Motto-Gedicht

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gliwi
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Motto-Gedicht

Beitrag von gliwi » 21. Okt 2006, 19:33

Hallo,
gibt es von unserem neuen Motto-Gedicht schon eine deutsche Fassung?
Das würde mich sehr interessieren!
Mich hat es gleich in den Fingern gejuckt, aber die zwei Strophen erwiesen sich für mich unerwartet sperrig, gerade ob ihrer Kürze.

Da steht das weiße Haus, still,
wie nach einem Schrei,
die Jalousien dicht geschlossen.
Die Ziffern auf der Sonnenuhr
sind wie verwischt von einem Pfau
der darauf ruht.

Ach, heute abend werden dieser übervollen Rosen
Blütenblätter sanft zu Boden sinken.
Geh' hin, gliebtes Kind, und schau:
Der Tod enthüllt des Lebens Rätsel dir.
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

ZaunköniG
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Beitrag von ZaunköniG » 30. Okt 2006, 13:02

Hallo Gliwi,

Ich habe mich gerade des Sommertags angenommen. Das Ergebnis ist sicher für eure Zwecke zu frei, ich habe es auch zum Sonett umgeformt, aber vielleicht interessiert es ja dennoch:

http://www.forum.sonett-archiv.com/foru ... hp?fid=120
Zuletzt geändert von ZaunköniG am 17. Okt 2007, 10:32, insgesamt 1-mal geändert.
§1: Der Konjunktiv des Menschen ist unbegreiflich

Bo
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Beitrag von Bo » 30. Okt 2006, 16:48

Rätus Luck hat es in folgende Prosaversion gebracht:

Sommertag

Das weiße Haus, die Fensterläden zu, hat sich verschlossen wie ein Mund nach einem Schrei; auf der Sonnenuhr ruht sich der Pfau aus, alle Stunden des Mittags auslöschend.

Man spürt: Heute Abend werden sich entblättern die Rosen, zu voll von sich selbst, in süßen Agonien. O mein Kind, o meine Freundin geh -: Das Leben klärt sich im Tod der Dinge.

zu finden in der Kommentierten Ausgabe (A) Bd.5 (Supplementband) S.153.

gliwi
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Beitrag von gliwi » 30. Okt 2006, 17:35

Naja, das ist halt einfach wörtlich, zum Verstehen, ohne Anspruch. Danke für den Abdruck, Bo.
@ Zaunkönig. da muss mensch sich ja überall anmelden. Hast du nicht Lust, deinen "Sommertag" hier einzustellen? Dann könnten alle Interessierten vergleichen, ohne eine umständliche Anmeldung mit Passwort und allem.
Gruß
gliwi
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ZaunköniG
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Beitrag von ZaunköniG » 31. Okt 2006, 12:32

Hallo gliwi,
hier ist es, bzw die frische Erstfassung. Ich werde bestimmt noch die ein oder andere Justierung vornehmen...

Sommertag

Das Kalkputzhaus steht starr, die Jalousien
so dicht verschlossen wie nach einem Schrei,
der jäh den Zeitlauf anhält, und dabei
die Stunden einen Bogen um ihn ziehen.

Die Messingziffern auf der Sonnenuhr
sind unkenntlich verwischt von einem Pfau
der schattenhaft changierend zwischen blau
und grün dort ruhn, mit seinem Rad die Spur

der Sonne überspannt. Ach - Rosen über Rosen;
Sie werden übervoll heut abend senken
ihr Blütenkleid... - Sieh hin, mein Kind: Die losen

gewelkten Blätter geben uns zu denken;
Nun fallen sie, noch immer zart und rot;
Des Lebens Rätsel löst dir hier ihr Tod.



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