Louize Labé

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Werner Kraus
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Louize Labé

Beitrag von Werner Kraus » 27. Jan 2009, 14:54

Vor Jahren waren die Übertragung Rilkes der Sonette von Louize Labé bereits ein Thema in diesem Forum. Folgendes Problem hat sich für mich ergeben: Der Komponist Leo Spies hat ein Ballettwerk mit dem Titel Sonette der Louise Labe geschaffen. Meine Vermutung für seine Anregung ist folgende:
Rilke schreibt in einem Brief an Hedwig Woermann am 19.12.1917 aus München, dass er ihr als Weihnachtsgabe seine übersetzten Sonette der Louize Labé beilegt. Frau Woermann lebte zu dieser Zeit in Hellerau/Dresden, wo sich auch der junge Leo Spies aufhielt. Nachgewiesen ist (wiederum mit einem Brief Rilkes an Woermann vom 11.4.1918) dass Leo Spies zusammen mit seiner Schwester Ira bei Woermanns musiziert hatten und Hedwig Woermann dies Rilke mitgeteilt hatte (in der entsprechenden Briefausgabe wird "Spies" als nicht zu ermittelnder Name bezeichnet). Bei dieser oder anderer Gelegenheit - Leo Spies und Hedwig Woermann verband eine lebenslange Freundschaft - muss Leo die Weihnachtsgabe Rilkes in Händen gehabt zu haben. Er entschloss sich daraus ein Musikstück zu machen. Kennt jemand dieses Stück?
Werner

Harald
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Re: Louize Labé

Beitrag von Harald » 27. Jan 2009, 16:33

Ein Kommentar des Komponisten mit Notenbeispiel scheint in der DDR-Zeitschrift "Musik und Gesellschaft" 1959, S. 9 zu stehen. Die neun "Sonette der Louise Labé" stammen aus dem Jahr 1946. Damals war vermutlich auch Rilkes Übersetzung der 24 Sonette im Insel-Verlag Leipzig schon erschienen.
... und Anfang glänzt / an allen Bruchstelln unseres Mißlingens

sedna
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Re: Louize Labé

Beitrag von sedna » 14. Mai 2016, 21:53

Hallo,

den von Harald genannten Titel konnte ich nicht mehr ausfindig machen.
Und: Ja, Rilkes "Weihnachtsgabe" war schon gedruckt, die Übertragungen der Sonette erschienen 1917 in der Insel-Bücherei.
Werner Kraus hat geschrieben:Der Komponist Leo Spies hat ein Ballettwerk mit dem Titel Sonette der Louise Labe geschaffen [...] Bei dieser oder anderer Gelegenheit - Leo Spies und Hedwig Woermann verband eine lebenslange Freundschaft - muss Leo die Weihnachtsgabe Rilkes in Händen gehabt zu haben. Er entschloss sich daraus ein Musikstück zu machen. Kennt jemand dieses Stück?
In der Schrift "Musiker in unserer Zeit" von 1979 kommt Leo Spies selber zu Wort, dort steht allerdings zu lesen:

Mit Ausrufung des „totalen Krieges“ Ende 1944 wurden die Theater in Berlin geschlossen. Leo Spies mußte in den letzten Monaten des Krieges in den Siemenswerken arbeiten. "Hier begann in freien Stunden der Liederzyklus zu entstehen, den ich erst 1948 vollenden konnte: Die 'Neun Sonette der Louize Labé' in der Übertragung von Rainer Maria Rilke. Ich versuchte hier eine Art Roman in Arien zu gestalten. Denkmal für diese leidenschaftliche französische Dichterin aus dem 16. Jahrhundert, die gleichzeitig eine hervorragende Kämpferin für die geistige Selbständigkeit der Frau in der damaligen Gesellschaft war."

"Liederzyklus" und "Roman in Arien" – etwas weit entfernt von "Ballettwerk", will mir scheinen.

sedna
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft!

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