Rilke ein Freund des faschistischen Regimes Mussolinis ?

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von Baarendorf
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Rilke ein Freund des faschistischen Regimes Mussolinis ?

Beitrag von von Baarendorf » 25. Mai 2006, 11:11

Habe vor kurzem von einem Ferdinand Krogmann gelesen (siehe unten), dass Rilke ein Freund des faschistischen Regimes Mussolinis war. Das hat mich sehr irritiert ! Weiß jemand näheres dazu und zu seinen politischen Ansichten ?

"23 Jahre nach dem Erscheinen seiner Worpsweder Monographie, in der Rilke so schwärmerisch die Säulen römischer Paläste in seinem Herzen neu errichtet hatte, schrieb er im Januar und Februar 1926 drei Briefe an die in Mailand lebende Herzogin Gallarati Scotti, in denen er die Diktatur Benito Mussolinis bejaht und das faschistische Regime als "ein Heilmittel" empfiehlt, da es "sich auf die Autorität stützt". Er ist auch bereit, "eine gewisse, vorübergehende Gewaltanwendung und Freiheitsberaubung" zu tolerieren. Da die Ungerechtigkeit schon immer Bestandteil aller menschlichen Bewegungen gewesen sei, solle man, sofern man nur einen Plan für die Zukunft habe, nicht die Zeit damit vergeuden, Ungerechtigkeiten zu vermeiden, sondern müsse einfach über sie hinweg zur Aktion schreiten. "Das ist genau das," so Rilke, "was sich im Augenblick in Italien abspielt, dem einzigen Lande, dem es gut geht und das im Aufstieg begriffen ist." Mussolini sei zum "Architekten des italienischen Willens" geworden, zum "Schmied eines neuen Bewußtseins, dessen Flamme sich an einem alten Feuer entzündet". "Glückliches Italien!" ruft Rilke einem Lande zu, in dem der Terror faschistischer Überfallkommandos schmerzhafte Wirklichkeit ist. Den Ideen der Freiheit, der Humanität und der Internationale erteilt er in den Briefen an die Mussolini-Gegnerin Gallarati Scotti eine scharfe Absage: Sie seien nichts als Abstraktionen, an denen "unser armes Europa beinahe zusammengebrochen wäre". Auch eine Poesie, die vorgebe, besonders gut und human zu sein, die das Ziel habe, zu helfen oder zu trösten, sei ihm zuwider, sie sei "bestenfalls eine rührende Schwachheit"."
Quelle: http://www.sopos.org/aufsaetze/3f15fd57cbc38/1.phtml

e.u.
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Beitrag von e.u. » 25. Mai 2006, 21:45

Hallo,
Rilke und Mussolini ist ein wirklich komplizierter Fall. Joachim W.Storck hat dazu im Nachwort zu Rilkes 'Briefen zur Politik' eine gründliche Auseinandersetzung formuliert und einige Mißverständnisse ausgeräumt. Aber das kann man nicht so verkürzt hier darstellen.
Bitte nachlesen.
Mit Grüßen von e.u.

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