Rilke didaktisch

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gliwi
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Rilke didaktisch

Beitrag von gliwi » 17. Jan 2005, 16:36

Hallo, liebe LehrerInnen, SchülerInnen, DozentInnen,
ich frage mal rund: Ist jemand im Besitz eines Lernzirkels zu Rilke allgemein oder zu einem Text von Rilke? Es darf auch sonst etwas Klipperiges sein.
Ich suche Anregungen, um die ausgetretenen Pfade zu verlassen. :D
Gruß
gliwi

Barbara
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Beitrag von Barbara » 25. Jan 2005, 20:35

Hallo gliwi,

ich bin zwar keine (ausgebildete) Pädagogin, habe aber dennoch einige Ideen dazu.

Hier einige meiner Ideen für neue Lernformen in Bezug auf Rilkes Werk und Leben (im Unterricht, aber auch in der Freizeit...). Ich kann sie hier erstmal nur kurz anreissen , müsste sie nochmal präziser konzeptionieren und ausführen . Dazu würden mich Eure Meinungen interessieren. Vielleicht sind die Ideen ja auch eine Anregung für andere hier im Forum. Deshalb poste ich mein PN jetzt auch als Beitrag .

Ich habe die Idee klassische Spielformen zu übertragen auf Rilkes Werk und Leben , zb Puzzle mit Gedichten und dazupassenden Fotos, Memory mit Rilke-Zitaten und/oder Personen/ Fundstellen, Quiz/ Trivial Pursuit... Vielleicht könnte man auch so etwas machen wie Pantomime zu Gedichten oder "Montagsmaler" ... ? Bei Puzzle oder Pantomime... könnte man dann über den Text nachdenken, reflektieren zb ...

Das sind alles Ideen, die sich sicher noch ergänzen, ausbauen, abändern lassen ... Nur mal als kleine Anregung zum Thema .

Viele Grüße von Barbara :lol:

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Anna B.
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Beitrag von Anna B. » 28. Mai 2005, 17:40

Hallo an Alle,

... vielleicht auch mit und für Rilkes Katze ?!?

Liebe Grüße von Anna Blume :lol:

Mathilda
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Beitrag von Mathilda » 12. Aug 2006, 09:10

Hallo,

bin gerade auf der Suche nach neuen Formen der Unterrichtsgestaltung mit Rilke . Hat jemand bereits Erfahrungen ? Mich interessieren Eure Vorstellungen darüber !

Anna, was ist mit Rilkes Katze ? Hast Du sie gefunden ?

Mathilda :lol:

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lilaloufan
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Rilkes Katze

Beitrag von lilaloufan » 18. Aug 2006, 22:02

Sollte Euch unser stiefmütterlich misshandeltes Katzenkind manchmal einfallen, so sei festgestellt, dass es jetzt [2. Juni 1924, l.] anerkannt und gepflegt ist. Etwas schlechte Behandlung des kleinen Geschöpfs durch den Kater, den Sohn aus früherer Ehe, hat genügt, die Mutter zur Beherzigung zu bringen. Sie erstieg, um vor dem Rohling sicher zu sein, mit dem Kind im Maul, den Pflaumenbaum, machte den gewohnten Sprung zu meinem Schlafzimmerbalkon und verbringt nun dort, auf der Stufe der Balkontür, ihre mütterlichen Nächte mit der von dieser Verwöhnung entzückten Kleinen qui croit à vue d’œil.
Oder meinst du, Anna, die Katze im Jardin des Plantes? Die gehört längst der Welt. Da fällt mir eine sehr berührende Stelle ein: in «Awakenings; Zeit des Erwachens» mit Robert de Niro eine der ersten Szenen (nach dem Vorspann, in dem der kleine Leonard Lowe 1916 an Enzephalitis erkrankt ist) - wie der Neuropsychiater Dr. Sayer (Robin Williams) die Botschaft: "Rilke Panther" entschlüsselt.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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lilaloufan
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P.S.

Beitrag von lilaloufan » 18. Aug 2006, 22:29

P. S.: Nun bin ich aufs Nebengleis gegangen. Zur Ausgangsfrage: „Ausgetretene Pfade verlassen“ klingt gut. Aber um mitzudenken, sollten wir wissen, welche Jahrgangsstufe Rilke zum Thema haben soll. Besser auch, auf welchem Niveau. Ich würde z. B. den Panther, auch den Herbsttag, in der 8. Klasse ansetzen, auch einige der frühen Sonette, eines der Gedichte aus dem Requiem in der 9. Klasse, die Elegien sehr viel später. Aber das ist ja gerade nicht deine Frage. Zum Didaktischen denke ich einerseits unorthodox, andererseits konservativ. Ein Gedicht aus dem Brummen („hmmmh“) entwickeln, bis die SchülerInnen es aus dem Selber-Sprechen verinnerlicht haben. Dazu von Rilke erzählen, durchaus frontal. Briefe schreiben lassen, Imitate sozusagen. Antworten schreiben lassen. Alles auf der Ebene der Sprache. Keine Bastelmedien, Collagen u. dergl., Rilke ist nicht Gegenstand von Sach-, sondern von Seelenkunde.
Wenn frühere Unterrichte einem auf ausgetretenen Pfaden Rilke verdorben haben, lag das nie am didaktischen Medium, sondern immer an der Persönlichkeit, die da mit Rilke umging. Mit Schere und Kleber umgeht man das nicht, lenkt man davon nicht, allenfalls vom Sujet ab. Die Sache wird gemütlich. Rilke verträgt das nicht. Er will das Risiko, „ohne Netz“ aufgenommen und ebenso gesprochen zu werden. Den Ausdruck habe ich von Dirzurfeier hier im Forum. An Rilke sollen die Schüler nicht ihren Spaß haben; sie sollen davon im Innersten berührt werden. Es darf nur nicht klerikal oder moralin wirken, sonst weisen sie’s von sich, weil sie nichts wiedererkennen von dem, was sie suchen.
Sage keiner, das Berühren gelinge heute nicht mehr. Ich meine sogar, die Sehnsucht danach wächst von Tag zu Tag.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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