Rilke-Seminar zwischen den Jahren

Wo kann man anderen Rilke-Freunden begegnen?

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Rilke-Seminar zwischen den Jahren

Beitrag von Thilo » 9. Dez 2005, 14:19

Hallo Ihr,

Vom 27. bis zum 30. 12. findet in Bad Boll bei Stuttgart das siebte "Rilke Seminar zwischen den Jahren" statt.

Thema ist "Abschiedlich leben: 'Sei allem Abschied voran...'".

Das Tagungsprogramm steht unter http://www.ev-akademie-boll.de/tagungen ... 510505.pdf. Nach dem Programm zu urteilen werden ganz unterschiedliche Perpektiven auf Rilke eröffnet - sowohl künstlerisch, als auch germanistische und eher alltagsorientierte.

Ich selbst werde auch mit dabei sein und Ergebnisse der Lesebiographie vorstellen, sowie allgemein über die Rilke-Renaissance (oder endgültige Rilke-Verwurstung??) im Zeichen von Internet, Rilke-Projekt u.ä. sprechen.

Im Übrigen sollen der Ort selbst und das Essen vor Ort sehr schön sein. Und es gibt anscheinend einen Rabatt von 50% speziell für junge Rilke-Fans, aber das eruiere ich gerade noch.

Jedenfalls würde ich mich freuen, den einen oder die andere Besucher von rilke.de auf der Tagung zu treffen!

Thilo


Der Termin zwischen Weihnachten und Neujahr ist zwar etwas eigenwillig gewählt, aber anscheinend liegt gerade darin das Besondere der Veranstaltung, die ja jetzt schon zum siebten Mal statt findet.

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50% Ermässigung auf Tagungsgebühr, Unterkunft u. Verpflegung

Beitrag von Thilo » 9. Dez 2005, 15:26

Jetzt habe ich die Sonderkonditionen herausbekommen: Studenten und Arbeitslose bekommen 50% Ermässigung auf Tagungsgebühr, Unterkunft und Verpflegung!

Viele Grüsse,
Thilo

Barbara
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Beitrag von Barbara » 17. Mai 2006, 19:29

Hallo,

da die Umfrage zur Lesebiographie inzwischen abgeschlossen ist und ich zu den glücklichen Gewinnern gehöre, möchte ich meine Lesebiographie dem Forum bekannt machen, zumal auch Mitglieder des Forums mitbeteiligt sind. Hier ist sie:

Lesebiographie (geschrieben im November 2005)

Hallo Thilo, hallo Projekt-Mitarbeitende,

falls Euch auch meine Lese-Biographie - als Mitmoderatorin im
Rilke-Forum interessiert, hier ist sie:


mein erstes Rilke-Gedicht habe ich sicher zu Hause von meinen Eltern
gehört, die literarisch sehr aufgeschlossen sind/ waren. Mein Vater
ist vor einigen Jahren an Krebs gestorben, meine Mutter wünscht sich
heute noch dicke Bücher zu Weihnachten und zum Geburtstag. Ich stamme
aus einer Theologenfamilie. Auch andere meiner Verwandten, darunter
mein Patenonkel: ein Germanist, haben mir schon seit meiner Kindheit
die Augen für Literatur, vor allem Lyrik, geöffnet. So war es
naheliegend für mich, Literaturwissenschaften zu studieren, daneben
Musikwissenschaften und Buch- und Bibliothekskunde. Auch wenn mein
Schwerpunkt bei neuerer Literatur lag im Studium (Thomas Mann, Paul
Celan...), Rilke kam dort nicht vor. So hatte ich ihn etwas aus den
Augen verloren. Nach dem Studium wollte ich dann erstmal eine
praktische Ausbildung machen, im bibliothekarischen Bereich. So
schloss sich eine Fortbildung zur Wissenschaftlichen
Mediendokumentarin an. Heute arbeite ich mit einer festen Stelle im
mediendokumentarischen Bereich - in der Privatwirtschaft, einem
internationalen Konzern. Ich lese den ganzen Tag Zeitungen und
Zeitschriften für Kundenaufträge, wie zb Pressespiegel von
Unternehmen, Sponsorin... Daneben bin ich seit ca zehn Jahren
ehrenamtlich an vielen Internetprojekten beteiligt.

