"Ich habe einen Dichter"

Rilkes Roman.

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Paula
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"Ich habe einen Dichter"

Beitrag von Paula » 25. Okt 2004, 18:13

Hallo,

weiss zufällig jemand, wer der (glückliche) Dichter ist (oder sein könnte), den Malte hat in der Bibliotheque Nationale in Paris (im 16. Kapitel der "Aufzeichnungen...") ?

Danke und viele Grüße von Paula :lol:

e.u.
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Beitrag von e.u. » 26. Okt 2004, 08:34

Wie wäre es mit Francis Jammes?

Paula
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Beitrag von Paula » 26. Okt 2004, 22:08

Hallo e.u.,

danke für die rasche Antwort ! Wie kommst Du auf Francis Jammes ? Ich habe noch nicht von ihm gehört ?! In den "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" wird nur "Verlaine" genannt. Der kann es aber nicht sein.

Liebe Grüße von Paula :lol:

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Anna B.
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Beitrag von Anna B. » 15. Apr 2005, 19:21

Hallo,

Ob Jammes oder Verlaine - egal ... Ich zumindest habe in meiner Bibliothek viele Dichter . Aber was bedeutet das genau : "Ich habe einen Dichter" ? Wer hat einen Dichter ? Haben alle Lesenden einen Dichter und wann hat man einen ? Woran erkennt man, dass man einen hat ? Wenn man einen hat, was geschieht dann ? Hat man den dann für immer ? So viele Fragen ... und tausende von Büchern ! Hoffentlich gibt es hier jemanden, der antworten kann ?!

Anna Blume :lol:

Paula
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Beitrag von Paula » 15. Apr 2005, 20:08

Hallo Anna,

also
egal
ist das nicht: lies noch mal genau die 16. Aufzeichnung aus dem "Malte" ! Der glückliche Dichter (F. Jammes ?) lebt auf dem Lande, während Verlaine in der Stadt lebt ... Für Malte scheint es auch wichtig, einen glücklichen Dichter zu haben, da er selbst ansonsten unsicher und unglücklich ist.

Ein Zitat noch von Rilke, das Dich - als Bibliothekarin - bestimmt interessiert (und Euch anderen sicher auch - als Lesende) :

"Nur der kann wirklich über ein Buch oder ein Bild klar sein, der es besitzt. Gelegentlich gesehene Galeriebilder verwirren. Wir nehmen in den Augen neben ihnen - selbst wenn sie in einem Raum isoliert hängen - den Eindruck dieses fremden Raumes, irgendeine Geste des Galeriedieners und vielleicht überdies die Erinnerung an einen Geruch mit, der nun in ungerechter Weise unser Gedenken aufdringlich begleitet....

Bei Büchern ist das ganz ebenso. Ein mir gewohntes Exemplar erzählt mir seine Sache mit aller Vertraulichkeit. Je öfter ich es benütze, je näher liegt es mir, i-h-m einmal die Geschichte zu erzählen, während es den Zuhörer spielt. Ein befreundetes Buch geht gern und willig diesen muntern Wechsel ein, und es erwachsen gar schöne Situationen daraus. Mit der Zeit steht in dem Buche das Zehnfache von dem, was es wirklich gedruckt enthält; ich lese meine eigenen Erinnerungen und Gedanken immer wieder mit. Es ist nicht mehr in dem Deutsch von dem und jenem geschrieben, es ist mein ureigenstes Idiom. Aber dasselbe Buch in einer anderen Ausgabe ist wie ein Mensch, der mir in der Fremde begegnet und von dem ich kaum zu sagen weiß, ob er mir nur vom Vorübergehen oder vom Verkehr bekannt sei.

Gegen geborgte Bücher behält man stets eine gewisse formelle Höflichkeit. Ich würde das Buch, welches ein Mädchen mir geborgt hat, nie im Bette oder in Morgenkleidung lesen und ein Werk aus der großen Bücherei eines Kollegen nicht in meine enge Büchersammlung stellen, sondern ihm einen bevorzugten Platz auf meinem Tische zuweisen. Wenn ich vollends einen Vorgesetzten hätte - das muß wie eine zu niedrige Zimmerdecke sein -, könnte ich Bücher, von ihm entlehnt, doch unmöglich anders als mit dem Hut in der Hand gebrauchen; kurz, man gewinnt kein Verhältnis zu solchen Büchern, man bleibt stets "per Sie" mit ihnen...".

Nun , was sagt Ihr dazu :wink: ?

Ich finde es ist interessant, dass Malte seinen Dichter - dennoch - in der Bibliothek findet. Vielleicht ein Hinweis , dass man trotz (äusserlicher) Armut innerlich reich werden kann - wie Rilke es oft ausdrückte ? Sicher gab es auf Ulsgaard eine private Bibliothek für Malte und seine Familie ?!

Paula :lol:

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Anna B.
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Beitrag von Anna B. » 18. Apr 2005, 19:05

Hallo Paula,

ich stelle auch nicht alle Bücher in mein Bücherregal zu Hause. Habe gar keinen Platz dafür , müsste erst noch anbauen :wink: !

Wie oft kommen Besucher in meine Bibliothek und sind froh, dort Bücher zu finden, die längst vergriffen sind auf dem Buchmarkt .... Ich versuche ziemlich viel auch antiquarisch zu bekommen .

Weißt Du zufällig, ob Rilke eine eigene Bibliothek besaß ? Er ist doch soviel gereist und hatte auf den Schlössern, die er besuchte, bestimmt die Bibliotheken der Adligen zur Verfügung ?

Wer weiß da was Genaueres ?

Liebe Grüße von Anna :lol:

Arena
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Ich habe einen Dichter

Beitrag von Arena » 20. Apr 2005, 17:04



Liebe Anna B.,

Rilke hatte bis 1914 eine recht ansehnliche Bibliothek in Paris, aber alle diese Bücher wurden versteigert, als er von Deutschland aus die Miete seiner Wohnung dort nicht bezahlen konnte.

Seine Bücher aus Muzot sind in der Schweizerischen Landesbibliothek in Bern, es sind vor allem französische Bücher, über die Rilke in vielen Briefen dieser Jahre geschrieben hat - er empfahl gern Zeitgenössisches.

Und schließlich hatte er auch Bücher bei seiner Frau Clara, die noch im Familienbesitz sind, in Weimar und in Gernsbach.

Es hat mal jemand ein Buch über "Rilkes Bibliothek" geschrieben, aber eher "virtuell", nämlich über alle Bücher die er einmal erwähnt hat. Sicher können e.u. oder Barbara den richtigen Titel nennen!

Soviel erstmal - und es ist wirklich Francis Jammes, den Malte meint, Rilke hat es bezeugt!

Grüße von Renée (Arena)

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Beitrag von Barbara » 21. Apr 2005, 17:45

Hallo,

in Tina Simons Buch "Rilke als Leser" , Frankfurt am Main, 2001 findet man eine sehr gute ausführliche tabellarische Übersicht für die Jahre 1912 bis 1920 über Rilkes Lektüren mit genauem Datum und Art der Erwähnung . Es lohnt sich, das Buch zu lesen !

Ob es für die übrige Zeit etwas Entsprechendes gibt ?

Barbara :lol:

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