Wichtige Themen in Rilkes Leben

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jadajem
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Wichtige Themen in Rilkes Leben

Beitrag von jadajem » 24. Sep 2009, 00:04

ich bräuchte bitte für eine theaterproduktion für die gestalltung des programmheftes etwas hilfe:

undzwar brauch ich etwas, das rilkes beziehung zu frauen beschreibt.

dann suche ich was, über den 1. weltkrieg und seine schreibblockade während dieser zeit,

und evtl etwas über "rilke und die engel". man sagt ihm ja immer nach, er wäre atheist gewesen... oder vielleicht doch immer auf der suche nach gott?? naja, wie auch immer, ich bräuchte etwas, was seine engel erklärt...

wäre echt toll, wenn mir jemand weiter helfen könnte...

danke, danke, danke!!!

lg :)

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lilaloufan
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Re: Wichtige Themen in Rilkes Leben

Beitrag von lilaloufan » 24. Sep 2009, 19:45

Nett, dein Dank im Voraus. Aber ich glaub', zu früh gedankt. Keine(r) hier schreibt gerade an einem Aufsatz, der auf alle diese Fragen einginge. Also, mein Tipp: Schmökere mal in der alten rowohlt Bildmonographie Nr. 22 von Hans Egon Holthusen, die seh' ich im Web für 49 Cent plus Porto, nicht fehlinvestiert. Da steht zu allem, was du fragst, knapp genug was drin. Das findest du schon beim bloßen Blättern. Und wenn du DANN noch Fragen hast, auf einer ersten Grundlage, dann gib mal deine Stichworte hier oben rechts in die "Suche". Da ist, in kleinen Portionen, schon einiges zusammengekommen, was über die Holthusensche Basisinfo hinausgeht. Das kann dein Interesse vertiefen, ohne dich zu überfrachten. Und dann, dritter Schritt sozusagen, dann bitte meld' dich hier noch mal. Dann wird deine übrigbleibende Frage niemandem mehr so vorkommen, als sollten wir deine Arbeit ganz tun. Denn das willst du garantiert nicht wirklich; es wäre ja schade. Schließlich klingt die Aufgabe die du beschreibst, so anspruchsvoll wie anregend: Sowas macht man doch gerne selbst, gelt. Aber halt nicht gerade mal in einer Nacht vor dem Redaktionstermin…

Nix für ungut
l.
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lilaloufan
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Re: Wichtige Themen in Rilkes Leben

Beitrag von lilaloufan » 25. Sep 2009, 19:05

jadajem hat geschrieben:…und evtl etwas über "rilke und die engel". man sagt ihm ja immer nach, er wäre atheist gewesen... oder vielleicht doch immer auf der suche nach gott?? naja, wie auch immer, ich bräuchte etwas, was seine engel erklärt...
Also, ganz kann ich’s nun doch nicht lassen. :wink:

Denn gerade (auf der Suche nach einem ganz anderen Motiv) lese ich eine Stelle über Kunst in einem Brief an Jakob J. von Uexküll, 19. August 1909. „Die Kunst“, schreibt Rilke da, sei er entschlossen „nicht für eine Auswahl aus der Welt zu halten, sondern für deren restlose Verwandlung ins Herrliche hinein.“ «Verwandlung ins Herrliche», das heißt in meiner Vorstellungswelt (auch): «Dein Reich komme!» Und dann setzt Rilke fort, weiter über die Kunst: „Die Bewunderung, mit der sie sich auf die Dinge (alle, ohne Ausnahme) stürzt, muss so ungestüm, so stark, so strahlend sein, dass dem Gegenstand die Zeit fehlt, sich auf seine Hässlichkeit oder Verworfenheit zu besinnen. Es kann im Schrecklichen nichts so Absagendes und Verneinendes geben, dass nicht die multiple Aktion künstlerischer Bewältigung es mit einem großen, positiven Überschuss zurückließe, als ein Dasein-Aussagendes, Sein-Wollendes: als einen Engel.“ Wiederum für mich heißt diese (hier: künstlerische) Verwandlung alles Hiesigen in etwas von großem positivem Überschuss dasselbe wie Rilkes an Hulewicz (†12.06.1941) gerichtetes Wort: «Wir sind die Bienen des Unsichtbaren.» Auch in jenem Brief (13. XI. 1925) sagt der „Engel“ Da-Sein aus, will für Da-Sein stehen, so Dasein Verwandlung einbegreift, wie Wandel erst Existenz konstituiert. – Und nun geht der Brief, dessen Zitat ich hier nur unterbrochen habe, weiter (und man beachte die originale Großschreibung des Wortes: «Der»!): „An diese Verwandlung haben Sie beim ‚Stunden-Buch’ geglaubt, Sie haben sie eingesehen; in den letzten Büchern aber, darin Der nicht genannt ist, um dessentwillen sie geschieht, möchten Sie dazu hinneigen, für ein Spiel zu halten, was immer dieselbe große Not ist; und was darum recht haben muss, nicht für die Zuschauer, aber für den, der leidet und sich sehnt, zu überstehen.“ – Das musste ich ein zweites Mal lesen: Verwandlung*) geschieht noch im Stundenbuch unübersehbar AD MAJOREM DEI GLORIAM, und der HErr (zu dessen HErrlichkeit hin diese Verwandlung zielt, s. o.) wird da genannt: Gott. Und diese Bezugnahme wird nun, 1909, nicht etwa aufgegeben, schon gar nicht verneint, sondern einzig ist ER „nicht genannt“! Also, ich finde, diese unscheinbare Majuskel ist im Hinblick auf Deine Frage eine wirkliche Entdeckung, und die wollte ich Dir, Euch allen hier, nicht vorenthalten.

Gruß,
lilaloufan

*): in der IX. Elegie (1923) immerhin «drängender Auftrag» der Erde!
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Re: Wichtige Themen in Rilkes Leben

Beitrag von gliwi » 25. Sep 2009, 21:58

Schön! Damit wird immer klarer, was meiner Meinung nach eigentlich schon in den Schlussversen von "Herbst" deutlich zu lesen ist: "Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen/unendlich sanft in seinen Händen hält." Auch hier übrigens die Majuskel! Wer so etwas dichtet, ist kein Atheist. (Und wer nicht in die Kirche geht und mit dem "Mittler" Jesus nichts anzufangen weiß, ist nicht notwendigerweise ein Atheist. )
Gruß
gliwi
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lilaloufan
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Re: Wichtige Themen in Rilkes Leben

Beitrag von lilaloufan » 26. Sep 2009, 05:14

helle im Thread: [url=http://www.rilke.de/phpBB3/viewtopic.php?p=10145#p10145]War Rilke ein religiöser Dichter?[/url] hat geschrieben:… Er war ein religiös gestimmter Dichter. Hinzu kommt das Interesse an weiblichen Gestalten, auch im religiösen Zusammenhang. …
Ja, «religiös gestimmt» - das scheint's mir zu treffen. (Wie selten nur werden dem religiös Gestimmten die Pfaffen etwas zu bieten haben!)
l.
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