Rilke "nach Auschwitz"

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lilaloufan
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Rilke "nach Auschwitz"

Beitrag von lilaloufan » 15. Jun 2006, 18:43

  • Wilder Rosenbusch
    Wie steht er da vor den Verdunkelungen
    des Regenabends; jung und rein;
    in seinen Ranken schenkend ausgeschwungen
    und doch versunken in sein Rose-sein;
    die flachen Blüten, da und dort schon offen,
    jegliche ungewollt und ungepflegt:
    so, von sich selbst unendlich übertroffen
    und unbeschreiblich aus sich selbst erregt,
    ruft er dem Wandrer, der in abendlicher
    Nachdenklichkeit den Weg vorüberkommt:
    Oh sieh mich stehn, sieh her, was bin ich sicher
    und unbeschützt und habe was mir frommt.
Ich weiß, dass fiktive Fragen nicht zu beantworten sind, aber sie lassen sich zu sinnvollen weiterspinnen: "Nach Auschwitz ist kein Gedicht mehr möglich, es sei denn auf Grund von Auschwitz." – Wie würde Rilke sich wohl „nach Auschwitz“ dichterisch geäußert haben?
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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