Schnack mal wieder Platt... ;-)

Tipps und Kritiken zu Werken rund um Rilke

Moderatoren: Thilo, stilz

Antworten
Paul A.
Beiträge: 172
Registriert: 28. Mär 2004, 22:42
Wohnort: Hannover / London / New York

Schnack mal wieder Platt... ;-)

Beitrag von Paul A. » 16. Nov 2004, 18:56

Hallo,

Rilkes "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets" gibts inzwischen auch auf Plattduetsch :wink: - in einer Übertragung von Johannes Dieckhoff. Daneben enthält der Band die hochdeutsche Rilke-Fassung sowie Kunstdrucke. Erstellt wurde das Buch von Rolf Hillen in Zusammenarbeit mit der Werkstatt und Galerie Hamswehrum.

:arrow: Also: schnack mal wieder platt :wink: :?: :!:

Herzlich grüßt , Paul :)
"... Knaben, o werft den Mut/ nicht in die Schnelligkeit,/ nicht in den Flugversuch./ Alles ist ausgeruht:/ Dunkel und Helligkeit,/ Blume und Buch." (R.M. Rilke)

N.N.

Rätselhaft

Beitrag von N.N. » 27. Dez 2005, 03:44

Feenreich ist Feereich.

Schnacks Chronik ist fehlerreich.

Genieße das Rätsel!

Und löse es zum weiteren Leben!

.Sabine.
Beiträge: 114
Registriert: 7. Sep 2005, 22:32
Wohnort: Kaiserslautern

Beitrag von .Sabine. » 27. Dez 2005, 15:59

Hallo,

hat Rilke überhaupt was "geschnackt" - oder konnte er nur hochdeutsch schwätzen :wink: ?

Sabine :lol:
"Ich lerne sehen.... " (Rainer Maria Rilke)

gliwi
Beiträge: 941
Registriert: 11. Nov 2002, 23:33
Wohnort: Ba-Wü

Beitrag von gliwi » 27. Dez 2005, 17:08

Ich spekuliere fröhlich drauflos: Da er in Prag aufgewachsen ist, dürfte er ge "österreichert" haben. Ich stelle es mir so vor wie bei bestimmten Schauspielern, die zwar hochdeutsch sprechen, aber österreichisch eingefärbt. Beispiel: Klaus Maria Brandauer, André Heller...
Gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

N.N.

Beitrag von N.N. » 22. Jan 2006, 05:32

Die ausländischen Studenten lernen Hochdeusch, obwohl dort einer Dialekt gesprochen werden.

e.u.
Beiträge: 320
Registriert: 5. Jun 2003, 10:29

Beitrag von e.u. » 22. Jan 2006, 14:41

Hallo,
leider gibt es von Rilke keine Tonaufnahme, aber er hat vermutlich so geredet, wie die meisten Deutschen in Prag. Ich habe noch einige Leute aus seiner Generation gekannt, das klang ganz angenehm, manchmal etwas maniriert in Satzbau und Idiomatik. Aber was will das schon heißen!
In Prag gab es um 1900 keinen deutschen Dialekt, man sprach hochdeutsch (oder: "nach der Schrift"), mit einigen Besonderheiten, die sich aus der räumlichen Nähe der tschechischen Bewohner ergeben haben. "Österreichisch" waren nur einige Wendungen, die vor allem das Beamtentum pflegte, das seine Sprache häufig aus Wien mitgebracht hat.
Natürlich gab es auch Merkwürdigkeiten, die E.E.Kisch in einem (satirischen) Aufsatz aufgespießt hat.
Rilke hat unter dem kargen Deutsch der Prager sehr gelitten. Eine fast kuriose Art der Kompensation (oder Erweiterung seines Sprachschatzes) war, dass er in der Pariser Nationalbibliothek sich durchs Grimmsche Wörterbuch gelesen hat auf der Suche nach seltenen und ihm unbekannten Wörtern. Eine Sache, die auch heute noch amüsant und zu empfehlen ist. Probatum.
Regentage und cold turkey lassen sich so mit Gewinn überstehen.
Gruß von e.u.

gliwi
Beiträge: 941
Registriert: 11. Nov 2002, 23:33
Wohnort: Ba-Wü

Beitrag von gliwi » 22. Jan 2006, 17:25

Lieber e.u.,
dass du Erfahrung mit cold turkey hast, das glaubt ein Goj :wink: Aber im Ernst, dann wären wir bei Schweijk und Fritz Muliar auf der richtigen Spur? Mir als Nicht-Österreicherin kommt das halt alles "österreichisch" vor. Aber das ist wahrscheinlich ebenso ungenau und ignorant, wie wenn die Nordlichter konstant behaupten, wir hier in Baden sprächen "schwäbisch".
Gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

