Fremdsprachenkenntnis

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lilaloufan
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Fremdsprachenkenntnis

Beitrag von lilaloufan » 25. Jun 2006, 07:07

Konnte Rilke eigentlich Tschechisch sprechen?
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

helle
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Beitrag von helle » 26. Jun 2006, 14:12

Ja, wohl auch recht gut, u.a. in der Chronik von I. Schnack erfährt man etwas darüber.

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lilaloufan
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Tschechisch

Beitrag von lilaloufan » 26. Jun 2006, 14:32

Danke, @helle! Hat er auch Tschechisches veröffentlicht?
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

helle
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Beitrag von helle » 29. Jun 2006, 07:41

muß mich korrigieren - im Rilke-Handbuch, hg. von Manfred Engel, wird gesagt, Rilke habe das Tschechische "anscheinend nur schlecht beherrscht" (S. 460), auch habe seine Mutter versucht, da Tschechische von ihm fern zu halten. Er hat es aber als Schulfach gehabt, und wenn ich mich recht erinnere (Chronik I. Schnack) darin gute oder sehr gute Noten gehabt.
Aus dem Tschechischen übersetzt hat er laut Handbuch nicht.
Sorry u. Gruß
h.

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slavische Strömung in den Vielfältigkeiten seines Bluts

Beitrag von lilaloufan » 18. Aug 2006, 22:40

«…meinem eigenen Gefühl entspricht es ja, mehr als ich sagen kann, zu vermuten, dass die slavische Strömung nicht die geringste sein möchte in den Vielfältigkeiten meines Bluts.»
(aus dem Brief vom 15. Februar 1924 an Witold von Hulewicz)
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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lilaloufan
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Rilkes Kenntnis der tschechischen Sprache

Beitrag von lilaloufan » 8. Nov 2006, 10:52

Jetzt hab’ ich immerhin eine Literaturangabe gefunden zu dieser Frage. Ich habe mir den Band noch nicht besorgt, aber immerhin verheißt der Titel Klärung:
Clara Mágr: "Sprach Rilke Tschechisch?", in: Blätter der Rilke-Gesellschaft 13/1986: Rilke und Prag, pp. 83-92
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

nistrka
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Beitrag von nistrka » 7. Mai 2007, 16:34

welche anderen Sprachen konnte Rilke?

gliwi
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Beitrag von gliwi » 7. Mai 2007, 21:59

Na, französisch perfekt, denn er hat 1. Gedichte auf französisch verfasst und 2. war er bei Rodin Sekretär. Alles andere weiß ich nicht sicher.
Gruß
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stilz
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Beitrag von stilz » 9. Mai 2007, 16:54

Zudem konnte Rilke zumindest auch noch Englisch und Dänisch (siehe seine Übersetzungen von Gedichten Elizabeth Barret-Brownings und Jens Peter Jacobsens, hier unter "Gedichte"). Auch Russisch, soviel ich weiß, hat er auch in dieser Sprache gedichtet.

Von den alten Sprachen ganz zu schweigen... seinem Marien-Leben stellt er zum Beispiel ein griechisches Zitat voran...

Jede neue Sprache öffnet das Tor zu einer ganzen Welt... das war Rilke offenbar sehr bewußt!

Lieben Gruß

stilz
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helle
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Beitrag von helle » 9. Mai 2007, 21:16

Rilkes Französisch war ziemlich außerirdisch, natürlich nicht von Anfang an, aber dann alle Achtung ...

Auch sein Italienisch muß fabelhaft gewesen sein, viele Aufenthalte in Italien und italienische Lektüren haben dazu beigetragen (»Ich lese italiänisch, den Muratori [Annali d'Italia], jedenTag sieben oder acht Stunden und dazwischen manches Ergänzende, fast nur italiänische Geschichte des vierzehnten Jahrhunderts [...]«, na usw. .

Russisch hat er ja mit Frau Andreas-Salomé geradezu gepaukt, ebenfalls viele Stunden täglich und er scheint zur Zeit seiner zweiten Rußland-Reise auch da enorm fit gewesen zu sein.

Dänisch hat er schon wegen Jacobsen gelernt und hat ihn ja auch übersetzt und hat dänisch im Original gelesen, das sagt stilz ja auch schon.

Soweit ich mich erinnere, beherrschte er auch Latein, über das Griechische weiß ich nichts.

Nur englisch kannte und konnte Rilke schlecht, woraus er auch kein Hehl macht, seine Übersetzung von Barrett-Browning ist ja auf Capri entstanden, durch die kräftige Mithilfe von Alice Faehndrich, wenn ich nicht irre, die die Dinge erst mal ins Deutsche übertragen und dann Vers für Vers mit R. besprochen hat, es war eine Kooperation.

Kommt bißl tschechisch dazu, und wenn er in Spanien eine Tüte Oliven bestellt hat, dann sicher auch in der Landessprache.

Die Kenntnis so vieler Sprachen, auch seine besondere Beziehung zur deutschen Sprache, der er sich am liebsten außerhalb Deutschlands zuwendet, haben ihn endlich zum Gedanken der einen Sprache geführt, der Sprache der Sprachen, wie Walter Benjamin sagt. Aber das ist schon ein neues Thema und etwas heikel.

Gruß, h.

stilz, über das Gedicht denke ich nach, danke schön

gliwi
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Beitrag von gliwi » 9. Mai 2007, 22:15

Holà! War er auch in Spanien? Wo denn da? (Ich glaube, ich muss jetzt doch mal eine Biographie lesen, welche empfiehlt sich denn?) Ja, "Die Sprachen sind die Scheide, worin das Schwert des Geistes stickt", hat schon der Theologe Bengel festgestellt.
Gruß
gliwi
Zuletzt geändert von gliwi am 10. Mai 2007, 17:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Volker
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Beitrag von Volker » 10. Mai 2007, 00:27

Klar war Rilke in Spanien:
Nachtrag:
TOLEDO!
Bild

Aus der Biographie:
Erfreulicher ist die Fahrt nach Spanien im Jahre 1912: Auf den Spuren des Malers El Greco zieht es Rilke nach Toledo und in den Süden des Landes. Neben der Kunst fasziniert ihn das Nebeneinander von Katholizismus und Islam sowie natürlich die Spanische Landschaft.
Hier klicken zum Nachlesen
Zuletzt geändert von Volker am 10. Mai 2007, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von stilz » 10. Mai 2007, 09:00

Natürlich, Italiänisch, das hatte ich vergessen... :lol:

http://www.rilke.de/gedichte/la_nascita.html
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Beitrag von helle » 10. Mai 2007, 11:27

Hola gliwi,

der Theologe macht in dem Zitat seinem Namen ja alle Ehre.

Empfehlen kann ich Leppmann, schon etwas abgestanden, aber gut lesbar. Außerdem schätze ich sehr die Chronik von Ingeborg Schnack, aber das heißt richtig Arbeit. Die neuere Monographie von Stefan Schank, die ich nur überflogen habe, fand ich passabel. Freedmann ist umfangreich, 2 Bde., ich habe ihn nicht gelesen. Seine Hesse-Biographie aber schon, die ist gründlich und ein bißchen brav. Vielleicht hat jemand Nalewski gelesen und kann etwas dazu sagen, würde mich interessieren.

Adiós u. Gruß!

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