Schülerhilfe

Was sollen wir ändern, was ausbauen, was gefällt Ihnen gut?

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Volker2447
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Schülerhilfe

Beitrag von Volker2447 » 12. Jan 2010, 11:08

Liebe Gliwi,

Du hast recht ! Immer wenn ich das Forum besuche, finde ich wieder neue Anfragen von Schülern. Teilweise merkt man, daß hier ein "Nutella-Kind" versucht, an der dünnsten Stelle des Brettes zu bohren. "Wir" haben uns in der Vergangenheit schon dagegen gewehrt, Hausaufgaben zu übernehmen. Und womit ? Mit Recht ! Womit nicht ? Mit Erfolg.

"Wes das Herz voll, des Mund läuft über." Vorsichtshalber resümiere ich gleich: Unsere Pflicht ist es, die ungewöhnliche Sensibilität zu vermitteln, mit der man Rilke lesen muß, und den messerscharfen Blick für erläuternde Details, was wiederum eine gewisse Rilke-Erfahrung voraussetzt. Welch' Aufgabe !

Herzliche Grüße

Volker

helle
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Re: Schülerhilfe

Beitrag von helle » 12. Jan 2010, 17:20

Ohne die Anfragen der Schüler, über die man sich so prima ärgern kann, wäre es langweilig in diesem Forum. Man muß ja nicht auf jede eingehen. Mich regen sie manchmal dazu an, ganz neu über Rilke nachzudenken. Und niemand hat ihnen bislang die Referate geschrieben. So soll es bleiben.

Gruß, h.

Henry Lou

Re: Schülerhilfe

Beitrag von Henry Lou » 12. Jan 2010, 17:37

Lieber Volker,

natürlich kann ich Dich auf der einen Seite verstehen; die andere Seite zeigt mir jedoch: Wenn von Kindern immer nur gefordert wird, ohne dass sie zuvor lernen konnten, von sich selbst zu fordern, werden sie auch nichts anderes tun, als von anderen zu fordern.
Die feinen Details dieser schwierigen Lyrik sind wahrscheinlich schon zuviel für ein zartes Alter, ich kann das aber nicht wirklich beurteilen, aber die Schüler sind sicher sensibler als wir annehmen. Das traurige Ergebnis ist dann vielleicht eine allgemeine Überforderung - aber von Nichts kommt Nichts!
Mir ist jedes Kind, das nach Rilke fragt lieber, als eins mehr auf der Straße.
Und als kleinen Trost für alle Lernenden dazu noch etwas besonders Hellsichtiges:

„Mit einer fast somnambulen Sicherheit greift die Natur nach dem, was sie braucht und sie findet es immer unter hundert Dingen heraus.
Das verändert sich im Augenblick, da das Ziel ausgesprochen ist. Die tägliche, auf das Persönlichste zugeschnittene Selbsterziehung wird durch äußere Einflüsse ersetzt, die daneben fast zufällig scheinen. Die Natur wird gestört, ihre Sicherheit verschwindet und die Wege, die so breit und still vor einem lagen, füllen sich mit Menschen und Meinungen an, durch die man sich nicht durchzudrängen vermag.
Später, wenn man diese gefahrvolle Zeit überstanden hat, erkennt man deutlich, wie man mit allem Eigenen wieder dort anknüpft, wo man einst unterbrochen worden ist. Man sieht zurück und bewundert die überlegene Weisheit jener dunklen Zeit, in der nichts umsonst geschah und alles für die Zukunft.“ (Worpswede, 1902)

Henry Lou

stilz
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Re: Schülerhilfe

Beitrag von stilz » 12. Jan 2010, 22:09

Ich schließe mich helle an.
Auch ich freue mich immer wieder, wenn jemand eine Frage stellt, auf die ich ohne diesen Jemand gar nicht gekommen wäre.

