Meine Augen waren so weit auf

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Michael
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Re: Meine Augen waren so weit auf

Beitrag von Michael » 19. Dez 2009, 19:50

Liebhaben von Mensch zu Mensch: das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung, die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.

Es war wirklich nur die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.
Ich glaube nicht, dass es die letzte Probe und Prüfung war,
aber bis jetzt vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist.
Liebhaben von Mensch zu Mensch, ist und bleibt eine Herausforderung.

Hallo,
ich war tatsächlich ausgezogen…. Ein Wochenende zu meinem Schwager,
ich weiß…. Nicht gerade eine Heldentat, hatte auch nicht wirklich was geändert.

Was genau passiert ist kann ich noch nicht einmal sagen,
war sie bei der Falschen Therapeutin in Behandlung? Keine Ahnung.

Was ich aber weiß ist, dass sie sich so positiv verändert hat,
dass ich manchmal denke, das kann doch nicht wahr sein! Ist das ECHT,

es fühlt sie besser an als damals,
es fühlt sich echt an,
es fühlt sich sicher an,
es fühlt sich nach langer Zeit gesund an
auch die Kinder merken das.

Ob wir den richtigen Weg gehen, kann ich momentan nicht sagen,
aber wir gehen einen Weg und den gehen wir gemeinsam und das tut gut.

Ich würde alles Geschriebene am liebsten löschen,
meine Augen waren zwar auf - ich habe aber trotzdem nichts gesehen.

Es geht uns allen sehr gut.


Eins - lernt man in dem Leben doch: entbehren,
und ganz gewiß - ob früher oder spät -
des jungen Herzens ungestümes Gähre vergeht.

Dann sieht man tränenlos auf mancher Bahre,
lernt mählich Teures missen - und versteht,
daß auch der größte Schmerz im Lauf der Jahre
vergeht.

Frühes Gedicht, 1894

gliwi
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Re: Meine Augen waren so weit auf

Beitrag von gliwi » 19. Dez 2009, 20:28

Wenn du etwas wirklich gern weghaben möchtest, kann ich das für dich tun. (Ich fände es aber schade)
Frohe Weihnachten!
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

Michael
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Re: Meine Augen waren so weit auf

Beitrag von Michael » 19. Dez 2009, 20:51

Danke! Aber löschen will ich eigentlich keine Sekunde meines Lebens.
Es ist nur komisch zu lesen, was ich glaubte zu wissen!
Die Gegenwart ist so schön, dass Abschnitte unserer Vergangenheit unwahr erscheinen. Frohe Weihnachten!

stilz
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Re: Meine Augen waren so weit auf

Beitrag von stilz » 19. Dez 2009, 23:56

Lieber Michael,

oh, ich freue mich wirklich sehr, von Dir zu hören - und noch mehr freue ich mich darüber, was und wie Du schreibst. Ich habe immer wieder mal an Dich und Euch gedacht... Vielen Dank für Dein Mit-teilen!

Und wie schön, daß Du keine Sekunde löschen willst aus Deinem Leben, auch wenn es wirklich nicht nur "glückliche" Sekunden waren. Das ist sehr viel.

Ich kann mir gut vorstellen, wie "komisch" es für Dich ist, Deine früheren Beiträge zu lesen; "unwahr", sagst Du, erscheint Dir die Vergangenheit - vielleicht fast wie aus einem "anderen Leben"... auch ich empfinde Ähnliches, wenn ich an länger Zurückliegendes aus meinem eigenen Leben denke. Fast, als ob ich damals ein "anderer Mensch" gewesen wäre...

Eine ähnliche Empfindung finde ich im vierten Kapitel von Rilkes Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" ausgedrückt - der erste Satz paßt besonders gut zur Überschrift unseres Gespräches:

"Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wußte. Alles geht jetzt dorthin. Ich weiß nicht, was dort geschieht.
Ich habe heute einen Brief geschrieben, dabei ist es mir aufgefallen, daß ich erst drei Wochen hier bin. Drei Wochen anderswo, auf dem Lande zum Beispiel, das konnte sein wie ein Tag, hier sind es Jahre. Ich will auch keinen Brief mehr schreiben. Wozu soll ich jemandem sagen, daß ich mich verändere? Wenn ich mich verändere, bleibe ich ja doch nicht der, der ich war, und bin ich etwas anderes als bisher, so ist klar, daß ich keine Bekannten habe. Und an fremde Leute, an Leute, die mich nicht kennen, kann ich unmöglich schreiben."


Aber uns geht es viel besser als Malte: wir haben, auch wenn wir uns verändern, dennoch "Bekannte", nicht wahr? Einerseits natürlich die Menschen, die uns auf unserem persönlichen "Sehweg" begleitet, mit uns gemeinsam "sehen gelernt" haben.
Und andererseits auch ganz "fremde Leute", die wir gerade dadurch an unserem "Sehenlernen" teilnehmen lassen, daß wir solche "Briefe" schreiben, die die Herzen füreinander öffnen...

Vielen herzlichen Dank, lieber Michael, daß Du das getan hast.
Alles Gute und viel lebendiges Miteinander weiterhin für Dich und Deine Familie, und natürlich:
Frohe Weihnachten!

Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

Michael
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Re: Meine Augen waren so weit auf

Beitrag von Michael » 20. Dez 2012, 19:20

Schöne Grüße von mir und meiner Familie, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch!

stilz
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Re: Meine Augen waren so weit auf

Beitrag von stilz » 13. Jan 2013, 23:14

Lieber Michael,

danke, daß Du Dich wieder mal meldest – ich freue mich, von Dir zu hören bzw zu lesen.
Ich schließe daraus (und hoffe, damit recht zu haben), daß es Dir und Euch allen gut geht...

Ich wünsche Dir und Deiner Familie für das Neue Jahr: neue Einsichten, gute Aussichten und viele herz-liche Erlebnisse!

Lieben Gruß,
Ingrid

P.S.: Weil sie ja hier in diesem Gespräch sehr präsent war, möchte ich Dich aufmerksam machen darauf, daß wir im letzten Jahr Abschied nehmen mußten von „unserer“ gliwi...
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