sagte meine Mutter immer dann, wenn eine Speise besonders gut war. Gedichte also, dachte ich als Kind, kann man kosten und kauen - und sie schmecken.

Mit Kosten und Kauen scheinen Gedichte tatsächlich viel zu tun zu haben. Und Schmecken ist eine persönliche Angelegenheit - wie Gedichte auch. Denn was ein Gedicht ist - und was es nicht ist -, ist rational und klassifizierend oft gar nicht so leicht zu sagen.

Ein Reim macht vielleicht ein Gedicht - aber kein Reim macht auch eines. Was macht also eine Erfahrung zu einer poetischen? Und warum können wir auch Landschaften oder Stimmungen oder Begegnungen mit Menschen als poetisch erleben?
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Weil das Gedicht eben nicht einfach nur eine literarische Form ist, schrieb der Literaturnobelpreisträger Octavio Paz, der vor 100 Jahren am 31. März geboren wurde, "sondern der Ort der Begegnung zwischen der Dichtung und dem Menschen. Das Gedicht ist ein verbaler Organismus, der Dichtung enthält, hervorruft oder ausstrahlt."

Für Octavio Paz war jedes einzelne Gedicht etwas Einzigartiges. Und etwas Transzendentales. Denn ein Gedicht verkörpert etwas, das die Sprache, den Text transzendiert und über sie hinausgeht. Oder anders gesagt: Ohne aufzuhören, Sprache zu sein, ist das Gedicht etwas, was auch jenseits der Sprache ist.

Wer einmal von einem Gedicht berührt worden ist, weiß, was damit gemeint ist: "Es ist das, was es ist", nämlich zum Beispiel ein Rhythmus, ein Wortklang, ein Reim - und doch ist es auch etwas anderes: weil es bei den Hörern oder Lesern etwas hervorruft. Und das hängt immer auch zusammen mit dem, was Hörerinnen und Leserinnen mitbringen.

Die Gärten liegen in uns, schrieb Octavio Paz, und: "Jeder Leser sucht etwas im Gedicht. Und es ist nicht sonderbar, dass er es findet: er trug es bereits in sich."[/quote]

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Re: Raron

Beitrag von helle » 2. Mär 2015, 15:46

Gute Fragen in diesem »post«! Ich will in Kurzform etwas dazu sagen.

»Was macht also eine Erfahrung zu einer poetischen?« Erfahrungen machen wir alle, mehr oder minder tiefgreifende oder eben flüchtige. Der Blick in den Abendhimmel oder in ein Kindergesicht, Kornfelder, Berge, Wolken, all diese Dinge, der Duft einer Rose oder der Geruch des Feuers – poetische Empfindungen gibt es viele, aber eine poetische Erfahrung geht durch das Medium der Sprache, das ist nun mal das Nadelöhr, und ohne dies ist gar nichts, das Gefühl will Gestalt gewinnen. Erst wenn es überprüfbar bleibt, kann das Gedicht über den Text hinausgehen, wie Schmörr schreibt. Gottfried Benn drückt es sehr technisch aus, er sagt, ein Gedicht wird gemacht.

»Ich liebe Rilke, so wie er ist.« Gut gebrüllt! Wie ist er denn? Lessing sagt mal: »Die Wahrheit! Wie vielfach ist sie? Jeder glaubt, sie zu haben, und jeder hat sie anders.« Darum doch diese immer neuen Verständigungsversuche, auch wenn sie oft mal schief gehen. Auch das gehört dazu: es gibt Verse, die ich zum Niederknien schön finde und andere finden sie nichtssagend. »Was dem einen sin Uhl«, sagt man in dieser Gegend, »ist dem andern sin Nachtigall.«

Gruß, h.

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