Und ich finde es zwar nicht "gut", aber verzeihlich, wenn Schüler sich zunächst mit der falschen Erwartung ins Rilke-Forum klicken, hier billig zu einer fertigen Hausaufgabe zu kommen. Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, mögen manche wohl mit den Augen rollen und gleich wieder verschwinden - andere aber freuen sich doch, vielleicht etwas erstaunt, ernstgenommen zu werden mit ihren eigenen Ansichten, Fragen und Zweifeln.
Ich jedenfalls kann mich über so etwas nicht ärgern (da hätte ich viel zu ärgern - ist es nicht in sehr vielen Bereichen des Lebens so, daß die Leute lieber nach "billigen" Lösungen suchen, statt sich selber ein bisserl anzustrengen?)

Es mag etwas pathetisch klingen, für mich ist es aber nunmal so:
Wenn auch nur ein einziges solches Gespräch für den Fragesteller Anlaß und Ermunterung ist, seinen eigenen Gedanken zu vertrauen (nicht nur, wenn es um Rilke geht, sondern überhaupt, wenn man's mit etwas zu tun hat, dessen Sinn sich nicht gleich auf den allerersten Blick erschließt) - dann hat es sich gelohnt, alle diese Gespräche zu führen.

Herzlichen Gruß!

Ingrid (stilz)
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

stilz
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Re: Schülerhilfe

Beitrag von stilz » 13. Jan 2010, 13:09

P.S.:
Off topic: Das hatte ich gestern zu erwähnen vergessen, es liegt mir aber am Herzen:
Volker2447 hat geschrieben: "Wes das Herz voll, des Mund läuft über."
In Luthers Bibelübersetzung heißt es ja eigentlich "Wes das Herz voll ist, des läuft der Mund über" - in der Bedeutung; "Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über".

Vielleicht ist es ja doch gar nicht so sehr off-topic. Denn wenn ein Schüler hauptsächlich eine "gute Note" im Sinn hat und nicht auf wirkliches Verständnis aus ist, dann kann aus seiner Anfrage hier natürlich auch nichts anderes herausklingen... wie gesagt: wenn wir ab und zu dazu beitragen können, daß sich das ändert, dann finde ich das sehr schön.

P.P.S.: Und danke, Henry Lou, für das wunderbare Zitat!
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

gliwi
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Re: Schülerhilfe

Beitrag von gliwi » 15. Jan 2010, 22:35

Na, und da soll noch eineR sagen, es gäbe kein "wir" und keinen Konsens! :wink: , Christoph. Gerade helles kurz- und bündige Ansage spricht auch mir aus dem Herzen! Also wenn Ihr es erlaubt, werde ich dann doch, wo es passt, gelgentlich mal von "wir" sprechen - ohne dabei irgendwen im mindesten beschränken zu wollen!
Gruß
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

Volker2447
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Re: Schülerhilfe

Beitrag von Volker2447 » 22. Jan 2010, 10:09

Wer nicht wusste, worum es ging, hätte unter den aktuellen Beiträgen des angesprochenen Mitglieds den „Fall Stafette“ entdecken können. Dort war coram ein heftiger Streit entbrannt und Gliwi hatte darum gebeten, diesen in den hinteren Zelten auszutragen.

Flugs habe ich Gliwis Stein an der angewiesenen Stelle ins Wasser geworfen und ... nichts. Nur die, die keine Feuchtigkeit vertragen, haben sich geschüttelt.

Das Mindeste, was ich erwartet hatte, waren eine Grundsatzdiskussion und –vielleicht - der augenzwinkernde Exkurs eines Kenners über Rilkes (tatsächliche) Meinung zum Thema „Schüleranleihe“ und die heutigen Unterrichtsmethoden.

Nun ja, also zwinkere ich jetzt selbst mit den Augen und hole –extra für Stiltz- noch einmal Lukas 6 hervor: "Ein jeglicher Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt."

Wenn ich Zeit habe, schaue ich noch einmal 'ein.

Volker2447

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