Übertragungen

Hier könnt Ihr nach Übersetzungen spezieller Rilke-Texte in fremde Sprachen fragen

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Henry
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Übertragungen

Beitrag von Henry » 19. Aug 2006, 13:46

Hallo,

ich möchte Rilke-Gedichte in Graphiken übertragen und überlege gerade, welche besonders geeignet sein könnten ?! Habt Ihr Ideen dazu ?

Henry :lol:
"Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen,
du Dämmernde, aus der der Morgen stieg.
Wir holen aus den alten Farbenschalen
die gleichen Striche und die gleichen Strahlen,
mit denen dich der Heilige verschwieg."
RMR

Andrea
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Beitrag von Andrea » 19. Aug 2006, 13:59

In Graphiken?

Und wie kamst du darauf, wenn du keine Vorstellung davon hast, welche und auf welche art?

Entschuldige wenn ich so schreibe, aber im Grunde ist es doch dein Einfall, und ich würde davon ausgehen, dass er (hoffentlich) aus irgendwas Konkretem heraus entstanden ist. Ich weiß nicht, ob man dafür andere fragen kann, was soll denn irgendein anderer dir dazu sagen können? Entweder du weißt, was du machen willst, weil es dich berührt hat, oder...es hat dich nicht berührt, und du fragst andere danach, was berühren könnte oder sie berührt hat, ohne dass du selbst einen wirklichen Bezug zu deinem eigenen Vorhaben hast, noch haben würdest.


Andrea
Kein Jenseitswarten und kein Schaun nach drüben,
nur Sehnsucht, auch den Tod nicht zu entweihn
und dienend sich am Irdischen zu üben,
um seinen Händen nicht mehr neu zu sein.

Henry
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Beitrag von Henry » 19. Aug 2006, 14:33

Hallo, Andrea,

sorry, ich hatte mich vielleicht etwas zu Ungenau ausgedrückt. Ich arbeite mit lithographischen Verfahren . Selbstverständlich habe ich eigene Ideen dazu, habe das auch bereits zu anderen Dichtern gemacht. Nun hatte ich den Einfall, etwas aus Rilkes "Stundenbuch" zu nehmen. Allein aus dem Bild soll die Aussage erkennbar werden. Ich stelle aber fest, dass das "Stundenbuch" viel zu umfassend ist für ein solches Vorhaben, es würde vermutlich zu holzschnittartig. So meine Frage hier im Rilke-Forum ?! Helft Ihr mir bei der Textauswahl (im "Stundenbuch")?

Henry
"Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen,
du Dämmernde, aus der der Morgen stieg.
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Andrea
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Beitrag von Andrea » 19. Aug 2006, 17:20

Hallo Henry,

hoffend, dass du meine Strenge nicht für Boshaftigkeit nehmen wirst, will ich das vorhin gesagte bekräftigen. Sicher hast du Recht, das Stundenbuch ist viel zu umfassend, um es vollständig lithographisch oder sonstwie zu verarbeiten. Allein du selbst suchst ja nach einem oder einigen Ausschnitten. Das Stundenbuch einmal ganz zu lesen ließe sich doch bewerkstelligen, und zwar vielleicht am besten ganz ohne zu viel Erwartung sehen, was von selbst herauskommt und dich anspricht. Umso besser, wenn es etwas sein wird, dass dir bisher noch nicht in dieser Klarheit bewusst war. Und dann weiterlesen, bis etwas daraus dich dermaßen zwingt, dass du dich nicht mehr dagegen wehren kannst. Es mag sogar etwas Gewalttätiges haben: dann, glaube ich, wäre es das Reifste. Alles andere kommt ganz von selbst, indem man es nur tut (was sich ja immer leichter sagen, als umsetzen lässt).

Es grüßt

Andrea
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Paula
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mein Stundenbuch

Beitrag von Paula » 19. Aug 2006, 20:51

Hallo Andrea, hallo Henry,

ob Frans Masereel das wohl auch getan hat ?

Henry, ich habe eine ganz andere Idee: wie wäre es, wenn Du Dein eigenes "Stundenbuch" entwirfst, sprich: für Dich markante Punkte, Orte der Begegnungen... stundenweise - in einer Art Tagebuch - notierst und daraus eine Bilderserie machst ? Nur so ein Vorschlag ! Ich habe ganz Ähnliches mal versucht ! Wäre spannend zu erfahren, ob dann das "Stundenbuch" oder die "Aufzeichnungen" daraus entstehen !?!