e.u.
Beiträge: 320
Registriert: 5. Jun 2003, 10:29

Beitrag von e.u. » 22. Jan 2006, 18:58

Hallo Christiane,
lassen wir die Sache mit cold turkey, versteht ja eh kaum einer. Aber etwas anders als mit Schwejk und Muliar ist es schon, denn Rilke war ziemlich geladen gegen das 'Böhmakeln', d.h. so zu reden, wie das böhmische Küchen- und Hauspersonal in deutschen Diensten in Prag. Eher könnte ich mir vorstellen, es wäre so wie bei den Deutschböhmen von den Egerländern hin bis zu den Südmährern, ev. noch mit etwas provinzhauptstädtischer Weltläufigkeit.
Verzweifelt suche ich gerade nach einer Prager Persönlichkeit, die alle kennen und sich an ihre Sprechweise erinnern. Aber vielleicht hat da jemand einen Vorschlag?
Mir fällt nur Johannes Urzidil ein, der ein kurzes Stück 'Rilke in Prag' auf Band oder Platte gesprochen hat, das es auch auf CD gibt. Ich denke aber, dass Rilke deutlich noch weniger 'österreichischen' Akzent hatte, der wäre ihm vermutlich eher peinlich gewesen.
Aber vielleicht gibt's jemanden, der mehr weiß, ev. sogar noch Rilke gehört hat. Merkwürdigerweise hat die Comtesse Reine de Bertier de Sauvigny (Brüssel), die als Kind in Bad Ragaz mit Rilke gesprochen hat, sich nicht mehr erinnern können, in welcher Sprache (deutsch oder französisch) das geschehen ist. Da kann man halt nichts machen.
e.u.

Benutzeravatar
Volker
Beiträge: 200
Registriert: 8. Mär 2003, 12:39
Wohnort: Freie Hansestadt Bremen

Cold Turkey

Beitrag von Volker » 23. Jan 2006, 00:04

Den Begriff "cold turkey" kannte ich bisher auch nicht -
vermutete höchstens, wenn einer zu spät zum Weihnachtsbraten kommt, dann muss er eben cold turkey essen.

Aber dank Google hab ich's gefunden.
Hier für alle Neugierigen wie mich:
Angelika Mechtel: Cold Turkey

Die Drogenkarriere des Andreas B.

Rezension von Hermina Bikovic (18 Jahre)

Die deutsche Schriftstellerin Angelika Mechtel hat das interessante Buch "Cold Turkey" geschrieben. Ihre Werke wurden mit dem Literaturpreis ausgezeichnet und vielfach übersetzt. Sie schreibt nicht nur für Kinder und Jugendliche.
Cold Turkey ist eine Phase, die Drogensüchtige durchmachen, wenn sie keinen Stoff haben.
Bitte schön!
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

gliwi
Beiträge: 941
Registriert: 11. Nov 2002, 23:33
Wohnort: Ba-Wü

Beitrag von gliwi » 23. Jan 2006, 02:13

Hallo e.u.,
Südmährisch? Lundenburg? Da stammen nämlich meine Schwiegermutter und ihre Schwester her! Den Tonfall kenne ich sehr gut. (Kann leider keine Tonaufnahme der beiden ins Netz stellen für die Fragerin. Jedenfalls sprechen sie mit Zungen-R)
Gruß
Christiane
p.s. an Volker: ich dachte, alle hätten mal das Buch von der "Christiane F. - wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen.
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

stilz
Beiträge: 1182
Registriert: 26. Okt 2004, 10:25
Wohnort: Klosterneuburg

Beitrag von stilz » 23. Jan 2006, 13:24

Hallo,

zwar hab auch ich selber noch nie "Prager Deutsch" gehört...
Aber ich möchte in diesem Zusammenhang auf Friedrich Torberg aufmerksam machen, in seiner "Tante Jolesch" finde ich den Hinweis, daß dieses Idiom sich durch eine Vermeidung sämtlicher Umlaute auszeichnete - ein Prager Lateinprofessor wird mit folgendem Ausspruch zitiert:

Die Schielerin N. beschäftigt sich mit der Lektiere fragwirdiger Gazetten, wird von mir ertappt und versucht durch teerichtes Winseln meiner gerechten Empeerung zu entrinnen.

Und in Torbergs "Erben der Tante Jolesch" gibt es einen Anhang über das Böhmakeln, in dem - im Gegensatz dazu - auch das "Prager Deutsch", das auf der Prager "Kleinseite" gesprochen wurde, beschrieben wird: es sei

...gekennzeichnet durch die Verschärfung eines jeglichen S am Wortbeginn ("Die Ssonne ßinkt" würde Lynkeus auf einem in Prag gelegenen Turm anheben) sowie durch grundsätzliche Verhärtung weicher Konsonanten und umgekehrt.

Dafür wird ein schönes Beispiel aus Torbergs Lateinunterricht angeführt, der Professor fragt nach dem lateinischen Wort für "Die Herde" -- Torberg antwortet "grex, gregis" und erhält zur Antwort: "Droddel!!! turidas"...

Keine Ahnung, ob das alles auch nur das geringste mit Rilke zu tun hat, aber so schien man früher in Prag Deutsch zu sprechen...


Lieben Gruß

stilz

Antworten