Vor zwei Jahren entdeckte ich die Literatur neu, über Begegnungen
mit Rilkes Gedichten. Es fing damit an, dass ich in diesem Jahr viel
unterwegs und immer wieder an verschiedenen Orten gewesen bin, wo
auch Rilke war. Irgendwann fiel mir das auf: das konnte kein Zufall
sein. So ging es mir in Bremen, in einer Worpswede-Ausstellung, in
Soglio, in einer kleinen Ausstellung (über das „Ur-Geräusch"
und Rilke) in einem Hotel, mit einem wunderbaren Garten, wo wir während einer einwöchigen Philosophie-Tagung im Bergell auf einem Tagesausflug waren.... Ich wollte mehr über diesen Dichter erfahren. Kurz entschlossen meldete ich mich zu einer Rilke-Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll
an, über die „Sonette an Orpheus". Dazu kam noch, dass ich
schon lange einmal zwischen den Jahren eine besinnliche Tagung
besuchen wollte. Bad Boll kannte ich schon von anderen Tagungen und
es ist hier ganz in der Nähe. Es ist immer wieder schön dort. Mit dem
Besuch dieser Rilke-Tagung änderte sich viel in meinem Leben. Ich
entdeckte Rilke. Es gab sehr informative , wunderbare Vorträge, zb
einen Abend lang über Orpheus und die Mythologie, dann über das
Einhorn bei Rilke und auch über Technik und Rilke. Zu letzterem
Thema, Rilke und Technik, Mythos und Poetik, habe ich dort eine
Arbeitsgruppe besucht, die mir - auch didaktisch - sehr gefallen hat,
wo es zu einem intensiven Austausch kam der Teilnehmenden. Mein
Lieblingsgedicht, was mich in der ersten Zeit mit Rilke begleitet
hat: „O das Neue Freunde ist nicht dies..." . Ich habe es in
dieser Arbeitsgruppe kennengelernt. Die Verbindung von Rilke und
Technik war für mich neu und sehr aufschlussreich. Das sich Literatur
auch mit neuen Medien verknüpfen läßt , wurde mir zu einer neuen
Erfahrung. Ich habe 1987 Magisterexamen gemacht, damals gab es das
Internet in der Form wie heute noch nicht. Ich habe zwar mit neuen
Medien gearbeitet, aber zunächst ohne Bezug zur Literatur. Auf der
Tagung wurde ich für das Rilke-Forum geworben, von Teilnehmenden
Forums Mitgliedern - abends, bei einem Gläschen Wein in gemütlicher
Runde. Das Forum ist eine gute Austauschmöglichkeit. Gerade am Anfang
habe ich mit Hilfe des Forums viel über Rilke gelernt. Es sind einige
wirklich gute Kontakte entstanden. Natürlich habe ich auch sehr viel
gelesen: zuerst, und inzwischen schon zum zweiten Mal, die
„Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", zahlreiche
Briefwechsel (besonders die mit Lou, Ellen Key, Paula
Modersohn-Becker, Rodin...), die Rodin und Worpswede Aufsätze und
viele Erzählungen und Gedichte.

Nach der Tagung habe ich mich in Stuttgart umgesehen, ob es weitere
Austauschmöglichkeiten über Rilke gibt und an einem vhs Tag über
Rilke teilgenommen. Ausgehend von diesem Tag ist in Stuttgart ein
Rilke-Literaturkreis entstanden, der von mir geleitet wird. Wir
treffen uns ca einmal im Monat, um gemeinsam Rilke Gedichte zu lesen
und uns darüber auszutauschen. Es ist eine kleine Runde, die aber
kontinuierlich arbeitet. Wir haben uns zunächst mit Rilkes
„Neuen Gedichten" beschäftigt, in letzter Zeit mit Themen - wie
Rilkes Gottesverständnis und Rilke in Spanien... Interessant ist, dass
die meisten Teilnehmenden aus anderen , nicht
literaturwissenschaftlichen Berufen kommen (Techniker,
Heilpraktiker...). Dadurch entstehen die verschiedensten
Perspektiven, Gedichte anzusehen. Wir nutzen die Seiten von rilke.de
auch dazu, um Gedichte auszudrucken, die wir besprechen wollen . Ich
suche für den Kreis zu den Texten entsprechendes Hintergrundmaterial
heraus ( Briefe, Quellen...) und koordiniere die Treffen,
Einladungen... Genaueres darüber kann man im Rilke Forum nachlesen,
über die Anfangszeit unseres Literaturkreises in Stuttgart. Im Advent
planen wir eine Konzert-Lesung mit Texten aus Rilkes
„Marien-Leben" in einer Cannstatter Kirchengemeinde. Die
Sprecher sind Teilnehmende aus dem Literaturkreis. In der Gemeinde
singe ich und eine andere Teilnehmerin vom Literaturkreis im
Gospelchor. Es ist eine Gemeinde, die kulturell sehr offen ist und wo
oft Kulturveranstaltungen stattfinden (Lesungen, Ausstellungen...).

Wichtig ist für mich die Verbindung zwischen direktem und online
Austausch. Beides sollte sich ergänzen. Wenn ich kompetenten Rat
brauche, komme ich oft über das Rilke Forum weiter, da ich auch
keinen direkten Bezug mehr zur Uni habe. Das Rilke Forum ist eine
Möglichkeit des gemeinsamen Online Lernens. Ich freue mich auch,
Ideen weitergeben zu koennen. Inzwischen habe ich auch verschiedene
weitere, ueberregionale Tagungen über Rilke besucht und mich davon
inspirieren lassen.

Da mich Rilkes Gedichte sehr angesprochen haben, versuche ich das,
was ich auch in anderen Projekten an Öffentlichkeitsarbeit mache,
dafür zu nutzen, um Rilke verbreiten zu helfen. Bewußt wird mir, und
auch im Literaturkreis stellen wir das immer wieder fest, wie wichtig
es heute ist, in der Schnelllebigkeit der Zeit, etwas Ruhe zu finden,
und einmal aus den beruflichen und alltäglichen Anforderungen
herauszukommen. Rilkes Gedichte können dabei helfen.

Ich persönlich habe mir vorgenommen, etwas verstärkt in den
literaturwissenschaftlichen Bereich hineinzugehen und auch
wissenschaftlich über Rilke zu arbeiten. Damit ergeben sich wieder
neue Perspektiven...

So sieht - in etwa - meine Rilke-Lese-Biographie aus. Da sie nicht
zuletzt in Bad Boll begonnen hat, bedauere ich es sehr, dass ich
dieses Jahr nicht an der Rilke-Tagung teilnehmen kann.

Ich bin 44 Jahre alt, wissenschaftliche Mediendokumentarin,
weiblich.


Barbara :lol:

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