Paula :lol:

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lilaloufan
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Beitrag von lilaloufan » 19. Aug 2006, 21:25

Henry hat geschrieben:Allein aus dem Bild soll die Aussage erkennbar werden. Ich stelle aber fest, dass das "Stundenbuch" viel zu umfassend ist für ein solches Vorhaben, es würde vermutlich zu holzschnittartig.
Da kann ich dir nur zustimmen. Versteh’ mich nicht falsch: Ich käme nicht darauf, einen künstlerisch risikofreudigen Impuls vom Tisch zu fegen, noch ehe er unternommen ist. Viel härter urteile ich erst, wenn ein vorbildloser Kunstversuch, um einer ratlosen Öffentlichkeit sich anzudienen, ein bestehendes, anerkanntes Kunstschaffen in Anspruch nimmt, von dessen Autorität oder auch nur von dessen Renommée profitierend. Du - so ist mein Eindruck - willst dem „Stundenbuch“ dienen: Und ich fürchte ein wenig, dieser Dienst ähnelt dem des Pfadfinders, der («Jeden Tag ein gutes Werk!») die Oma über die Straße führt; nur wollte sie gar nicht auf die andere Seite…

Auch ich will jetzt Rilke nicht argumentativ „in Anspruch nehmen“; aber aufmerksam machen möchte ich, und zwar auf einen Brief an Elle Asmussen (3. September 1924), aus dem ich zu deinem eigenen Erwägen zitiere. Elle Asmussen hatte Rilke neun Zeichnungen zugesandt, in deren Rhythmus des Ausdrucks, Rilke zufolge, „ein Wesentliches jenes Erlebnisses eingegangen“ sein mochte, durch das sie „sich an das Stundenbuch (!) angeschlossen“ fühlte. Er schickte sie mit dem hier vorliegenden freundlich entschiedenen Begleitschreiben zurück.
RMR hat geschrieben:«…muss ich nun freilich versichern, dass ich jeder Art Illustrierung durchaus abgeneigt bin und alle Vorschläge dazu, welches Buch immer sie betrafen, abgelehnt habe. Ich könnte, trotz aller Teilnehmung an Ihren Blättern, auch vor Ihnen nicht anders entscheiden, denn es scheint mir ein für allemal, dass das dichterische Bild eine solche Festlegung und Bindung an bestimmte Vorstellungen des in ihm vorgeschlagenen Inhalts nicht ohne Schaden vertrüge; ein solches Bild will nicht beim Wort genommen sein, es lebt von seiner Schwebe und erneut sich aus ihr. Nicht, als ob es ungenau sein und so bleiben wolle: aber es liegt in dem Geheimnis seiner Natur, in jedem Auffassenden einen anderen Rand seiner Präzision abzuzeichnen. – Wende ich diese Voreingenommenheit auf Ihre Arbeiten an, so erscheinen mir in der Tat alle „Bilder“, für die Sie eine oft sehr glückliche Darstellung erfunden haben, durch den Eigensinn des sie fassenden Stifts irgendwie ins Besondere eingeschränkt und aufgehalten. Vielleicht, dass das erste Blatt, erfüllt von der großen Schwingung in jenen Ringen, eine Ausnahme macht. Aber selbst ein solches, dem Beschauer seine ganze Freiheit wiederschenkendes Blatt könnte ich mir nicht in jene Gedichtreihe eingefügt denken: so sehr erschien mir die Richtung der im Lesenden wirkenden Imagination auch noch durch den gültigsten Gestaltungsvorschlag unterbrochen und abgelenkt.
Mag ich mit dieser Auffassung im Unrecht sein, sie ist mir so unwillkürlich, dass ich mich ihrem Einfluss noch nie, vor irgendwelchen illustrativen Verwirklichungen, entziehen konnte. …
»
  • [Hervorh. l.]
Aus ähnlichen Gründen habe ich hier in einem anderen Thread, wo es um Rilke + Musik ging, angemerkt, die Musik solle ein eigenständiges Gewicht in einem multiplen Kunstevent haben und nicht Illustration sein. Kannst du mit dem entsprechend auf dein Vorhaben gewendeten Gedanken etwas anfangen?
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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