Rilkes magischste Sätze.

Moderatoren: Thilo, stilz

Antworten
Relationalist
Beiträge: 3
Registriert: 23. Mär 2014, 07:03

Rilkes magischste Sätze.

Beitrag von Relationalist » 28. Mär 2014, 16:16

Hallo.

Ich bitte um Hilfe bei meiner Sammlung von magischen Sätzen. Angeregt wurde dies durch die Stelle in Ray Bradburys "Fahrenheit 451", in der Feuerwehrmann Montag dem Kaffekränzchen der leseentwöhnten und fernsehsüchtigen Damen einfach den Anfang eines Buches vorliest und nur durch wenige Sätze Empörung, Entsetzen und Zusammenbrüche hervorruft. Ich suche Sätze, die bereits in einer oder zwei Zeilen ein Paradoxon oder ein Rätsel formulieren und dabei plastisch sind und von etwas sehr Allgemeinem handeln, das jeden berühren könnte. Meine ersten Kandidaten sind:

"Die Tugend ist der Wille zum Untergang." (Nietzsche, Zarathustra)
"Das Wesen des Wassers ruht nicht minder im Tropfen denn im Meer." (Ernst Jünger)

Weitere Funde:
"Nichts ist dem Geist erreichbarer als das Unendliche." (Novalis) - zu abstrakt bzw. platt, zu wenig verführend
"Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern." (Rilke) - absolut verführend, aber wegen des speziellen Gegenstands nicht jedem zugänglich
"O Herr, gib jedem seinen eignen Tod. Das Sterben, das aus jenem Leben geht, darin er Liebe hatte, Sinn und Not." (Rilke) - Gebet, nicht Aussage, behauptet nichts
"Alle Flüsse fließen ins Meer, doch das Meer wird nicht voller. Daher sie gekommen sind, fließen sie aller zurück." Ecclesiastes - etwas fade, ohne rechte Wucht
"Sei allem Abschied voran, als wäre er hinter dir, wie der Winter, der eben geht." (Rilke) - Dieser Satz hat alles, was ich suche
"Auch noch Verlieren ist unser; und selbst das Vergessen hat noch Gestalt in dem bleibenden Reich der Verwandlung." Rilke - vielleicht zu abstrakt

Also: ich suche nicht klassische kluge oder witzige Aphorismen, sondern Sätze mit Opium oder Dynamit oder beidem.

Es zeigt sich für mich, dass Rilke in dieser merkwürdigen Disziplin alle anderen Kandidaten weit hinter sich läßt (habe gesucht u.a. bei Laotse, Paulus, Wittgenstein, Meister Eckhart, Nietzsche, Heraklit, Spinoza, Hegel, Adorno). Daher bitte ich die Rilke-Gemeinde um weitere Vorschläge für derartige Sätze, die eine ganze Weltanschauung oder eine tiefe, kontraintuitive Einsicht poetisch in eine oder zwei Zeilen bringen. Natürlich könnte man sagen, die Elegien und die Sonette leisten dies häufig, und dort würde ich schon reichlich fündig. Aber ich brauche auch die Meinung anderer Leser und hoffe daher auf ein wenig Mithilfe

Vielen Dank für Vorschläge für weitere Zaubersprüche.

Relationalist
Beiträge: 3
Registriert: 23. Mär 2014, 07:03

Re: Rilkes magischste Sätze.

Beitrag von Relationalist » 28. Mär 2014, 16:39

Ich fange mal selbst mit weiteren Treffern an:

"Und in den dunklen Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit."
"Wer hat uns also umgedreht, daß wir,was wir auch tun, in jener Haltung sind von einem, welcher fortgeht?"
"Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das nicht mit uns teilt."

Antworten