Was macht Rilke Aktuell? Rilke-Boom?

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simon
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Was macht Rilke Aktuell? Rilke-Boom?

Beitrag von simon » 25. Okt 2008, 20:41

Moin an alle..,

Alsoo, es geht um folgendes.
Ich bin gerade in der 13. Klasse und muss ein Referat über Rilke machen,
wobei ich mehrere Fragen gekriegt habe bezüglich Rilkes Religionsverständnis,
warum Paris und Rodein so wichtig für ihn waren, dazu die Verbindung zu
Malte Laurids Brigge, etc..
Im Endeffekt soll ich dazu sagen, wieso es gerade so einen Rilke-Boom
gibt, und wie der sich ausdrückt..

Dazu hätte ich dann 2 Fragen..
Die erste stellt sich mir bezüglich der Religion - ich habe rumgeforscht
und bin dabei auf mehrere Ansätze gestoßen, der war z.B dass Rilke
Gott als unvollendet betrachtet, ihn als ''entwickelnd'' sieht, während sich
auch die Menschen entwickeln.. sozusagen gibt es keinen festen Gottesbegriff..

Der andere Ansatz geht in die Richtung der Verabscheung des Christentums,
Ablegung von stupiden Abläufen wie Knien, Beten, etc.. dass jeder eine Religion
für sich entdecken und leben soll, wie es für ihn die Kunst ist.. da hätte ich gerne
ein paar Hilfestellungen von euch..

Das zweite Problem ist jetzt noch die Aktualität.. natürlich weiß ich, dass Rilke
unglaublich oft zitiert wird in letzter Zeit und dass z.B der Nah-Ost Konflikt
in Verbindung mit Rilke gebracht wurde. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass
das alles sein soll bei dem was er sonst erbracht hat.. ich mein, der Mann ist der erste
Dichter der sogar mir Freude bereitet hat ;).

Lg, Simon

helle
Beiträge: 307
Registriert: 6. Mai 2005, 11:08
Wohnort: Norddeutsche Tiefebene

Re: Was macht Rilke Aktuell? Rilke-Boom?

Beitrag von helle » 26. Okt 2008, 18:18

Moin Simon,

ich hab mal gehört, wenn einer moin sagt und der andere antwortet mit moin, moin, das sei schon ein vollständiges ostfriesisches Gespräch. Aber wie auch immer.

Auf alle Fragen, die Du hast, könntest Du hier in diesem Forum allerlei Hinweise finden, das geht bequem über die Eingabe entsprechender Begriffe in der Suche-Funktion. Wenn aber, das ist der eigentlich schreckliche Satz in Deinem Schreiben, Rilke der erste Dichter ist, der sogar DIr Freude macht, dann kannst Du auch einfach mal in eine Bibliothek gehen und Dir ein Buch über Rilke ausleihen, oder mindestens in einem Literaturlexikon den Artikel zu RIlke ansehen. Mir als einem altmodischen Menschen will es einfach nicht in den Sinn, daß diese alte Kulturtechnik für Deine Generation schon komplett passé sein soll, man kommt nämlich auf allerlei Gedanken in so einer Bibliothek.

Mit Rilkes religiösem Verständnis ist es in der Tat ungewöhnlich, aber wenn er ein gewöhnliches Verständnis in diesen Dingen haben würde, wäre er vielleicht auch kein außergewöhnlicher Dichter geworden, denn beides kann ziemlich eng zusammenhängen, ob es Shakespeare, Goethe, Kafka oder Rilke ist, jeder hat so ein bestimmtes Allverständnis und seine eigenen Gedanken über Gott, Seele und Welt. Das bezieht sich auch auf Rilkes Haltung zum Christentum, das seinem Welt- und Religionsverständnis dadurch, daß es in Christus eine vermittelnde Gestalt hat, ferner war als der jüdische oder islamische Gott, die unmittelbar Gesetz waren oder ihm, RIlke, so erschienen. Verabscheuen ist aber sicher nicht das richtige Wort. Z.B. kenne ich keinen anderen deutschsprachigen DIchter, dessen charakteristische Geste so sehr das Niederknien war wie Rilke, aber das führt jetzt zu Seiten seiner Persönlichkeiten, die ich aus Zeitgründen hier nicht entfalten will.

Der augenblickliche Boom, den Rilke derzeit hat oder zu haben scheint, zeigt sich u.a. in diesem Forum, das vermutlich ebenso Wirkung wie Ursache ist, und vielleicht gilt Ähnliches von dem sog. Rilke-Projekt, auch wenn ich persönlich damit weniger anfangen kann.

Soweit meine unmaßgeblichen Gedanken, wie ein anderer Forumsteilnehmer gern sagt, und weil dies der einzige Tag im Jahr mit 25 Stunden ist.

Gruß, h.

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