Maeterlinck und Rilke

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Maeterlinck und Rilke

Beitrag von Gast » 5. Feb 2006, 20:53

Hallo,

welche Bedeutung hatte Maurice Maeterlinck für Rilke ? Wäre schön, wenn mir jemand weiterhelfen könnte. Einiges habe ich dazu bereits gelesen, wüsste aber gerne mehr ...

Barbara :lol:

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"la vie des abeilles"

Beitrag von lilaloufan » 2. Mai 2006, 13:28

Hallo Barbara,

als ich das Folgende las: "Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen", war ich sicher, dass Rilke Maeterlincks Buch über das Leben der Bienen zur Kenntnis genommen haben mochte. Bei Hans W. Panthel (1973) [ISBN 3-5030.0741-5; vergriffen] wirst du Weiterführendes finden.

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Der Satz findet sich en français unmittelbar nach dem bekannten Satz, der unten als meine Signatur steht. Dariusz hat ihn am 11. Mai 2005 hier im Forum http://www.rilke.de/phpBB3/viewtopic.php?p=6386#6386 übersetzt.
Zuletzt geändert von lilaloufan am 22. Mai 2013, 08:20, insgesamt 1-mal geändert.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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Re: Maeterlinck und Rilke

Beitrag von lilaloufan » 3. Mai 2008, 16:12

Hier steht noch etwas Interessantes zu Rilkes Urteil über Maeterlinck: http://rilke.de/phpBB3/viewtopic.php?p=9545#p9545
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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Re: Maeterlinck und Rilke

Beitrag von lilaloufan » 9. Aug 2009, 21:39

Und hier hat Projekt Gutenberg neuerdings Rilkes Maeterlinck-Aufsatz aufgenommen.

l.

P.S.: Daraus der Abschnitt über das Bienenbuch: »Es ist gewiß kein Zufall, daß Maeterlinck, der so sehnsüchtig an eine gemeinsam große Aufgabe des Menschengeschlechtes glaubt, schon als Knabe aufmerksam das Leben einer anderen Gemeinsamkeit betrachtet und verfolgt hat, daß er jahrzehntelang Gelegenheit hatte, durch die Glaswände eines Bienenstockes die Bewegungen einer anderen Welt zu begleiten, einer Welt, deren Grundgedanke nicht weniger geheimnisvoll ist und nicht weniger unbekannt als die Wahrheit, die sich auf dem Grunde unseres Lebens verborgen hält. Eben ist das Buch erschienen, in welchem Maeterlinck uns von dem ›Leben der Bienen‹ erzählt (ein starker Band von etwa 250 Seiten!), und in diesem Buche zeigt er sich uns vielleicht in seiner ganzen Größe und Weisheit. Es ist fast rührend zu sehen, wie er sich bemüht, nur Beobachtungen zu geben, Tatsachen des Bienenlebens aneinanderzureihen, ohne ihnen irgendwelche Absichten zuzumuten, außer denen, die sich ganz augenscheinlich und von selbst einstellen. Nirgends macht sich eine Überlegenheit des menschlichen Geistes fühlbar, überall spricht sich die Überzeugung aus, daß das Wunderbare jeder kleinen einfachen Tatsache größer und erhabener ist als die wunderbarsten Vermutungen, die wir daran knüpfen können. Mit einer Demut ohnegleichen geht er auch hier wieder der Wahrheit nach, für welche diese kleinen Wesen leben, und er weiß von ihr nur, daß sie nicht geringer ist und nicht weniger ewig als alle großen Wahrheiten. Er findet sie nicht bei der Königin und nicht bei den Arbeitsbienen – auch hier ist sie wieder an keine bestimmte Erscheinung gebunden, sondern über alle verteilt wie ein Licht, das aus diesen tausend winzigen Energien ausstrahlt, um die dunklen Wege zu beleuchten, auf denen ihre kleinen Kräfte auf- und niedersteigen. Er wagt nicht, in das Mysterium einzudringen, aber er erfaßt es, indem er ihm einen Namen giebt: Esprit de la ruche nennt er es, den ›Geist des Bienenkorbes‹, und es erfüllt ihn mit besonderer Freude, daß die Sorge und Arbeit dieses kleinen Gemeinwesens der Zukunft gehört, daß in diesem eigentümlichen Staat alles darauf auszugehen scheint, die Existenz kommender Generationen zu sichern und vorzubereiten.

Vielleicht empfand er in diesem Augenblick deutlicher als je, daß auch wir immer an einer Zukunft arbeiten, die glücklicher sein wird und reifer als unsere Zeit. Glücklicher, weil die Seelen immer mehr durchdringen werden durch das Dunkel unseres Verstandes und unserer Leidenschaft, das uns voneinander trennt, und weil wir im Lichte der Seelen uns besser verständigen und besser helfen werden. Denn mit den Seelen steigt eine tiefe und große Gemeinsamkeit in uns auf, von der keiner ausgeschlossen ist und die sich unserer bemächtigen muß, wie der Esprit de la ruche sich des Bienenkorbes bemächtigt hat, so daß es einmal möglich sein wird, von einem Esprit de la terre zu reden, der alle umfaßt und vereinigt und die Kräfte ordnet, die sich jetzt noch widersprechen und aufheben.
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»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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