Rilke im Theater

Allgemeine Fragen zu geistigen Interessen

Moderatoren: Thilo, stilz

Antworten
Benutzeravatar
Anna B.
Beiträge: 312
Registriert: 13. Mai 2004, 20:26
Wohnort: Franken

Rilke im Theater

Beitrag von Anna B. » 31. Okt 2009, 18:56

Hallo,

gibt es Berichte, ob Rilke Theateraufführungen besucht hat ? Welche, wann, wo, mit wem ... ? Besonders interessiert mich die Zeit 1900 bis 1920. Hat er sich dazu irgendwie, irgendwann mal geäussert ? Auch Konzerte könnten interessant sein .

Anna Blume :D
"anna blume... man kann dich auch von hinten lesen... du bist von hinten wie von vorne: "a-n-n-a." (kurt schwitters)

Renée
Beiträge: 145
Registriert: 4. Feb 2004, 22:44
Wohnort: Marburg

Re: Rilke im Theater

Beitrag von Renée » 31. Okt 2009, 19:35

Liebe Anna,

es gibt eine ganze Fülle von Zeugnissen über Rilkes Theaterbesuche, angefangen in Wien mit Hofmannsthals "Hochzeit der Sobeide" und "Der Abenteurer und die Sängerin" 1899, aber vorher Carl und Gerhart Hauptmann in Berlin, Maeterlinck und später vor allem in München während des Krieges Strindberg, aber auch die erste Aufführung von Büchners "Wozzek"... Ibsen natürlich und die Duse!

Nimm Dir nur mal die "Chronik" vor!

Viel Glück! Renée

sedna
Beiträge: 368
Registriert: 3. Mai 2010, 14:15
Wohnort: Preußisch Sibirien

Re: Rilke im Theater

Beitrag von sedna » 8. Nov 2010, 00:28

Rilke an seine Mutter, Schmargendorf, am 27. März 1900:

"Im Theater war ich gar nicht, nichteinmal (wie ich ursprünglich vor hatte) in der Ibsen-Première. Es ist zu lesen so wenig erfreulich dieses Wenn wir Toten erwachen, daß ich nicht glaube, daß es ein sehr großer Verlust ist, dieser Aufführung nicht beigewohnt zu haben. Das Stück ist (nach der Lecture beurtheilt) nicht etwa greisenhaft und schwach, nur so ungeheuer einseitig, voll szenischer Übertreibungen und feinsinnig ausgetüftelter Dialoge, die nie zwischen lebenden Menschen sich bewegen können in dieser Art. Der Schluß ist ein Lawinensturz (man denke auf der Bühne!) der zwei Menschen (eben jene beiden die das Leben, die einander über einem Bildnertraum versäumt, verlassen, verloren haben) mitreißt ... Über die dahinrollenden Totgeweihten breitet eine barmherzige Schwester, welche sie im Gebirge sucht, die Hände aus mit den Worten: Pax vobiscum. ('Der Friede sei mit euch') Als das Stück in Nürnberg vor einem ganz ibsen-ungewohnten Publikum gegeben wurde, hörten die anwesenden Damen aus den lateinischen Schlußworten heraus: Max wo bist Du? Und da sie gehört hatten, daß Ibsen 'mystisch' sei, kam ihnen das als besonders bedeutsam vor, daß am Schluß eines Stückes hoch in den verschneiten Bergen eine Nonne sich plötzlich nach irgend einem geheimnisvollen Max erkundigt, der in dem Stücke nicht vorkommt.!!!"

sedna :lol:
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

Antworten