An die Zeit-Genossen

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Barbara
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An die Zeit-Genossen

Beitrag von Barbara » 22. Mär 2009, 16:39

Hallo Zeit-Genossen,

für eine Lesung suche ich nach (belletristischen) Texten aus den 20er Jahren, die sich mit der Krise (1929) beschäftigen. Diese sollten jedoch rechtlich frei sein.

Könnt Ihr mir Tipps geben ?

Barbara :D

Harald
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Re: An die Zeit-Genossen

Beitrag von Harald » 24. Mär 2009, 21:53

Das dürfte schwierig werden.
Kästners "Fabian" böte sich an, aber frei ist er nicht.
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

gliwi
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Re: An die Zeit-Genossen

Beitrag von gliwi » 25. Mär 2009, 18:01

Wie ist es mit Tucholsky? Ist der frei? Bei ihm dürftest du auch fündig werden, zumindest hängt bei uns im Kollegium ein Gedicht aus, das sehr gut zur heutigen Bankenkrise passt.


: Kurt Tucholsky, 1930 veröffentlicht in "Die Weltbühne"

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Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930

veröffentlicht in "Die Weltbühne
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

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